Zusammenfassung Volkswirtschaftlehre

Mankiw – Grundzüge der Volkswirtschaftslehre

Kapitel 1 – Zehn volkswirtschaftliche Regeln

Knappheit Die begrenzte Natur gesellschaftlicher Ressourcen. Gesellschaft hat weniger anzubieten, als die Menschen haben wollen.

VWL Wissenschaft der Bewirtschaftung der knappen gesellschaftlichen Ressourcen.

REGEL 1 Alle Menschen stehen vor abzugwägenden Alternativen

Effizienz Eigenschaft, soviel wie möglich aus den knappen Ressourcen herausholen.

Gerechtigkeit Eigenschaft, wirtschaftliche Wohlfahrt fair auf Mitglieder der Gesellschaft zu verteilen (z.B. Umverteilung der Steuern).

REGEL 2 Die Kosten eines Gutes bestehen aus dem , was man für den Erwerb eines Gutes aufgibt.

Opportunitätskosten Was man aufgeben muss um etwas anderes zu erlangen.

REGEL 3 Rational entscheidende Leute denken in Grenzbegriffen

Marginale Veränderung Abwandlung eines bestehenden Aktionsplanes durch kleine Schritte.

Grenzkosten/Grenznutzen Was sind die Nutzen/Kosten einer bestimmten Aktion. Rationale Entscheidungsträger entscheiden sich nur für eine Aktion wenn der Nutzen der Aktion die Kosten übersteigen.

REGEL 4 Die Menschen reagieren auf Anreize z.B. wenn der Preis für Äpfel steigt, werden vermehrt Birnen konsumiert.

REGEL 5 Durch Handel kann es jedem besser gehen. Ermöglicht jedem, sich auf seine beste Befähigung zu spezialisieren.

REGEL 6 Märkte sind gewöhnlich gut für die Organisation des Wirtschaftslebens.

Marktwirtschaft Volkswirtschaft, die ihre Ressourcen durch die dezentralisierten Entscheidungen zahlreicher Unternehmungen und Haushalte zuteilt, die zu diesem Zweck auf Märkten für Güter und Produktionsfaktoren zusammenwirken.

REGEL 7 Regierungen können manchmal die Marktergebnisse verbessern Gründe: Steigerung Effizienz/Förderung Gerechtigkeit

Marktversagen: Markt schafft es nicht alleine die Ressourcen effizient zuzuteilen.

Externalität Wirkung der Handlung einer Person auf die Wohlfahrt eines Nachbarn (unbeteiligter Dritter).

Marktmacht Fähigkeit eines einzelnen oder einer kleinen Gruppe, den Marktpreis massgebend zu beeinflussen (Monopol/Oligopol).

REGEL 8 Lebensstandard eines Landes hängt von der Fähigkeit ab, Waren und Dienstleistungen herzustellen.

Produktivität Menge der pro Arbeitsstunde produzierten Güter (oder auch pro Kopf möglich).

Staaten mit hoher Produktivität haben meist einen höheren Lebensstandard. Dies hat Konsequenzen für die Wirtschaftspolitik.

REGEL 9 Preise steigen, wenn zuviel Geld im Umlauf ist.

Inflation Anstieg des Preisniveaus in der Volkswirtschaft. Der Geldwert sinkt.

REGEL 10 Gesellschaft hat kurzfristig zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit zu wählen.

Phillipskurve Zielkonflikt zischen Inflation und Arbeitslosigkeit (kurzfristig). Absenkung der Inflation führt zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Weit die Preise starr sind, haben einige wirtschaftspolitische Massnahmen des Staates kurzfristige Wirkungen, die nicht mit den langfristigen Auswirkungen übereinstimmen.

Kapitel 2 – Wirtschaftliches Denken

VWL Sammeln von Daten, entwerfen von Theorien Annahmen führen zu einem leichteren Verständnis der Welt

Ökonomisches Modell zeigen nicht jede Einzelheit der Volkswirtschaft

Kreislaufdiagramm Zusammenspiel (systematische Gliederung der Abläufe) von Haushalten und Unternehmungen – Güter- und Faktorenmärkte

Produktionsmöglichkeiten- Kurve Graph, der verschiedene Output-Kombinationen zeigt, die einer Volkswirtschaft mit den vorhandenen Produktionsfaktoren und der gegebenen Produktionstechnik möglich sind.

Jede Mengenkombination auf oder unterhalb der Kurve kann produziert werden. Jenseits der Grenze mit den vorhanden Ressourcen nicht möglich.

Effizient Volkswirtschaft holt alles nur Mögliche aus den verfügbaren knappen Ressourcen raus.

Mikroökonomie Entscheidungen der Haushalte und Unternehmungen sowie Zusammentreffen der Aktivitäten auf Märkten (z.B. Schulpflicht auf Lohnniveau)

Makroökonomie Gesamtwirtschaftliche Phänomene auf aggregierter Ebene, insbesondere Inflation, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum.

Positive/deskriptive Aussage beschreibend, wie IST die Welt

Normative Aussage präskriptiv, wie die Welt sein SOLLTE.

Empirisch aus der Erfahrung

Ökonomen sind uneins, weil – sie unterschiedliche Wertvorstellungen haben – sie unterschiedliche wissenschaftliche Meinungen haben – der Rat von Scharlatanen/Sonderlingen den Konsens vernebeln

Ceteris paribus andere Dinge gleichbleibend Alle anderen als die gerade untersuchten Variablen annahmegemäß konstant bleiben.

Kapitel 3 – Interdependenz und die Handelsvorteile

Produktion zu konstanten Raten = Produktionsmöglichkeit ist eine Gerade

Selbstversorgung Verbrauch genau so gross wie die Herstellung Produktionsmöglichkeitenkurve = Konsummöglichkeitenkurve

Absoluter Vorteil Produktivitätsvorteil eines Produzenten bei der Erzeugung eines bestimmten Gutes = wer muss weniger Arbeitszeit für das gleiche Gut einsetzen

Komparativer Vorteil Hersteller mit niedrigeren Opportunitätskosten hat den komparativen Vorteil.

Unterschiede der Opportunitätskosten und komparative Vorteile schaffen Handelsgewinne.

Handel vermag jedem in der Gesellschaft zu nützen, weil er jedem die Spezialisierung auf seien Aktivitäten mit dem komparativen Vorteil ermöglichen.

Kapitel 4 – Die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage

Angebot und Nachfrage bestimmen die produzierten Menge eines jeden Gutes und den Marktpreis.

Markt Besteht aus einer Gruppe potentieller Käufer und Verkäufer einer bestimmten Ware oder Dienstleistung

Konkurrenz-/Wettbewerbs- Markt Markt mit sehr vielen Anbietern und Nachfragern. Einzelner Teilnehmer hat praktisch keinen Einfluss auf den Preis

Polypol vollständige Konkurrenz (perfect competition), vollkommener Markt

Mengenanpasser Anbieter und Nachfrager müssen gegebenen Marktpreis akzeptieren (z.B. Weizenmarkt in USA)

Unvollkommener Markt Keine gleichartigen Güter, persönlich, räumliche, zeitliche Unterschiede bei Angebot und Nachfrage plus fehlende Marktübersicht

Monopol Einziger Anbieter der den Preis setzt

Oligopol Weniger Anbieter, viele Nachfrager

NACHFRAGE

Nachfrage Bei sonst gleichen Bedingungen fällt Nachfrage, wenn der Preis des Gutes ansteigt.

Normales Gut Bei sonst unveränderten Randbedingungen STEIGT die Nachfrage bei steigendem Einkommen (Auto anstelle Bahn, Butter anstelle Margarine).

Inferiores Gut Bei sonst unveränderten Randbedingungen SINKT die Nach- frage bei steigendem Einkommen (Taxi anstelle von Nachtbus).

Substitutive Güter Zwei Güter, bei denen der Preisanstieg des einen Gutes einen Nachfrageanstieg des anderen Gutes auslöst.

Komplementäre Güter Zwei Güter, bei denen der Preisanstieg des einen Gutes einen Nachfragerückgang (auch) des anderen Gutes bewirkt.

Prohibitivpreis Schmerzgrenze des Preises der Nachfrage

Marktnachfrage Summe der individuellen Nachfragen

Marktnachfragekurve zeigt nachgefragte Gesamtmenge eines Gutes (horizontale) bei unterschiedlichen Preisen des Gutes (vertikale).

Die Nachfragekurve zeigt, was bei Preisänderungen mit der nachgefragten Menge geschieht, wobei man alle anderen Einflussgrößen auf die Nachfrage konstant hält. Sofern sich eine dieser andren Einflussgrößen ändert, verschiebt sich die Kurve.

Preis ergibt eine Bewegung auf der Nachfragekurve, Nachfragemenge verändert sich Einkommen verschiebt die Nachfragekurve, Preis verwandter Güter verschiebt die Nachfragekurve, Vorlieben, Geschmack verschiebt die Nachfragekurve, Erwartungen verschiebt die Nachfragekurve, Anzahl der Käufer verschiebt die Nachfragekurve

Zunahme der Nachfrage Verschiebung der Kurve nach rechts – Erhöhung der Einkommen – Preiserhöhung der Substitutionsgüter – Preissenkung bei Komplementärgütern – erhöhte Wertschätzung des Gutes – verbesserte Zukunftsverwartung

Abnahme der Nachfrage Verschiebung der Kurve nach links – Verringerung der Einkommen – Preissenkung bei Substitutionsgütern – Preiserhöhung bei Komplementärgütern – verminderte Wertschätzung des Gutes – ungünstige Zukunftserwartungen

ANGEBOT

Gesetz des Angebots Bei sonst unveränderten Randbedingungen steigt die angebotene Menge eines Gutes bei steigendem Preis eines Gutes.

Input-Preise Die produzierte und angebotene Menge eines Gutes ist negativ mit den Einkaufs- oder Input-Preisen verknüpft.

Technologie Technischer Fortschritt senkt die Produktionskosten und erhöht die angebotene Gütermenge.

Bei höheren Preisen steigt die Angebotskurve an, da dieser zu einer größeren lohnenden Angebotsmenge führt (oder auch bei sinkenden Kosten ).

Die Angebotskurve zeigt, was bei Preisänderungen mit der angebotenen Menge geschieht, wobei man alle anderen Einflussgrössen auf das Angebot konstant hält. Sofern sich eine dieser anderen Einflussgrössen ändert, verschiebt sich die Kurve.

Preis ergibt eine Bewegung auf der Angebotskurve Einkaufspreise (Inputpreise) verschiebt die Angebotskurve Technologie verschiebt die Angebotskurve

Erwartungen verschiebt die Angebotskurve Anzahl der Anbieter verschiebt die Angebotskurve

Vergrösserung des Angeb. Verschiebung der Kurve nach rechts

Verringerung des Angebotes Verschiebung der Kurve nach links

ANGEBOT UND NACHFRAGE ZUSAMMEN

Gleichgewicht Eine Situation, in der Angebot und Nachfrage gleich sind.

Gleichgewichtspreis Der Preis, der Angebot und Nachfrage zur Überein- stimmung bringt.

Gleichgewichtsmenge Angebotene und nachgefragte Menge beim Gleichgewichts- preis.

Beim Gleichgewichtspreis ist die Menge, die Nachfrager kaufen wollen und können, genau gleich der Menge, die Anbieter verkaufen wollen und können.

Überschussangebot Eine Situation, bei der die angebotene Menge (zum herrschenden Preis) grösser ist als die nachgefragte Menge.

Angebotsüberschuss Mengenüberschuss Preise fallen bis Gleichgewicht erreicht ist Anbieter sind bei herrschendem Preis nicht in der Lage, die Menge abzusetzen, die sie verkaufen möchten.

Nachfrageüberschuss Güterknappheit Preisanstieg Nachfrager können zum herrschenden Preis nicht die Menge bekommen, die sie kaufen wollen.

Gesetz von A & N Preisanpassungen zur Angleichung angebotener und nachge- fragter Gütermenge auf Märkten.

Komparativ-statische Analyse

1. Findet eine Verschiebung der A, N oder beider Kurven statt 2. In welche Richtung? 3. Diagramm mit Änderungen zeichnen

Heißer Sommer: Nachfragesteigerung nach Eis zu jedem Preis; Preis und Nachfrage plus = Verschiebung N nach rechts

Erdbeben Angebotsrückgang an Lebensmitteln zu jedem Preis Preis und Menge minus = Verschiebung A nach links

Verschiebung Angebotskurve = Veränderung Angebot Bewegung auf Angebotskurve = Veränderung Angebotsmenge

Verschiebung Nachfragekurve = Veränderung Nachfrage Bewegung auf Nachfragekurve = Veränderung Nachfragemenge

Kapitel 5 – Elastizität und ihre Anwendungen

Elastizität Maß für die Reagibilität der Nachfragemenge oder die Angebotsmenge auf eine der Einflussgrössen (Veränderung der Marktlage).

Preiselastizität der Nachfrage Ein Maß der Reagibilität der Nachfragemenge eines Gutes auf Änderungen seines Preises (berechnet als Quotient von %- Mengenänderung und %-Preisänderung).

Nachfrage elastisch, wenn die Preisänderung eine relativ grosse Mengenänderung bewirkt.

Nachfrage unelastisch, wenn praktisch keine Änderung stattfindet.

Lebensnotwendige Güter, Güter zur Befriedigung von Grundbedürfnissen sind unelastisch.

Luxusgüter sind im allgemeinen elastisch.

Güter mit nahen Substituten haben eine relativ elastische Nachfrage.

Im allgemeinen gilt: Vanilleeis ist elastischer als Speiseeis, Speiseeis ist elastischer als Nahrungsmittel.

Auf lange Sicht weisen alle Güter eine größere Preiselastizität auf, als in einer kurzen Periode.

Preiselastizität= % Änderung der Nachfragemenge geteilt durch % Preisänderung

Vollkommen unelastische Nachfrage Preiselastizität = 0 Egal wie teuer, Nachfrage (N) immer gleich (z.B. 30l Benzin)

Unelastische Nachfrage Preiselastizität < 1 Geringe Änderung der N bei Preisanstieg

Einheitselastizität Preiselastizität =1

Elastische Nachfrage Preiselastizität > 1 Extreme Abnahme der N bei Preisanstieg

Vollkommen elastische Nachfrage Preiselastizität ? Ich will für 50€ Benzin, egal wie viel es gibt

Umsatz Betrag der vom Käufer bezahlt und vom Verkäufer eingenommen wird (Erlös), berechnet aus Preis und Menge

Nachfrage < 1 Umsatzplus = Preissteigerung; Umsatzminus = Preissenkung

Nachfrage > 1 Umsatz + = Preissenkung Umsatz – = Preissteigerung

Nachfrage = 1 Keine Umsatzänderung

Einkommenselastizität der Nachfrage Maß dafür, um wie viel die Nachfragemenge auf eine Änderung des Einkommens der Konsumenten reagiert (gemessen als %- Satz der Nachfrageänderung dividiert durch %-Satz der Einkommensänderung)

Preiselastizität des Angebotes Maß der Reagibilität der Angebotsmenge eines Gutes auf Änderungen seines Preises (gemessen als Quotient von %- Mengenänderung und %-Preisänderung)

Angebot elastisch, wenn Preisänderung relativ große Mengenänderungen bewirken. Unelastisch, falls kaum merkliche Änderung. Exklusive Angebote (Grundstück mit Seeanstoss) sind unelastisch. Massenwaren (Bücher, Autos) sind elastische Angebote. Langfristig ist Angebot elastischer als kurzfristig.

Preiselastizität= %-Änderung Angebotsmenge geteilt durch %-Preisänderung

Vollkommen unelastisches Angebot Elastizität = 0 Egal wie teuer, Menge immer gleich die Preis angeboten wird

Unelastisches Angebot Elastizität < 1 Kleine Erhöhung Angebot auf Preiserhöhung

Einheitselastisches Angebot Elastizität = 1 Gleiche Änderung

Elastisches Angebot Elastizität > 1 Viel höheres Angebot bei Preisanstieg

Vollkommen elastisches Angebot Elastizität ? Egal wie groß die Menge ist, Preis bleibt immer gleich

Magisches Sechseck: Vollbeschäftigung, Sozialer Ausgleich, Wirtschaftswachstum , Preisstabilität, Außenwirtschaftliches Gleichgewicht, Umweltqualität

Kapitel 6 – Angebot, Nachfrage und wirtschaftspolitische Maßnahmen

Steuern haben für Politiker einen zweifachen Zweck: Einnahmen für öffentliche Aufgaben zu erzielen und Marktergebnisse beeinflussen.

Höchstpreis Price ceilling Ein gesetzlicher Höchstpreis, zu dem ein Gut verkauft werden darf.

Mindespreis Price floor Ein gesetzlicher Mindestpreis, zu dem ein Gut verkauft werden kann.

Unwirksamer Höchstpreis: Gleichgewichtsmenge und Gleichgewichtspreis liegen unter dem Höchstpreis = Marktgleichgewicht funktioniert

Wirksamer Höchstpreis: Marktpreis liegt unter dem Gleichgewichtspreis was zu einem Nachfrageüberschuss führt.

Marktkräfte von Angebot und Nachfrage tendieren hin zum Gleichgewichtspreis, doch wenn der Preis an die Obergrenze stösst, kann er nicht weiter ansteigen. Der Marktpreis entspricht dann dem vorgeschriebenen Höchstpreis.

Wenn auf einem Wettbewerbsmarkt ein wirksamer Höchstpreis unterhalb des möglichen Gleichgewichtspreise eingeführt wird, kommt es zu einem Nachfrageüberschuss und der Notwendigkeit einer Rationierung des knappen Gutes unter der grossen Nachfragerzahl.

Freie Märkte rationieren die Güter über ihre Preise.

Fallbeispiel Mietpreisbindung: Auf kurze Sicht ist das Wohnungsangebot fest gegeben; denn die Eigentümer und Vermieter können die Angebotsmenge nur langsam an die veränderte Marktlage anpassen. Angebot und Nachfrage nach Mietwohnungen sind kurzfristig vergleichsweise inelastisch. Wie jeder wirksame Höchstpreis verursacht eine Mietpreisbindung zunächst einmal eine Angebotslücke oder eine Nachfrageüberschuss. Der Primäreffekt eines Höchstpreises führt dazu, dass der Mietpreis unter den Gleichgewichtspreis abgesenkt wird. Langfristig werden die Neubauten von Miethäusern zurückgehen und die Reparaturen ausbleiben. Auf der Nachfrageseite werden niedrige Mietpreise mehr Menschen dazu ermuntern, Wohnungen zu suchen und vom Land in die Stadt zu ziehen. Deshalb sind Angebot und Nachfrage langfristig sehr viel elastischer als kurzfristig. Bei wirksamen Höchstpreisen mit Nachfrageüberschuss verlieren die Vermieter den Anreiz, auf die bekannte Interessenlage der Mieter einzugehen. Vorschriften sind völlig überflüssig, wenn der Wohnungsmarkt ein Konkurrenzmarkt ist und sich die Wünsche von Nachfragern und Anbietern über den Gleichgewichtspreis angleichen können.

Ein wirksamer Mindestpreis verursacht einen Angebotsüberschuss.

Im Falle wirksamer Mindestpreise sind einige Anbieter nicht in der Lage, ihr Angebot abzusetzen. Auf dem Konkurrenzmarkt dagegen dient der Preis als Rationierungs- oder Zuteilungsmechanismus, und die Anbieter können zum Gleichgewichtspreis ihre ganze Angebotsmenge verkaufen.

Zu den praktisch bedeutsamsten Fällen von Mindestpreispolitik gehört der gesetzliche Mindestlohn. In diesem Fall heißt der Angebotsüberschuss Arbeitslosigkeit. Der Mindestlohnsatz erhöht die Einkommen der Arbeitskräfte, die einen Arbeitsplatz haben,
Nachfrageüberschuss vermindert aber sehr drastisch die Einkommen jener Arbeitskräfte, die keine Anstellung finden.

Eine Anhebung des Mindestlohnsatzes um 10% die Beschäftigung der Jugendlichen um etwa 1 bis 3% herunterdrückt!

Sobald die Politiker die Preise durch gesetzliche Vorschriften setzen, verdunkeln und verfälschen sie die Marktsignale, die gewöhnlich zur Allokation der gesellschaftlichen Ressourcen führen.

Oft schaden Preiskontrollen gerade jenen, welchen geholfen werden soll. Höchstmieten halten zwar die Mietpreise niedrig, doch nehmen sie den Eigentümer den Antrieb für Instandhaltungen und für eine Vergrösserung des Angebots. Mindestlöhne mögen wohl die Einkommen einiger Arbeitskräfte steigern, doch sie führen teilweise auch zur Arbeitslosigkeit.

Hilfe für Bedürftige kann anders als durch Preiskontrollen erreicht werden. So können z.B. staatliche Mietbeihilfen für bedürftige Familien gewährt werden. Anders als Höchstmieten schränken prozentuale Mietbeihilfen das Wohnungsangebot nicht ein. Auf ähnliche Weise sind Lohnsubventionen für Niedrigverdienende zur Hebung des Lebensstandards geeignet, ohne dass die Unternehmungen durch die Lohnhöhe vor Anstellungen zurückschrecken würden. Miet- und Lohnsubventionen kosten den Staat Geld und erfordern deshalb höhere Steuern. Regierungen auf allen Ebenen – ob Bund, Kanton oder Gemeinde – erheben Steuern, um Einkünfte für öffentliche Aufgaben zu gewinnen.

Steuerinzidenz Wer trägt die Last der Besteuerung?

Fallbeispiel: Gemeindeverwaltung erlässt Beschluss, dass pro Kugel Eis 0.50 Fr. an Steuern bezahlt werden müssen. Wie wird diese Vorschrift Käufer und Verkäufer von Eis tangieren? Vorgehen: 1. Ändert diese Vorschrift die Angebots- oder die Nachfragekurve? 2. Wir klären ab, in welche Richtung die Verschiebung geschieht. 3. Prüfung der Gleichgewichtsveränderung.

1. Angebotskurve ändert sich hier nicht Nachfragekurve wird verschoben 2. Verschiebung nach links (weil Nachfragerückgang) 3. Gleichgewichtsmenge und –preis sinkt.

Obwohl Steuern voll auf den Konsumenten überwälzt wurden, tragen Käufer und Verkäufer die Steuern gemeinsam.

Allgemeine Schlussfolgerungen: Steuern entmutigen die Marktkräfte. Sobald ein Gut besteuert wird, kommt es zu kleineren gehandelten Mengen im neuen Gleichgewicht. Steuer treibt ein Keil zwischen den vom Käufer bezahlten und vom Verkäufer erlösten Preis.

Käufer und Verkäufer tragen die Steuerlast anteilig gemeinsam. Im neuen Gleichgewicht bezahlen die Käufer mehr und die Verkäufer erlösen weniger. Die Steuern werden äquivalent verteilt, egal wem sie auferlegt werden.

Die Steuerinzidenz hängt von Angebot und Nachfrage ab. Eine Steuerlast trifft jene Seite des Marktes schwerer, die weniger elastisch ist!!

Man misst die Elastizität die Bereitschaft von Anbietern und Nachfragern, bei Verschlechterung der Bedingungen den Markt zu verlassen. Eine niedrige Preiselastizität der Nachfrage besagt, dass die Nachfrager keine guten Alternativen zum Kauf und Konsum eines bestimmten Gutes haben. Eine niedrige Preiselastizität des Angebotes bedeutet, dass die Anbieter keine lohnenswerten Alternativen zu Produktion und Verkauf des Gutes besitzen. Sobald das Gut besteuert wird, können die Marktteilnehmer mit den schlechteren Alternativen weniger leicht aus dem Markt gehen; sie müssen deshalb einen grösseren Teil der Steuerlast tragen. (Luxussteuer)

Die Volkswirtschaft wird durch zweierlei Gesetze regiert: zum einen durch die Gesetze von Angebot und Nachfrage und zum anderen durch staatliche Gesetze.

Kapitel 7 – Konsumenten, Produzenten und die Effizienz von Märkten

Wohlfahrtsökonomik Lehre davon, wie die Allokation der Ressourcen die wirtschaftliche Wohlfahrt beeinflusst. Analyse führt zur Erkenntnis, dass das Marktgleichgewicht den Gesamtnutzen, den Käufer und Verkäufer erreichen, maximiert.

‚Richtiger Preis’ Der Preis, der angebotene und nachgefragte Menge an Weihnachtsgänsen zur Übereinstimmung bringt, ist in dem Sinne der beste Preis, als er den Gesamtnutzen der Produzenten und Konsumenten von Weihnachtsgänsen maximiert.

Zahlungsbereitschaft Der Höchstbetrag, den ein Käufer für ein Gut zu zahlen bereit ist.  (Grenznachfrager)

Konsumentenrente Zahlungsbereitschaft (persönlicher Höchstpreis) des Käufers minus tatsächlich bezahlter Preis.

Die Konsumentenrente misst den Nutzen eines Käufers aus der Teilnahme am Marktgeschehen (Nutzen der Käufer eines Gutes, so wie sie ihn selbst wahrnehmen). Sie ist eng mit der Nachfragekurve eines Gutes verknüpft. Gesamte Konsumentenrente ist die Summe aller Einzelkäufer-Konsumentenrenten. Der Bereich unterhalb der Kurve und oberhalb des Preises misst die Konsumentenrente eines Marktes.

Kosten Wer von allem, worauf ein Unternehmer bei der Herstellung eines Gutes verzichten muss (Geldwert der Faktoreinsätze)

Produzentenrente Verkaufspreis minus Kosten eines Gutes. Die PR misst den Nutzen eines Verkäufers aus seiner Teilnahme am Markt.

Bei jeder beliebigen Angebotsmenge zeigt der Preis auf der Angebotskurve die Kosten des Grenzanbieters, des potentiellen Verkäufers also, der bei einem noch niedrigeren Pries als erster den Markt verlassen würde.

Der Bereich unterhalb eines Preises und oberhalb der Angebotskurve misst die Produzentenrente eines Marktes. Grund: Höhe der Angebotskurve misst die Kosten und die Differenz zwischen Preis und Produktionskosten stellt jeweils die PR dar.

Ein mögliches Maß für Wohlfahrt ist die Summe der Konsumenten- und Produzentenrenten, dies Gesamtrente also (wohlmeinender gesellschaftlicher Planer).

Gesamtrente = Güterwert für die Käufer – Bezahlung durch die Käufer + Empfangene Bezahlung der Verkäufer – Kosten der Verkäufer

Oder einfacher: Gesamtrente = Güterwert für die Käufer – Kosten der Verkäufer

Effizienz Eigenschaft einer bestimmten Ressourcenallokation, die Wohlfahrt aller Mitglieder der Gesellschaft zu maximieren.

Ineffizienz ist z.B. vorhanden, wenn ein Gut nicht zu den geringstmöglichen Kosten produziert wird oder von den Käufern nicht mit der höchsten Wertschätzung und Zahlungsbereitschaft konsumiert wird.

Gerechtigkeit: Fairness der Wohlfahrtsverteilung unter den Mitgliedern der Gesellschaft.

Freie Märkte teilen das Güterangebot jenen Käufern zu, die es – gemessen an der Zahlungsbereitschaft – am höchsten schätzen und bewerten.

Freie Märkte teilen die Güternachfrage jenen Verkäufern zu, die zur Produktion mit den niedrigsten Kosten in der Lage sind.

Freie Märkte führen zur Produktion jener Gütermenge, die zum Maximum der Gesamtrente der Konsumenten und Produzenten führt.

Die Effizienz der Gleichgewichtsmenge:
Das Gleichgewichtsergebnis stellt eine effiziente Allokation der Ressourcen dar.

Diese Annahmen treffen nur in Märkten mit vollkommener Konkurrenz zu! Auf einigen Märkten sind jedoch einzelne Käufer oder Verkäufer zur Beeinflussung der Marktpreise in der Lage.

Marktmacht: Fähigkeit, den Marktpreis zu beeinflussen

Marktmacht kann zu Ineffizienz der Märkte führen, weil sie Preis und Menge vom Gleichgewicht fernhält.

Weiter wurde angenommen, dass die Marktergebnisse nur die Käufer und Verkäufer in jenem Markt tangieren. Doch im wirklichen Leben treffen die Entscheidungen oft Menschen, die gar nicht Marktteilnehmer sind (Flughafenanwohner). Diese Auswirkungen nennt man Externalitäten.

Marktmacht und Externalitäten sind Beispiele des generellen Phänomens Marktversagen – der Unfähigkeit einiger selbstgesteuerter Märkte zur effizienten Ressourcenallokation.

Siehe auch Marktversagen: bei Wettbewerbsbeschränkungen (Zölle, Einfuhrbeschränkungen usw.), Marktversagen bei öffentlichen Gütern (saubere Luft, sauberes Wasser), Marktversagen bei Externalitäten (siehe oben), Marktversagen bei ungleicher Informationsverteilung (Gesundheitswesen, IT)

Nur der Staat kann Marktversagen verhindern, beispielsweise indem er ein griffiges Wettbewerbsrecht erlässt, öffentliche Güter bereitstellt und dafür Bezugsregeln aufstellt, für Externaliäten Gebote und Verbote erlässt und schwächere Gruppen schützt.

Kapitel 8 – Die Kosten der Besteuerung

Wie schon in Kapitel 6 gelernt, erhöht eine Steuer den vom Käufer bezahlten Preis und mindert den vom Verkäufer eingenommenen Preis.

Wird die Steuer dem Verkäufer auferlegt, verschiebt sich die Angebotskurve, wird sie dem Käufer auferlegt, verschiebt sich die Nachfragekurve.

Die Einführung einer Steuer führt zu einem Rückgang der Konsumentenrente und der Produzentenrente. Das Steueraufkommen steigt an. Käufern und Verkäufern geht es schlechter, dem Staat besser, was nicht weiter überrascht.

Die Verluste der Käufer und Verkäufer durch die Einführung einer Steuer übersteigen also die staatlichen Steuereinnahmen.

Nettowohlfahrtsverlust Minderung der Gesamtrente durch eine Steuer

Es kommt durch die Steuern zur Vernichtung von Leistungsanreizen und zur ineffizienten Allokation der Ressourcen.

Steuern verursachen deshalb Nettowohlfahrtsverluste, weil sie die Käufer und die Verkäufer davon abhalten, in bestimmtem Umfange Handelsvorteile zu verwirklichen.

Ob der Nettowohlfahrtsverlust durch eine Steuer gross oder klein ausfällt, hängt von der Preiselastizität des Angebotes und der Nachfrage ab.

Je elastischer die Angebots- oder Nachfragekurve ist, desto grösser fällt der Nettowohlfahrtskurve (Dreieck zwischen Angebots- und Nachfragekurve) aus.

Der Nettowohlfahrtsverlust entspricht der steuerbedingten Vermindung der Gesamtrente. Das Steueraufkommen ist gleich Steuersatz mal verkaufte Gütermenge.

Prohibitivpreis Geschäfte kommen zum erliegen, da Preise für Käufer und Verkäufer durch extrem hohe Steuern nicht mehr bezahlbar sind

Nettowohlfahrtsverlust

0 Steuersatz Nettowohlfahrtsverlust nimmt mit dem Steuersatz zu. Steuereinnahmen (Laffer-Kurve)

Bei zunehmendem Steuersatz steigt das Steueraufkommen an , ehe es dann ab einem bestimmten Maximum zurückgeht.

Eine wachsende Besteuerung schwächt zunehmend die Leistungsanreize und führt zu einem Anwachsen der Nettowohlfahrtsverluste. Mit dem Anstieg des Steuersatzes nehmen die Steuereinnahmen zunächst zu. Die Steigerung eines hohen Steuersatzes lässt jedoch gelegentlich das Steueraufkommen sinken, weil die Marktgröße stark zurückgeht.

 

Kapitel 11 – Öffentliche Güter und gesellschaftliche Ressourcen

Ausschließbarkeit (excludability) der Güternutzung: Eigenschaft eines Gutes, nach der ein Eigentümer oder Besitzer andere von einer Nutzung ausschließen kann.

Konkurrenz (rivalness): der Güternutzung Eigenschaft eines Gutes, nach der ein Nutzer anderen die Nutzungsmöglichkeit nimmt.

Private Güter: Güter mit ausschließbarer und konkurrierender Nutzung. (Eisverkäufer kann z.B. Eis nicht herausgeben (exclude) und eine Kugel Eis kann nur einmal gegessen werden (rival) und so potentielle Genießer des Eises konkurriert werden.)

Öffentliche Güter: Güter, die weder eine ausschließbare noch eine konkurrierende Nutzung aufweisen. (Niemand kann daran gehindert werden, ein öffentliches Gut zu nutzen und niemand nimmt sich gegenseitig die Nutzungsmöglichkeiten weg.) Feuerwerkaufführung

Gesellschaftliche Ressourcen: Güter, die zwar eine konkurrierende Nutzung aufweisen, aber nicht ausschliessbar sind. (Fischfang im See, es hat weniger Fische für andere Fischer aber Fische gehören niemandem. Sauberes Wasser, saubere Luft, Öl)

Natürliches Monopol: z.B. Feuerschutz

Trittbrettfahrer (free rider): Eine Person, die den Nutzen eines Gutes erlangt, es jedoch vermeidet, dafür zu bezahlen.

Kosten-Nutzen-Analyse: Eine Studie, über den Vergleich der volkswirtschaftlichen Kosten und Nutzen aus der Bereitstellung eines öffentlichen Gutes.

Allmendeproblematik Eine Parabel, die illustriert, warum gesellschaftliche Ressourcen Stärker ausgebeutet werden, als dies vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus wünschenswert ist.

Die Allmendeproblematik birgt eine allgemeine Lehre: Sobald jemand eine gesellschaftliche Ressource nutzt, vermindert er andere Leute Nutzungsmöglichkeiten daran.

Es kommt zu Marktversagen bei der Allokation der Ressourcen, weil es an der richtigen Verankerung der Eigentumsrechte mangelt.

Kapitel 13 – Die Produktionskosten

Industrieökonomik: Unternehmerische Entscheidungen über Preise und Menge unter verschiedenen Gegebenheiten des Marktes

Ziele von Unternehmungen: 1. Gewinn 2. Fortbestand 3. Expansion/Wachstum

Gesamterlös/Erlös/ Umsatz: Geldbetrag, den eine Unternehmung für den Verkauf ihrer Produktionsmenge erhält

Gesamtkosten/Kosten: Geldbetrag, den eine Unternehmung für den Einkauf der produktionsnotwendigen Faktoreneinsätze bezahlt

Gewinn/Profit: Gesamterlös minus Gesamtkosten
Private Güter – Speisekugeln – Kleidung – gebührenpfl. Straße mit Stau
Natürliche Monopole – Feuerschutz – Kabelfernsehen – gebührenpfl. Straße ohne Stau
Gesellschaftl. Ressourcen – Fische im Meer – Umwelt – öffentliche Straße mit Stau
Öffentliche Güter – Nationale Verteidigung – Wissen – öffentliche Straße ohne Stau

Produktionskosten einer Unternehmung Opportunitätskosten der Erzeugung von Waren und Dienstleistungen

Offene/explizite Kosten z.B. Löhne, Gehälter (effektive Kosten, buchhaltungsorientiert)

Stillschweigende/ Implizite Kosten einige Arten unternehmerischer Kosten (versteckte Kosten, ökonomisches Interesse) z.B. entgangener Zinsertrag auf eingebrachtem Eigenkapital des Eigentümers

Ökonom misst den wirtschaftlichen Gewinn der Unternehmung als Gesamterlös minus gesamte Opportunitätskosten der Produktion aller verkauften Güter. Ein Buchhalter dagegen misst den buchhalterischen Gewinn der Unternehmung als Gesamterlös minus explizite Kosten der Unternehmung. Ökonom Buchhalter
Erlöse Erlöse

Produktionsfunktion: Zusammenhang zwischen der Produktionsmenge und den dafür verwendeten Faktoreneinsätzen

Die Kurve der Produktionsfunktion verläuft bei höherem Arbeitseinsatz flacher, woraus man die Abnahme des Grenzprodukts ersieht.

Grenzprodukt: Der Zuwachs an Produktmenge, den man durch eine zusätzliche Einheit an Faktoreneinsatz erzielt.

Abnehmendes Grenzprodukt Eine Eigenschaft der Produktionsfunktion, so dass die Zunahme der Produktmenge mit zunehmender Menge an Faktoreinsatz kleiner wird. (Grenzprodukt der Arbeit nimmt nach und nach ab, wenn die Anzahl der eingesetzten Arbeitskräfte ansteigt)

Die Steigung der Produktionsfunktion misst das Grenzprodukt der Arbeit. Mit zunehmendem Arbeitskräfteeinsatz sinkt das Grenzprodukt der Arbeit und die Kurve wird flacher.

Gesamtkostenkurve Zeigt den Zusammenhang zwischen der Produktionsmenge und den Gesamtkosten dieser Produktionsmenge.
Wirtschaftlicher Gewinn
Implizite Kosten
Buchhalterischer Gewinn
Explizite Kosten
Gesamte Opportunitätskosten

Explizite Kosten: Fixe Kosten Kosten, die sich nicht mit der Produktionsmenge verändern (z.B. Miete, Maschinenkosten, Gehalt)

Variable Kosten Kosten, die mit der Produktionsmenge variieren (z.B. Rohstoffe)

Die Gesamtkosten einer Unternehmung bestehen aus den fixen und den variablen Kosten.

Durchschnittliche Gesamtkosten /Durch- Gesamtkosten

Schnittskosten (DK): Hergestellte Produktmenge

Durchschnittliche Fixe Kosten: fixe Kosten (DFK) Hergestellte Produktmenge

Durchschnittliche Variable Kosten: variable Kosten (DVK) Hergestellte Produktmenge

Grenzkosten (GK): Zunahme der Gesamtkosten Herstellung einer zusätzlichen Produkteinheit

Kostenkurven weisen 3 typische Merkmale auf: – Grenzkosten steigen mit zunehmender Produktionsmenge – Kurve der Durchschnittskosten verläuft u-förmig – Grenzkostenkurve schneidet die Durchschnittskostenkurve in ihrem Minimum

Effiziente Produktionsmenge (effiziente Betriebsgrösse, Betriebsoptimum): Produktionsmenge, die zur Minimierung der Durchschnitts- kosten führt.

Wo die Grenzkosten niedriger sind als die Durchschnittskosten, fallen die Durchschnittskosten. Wo die Grenzkosten höher sind als die Durchschnittskosten, steigen die Durchschnittskosten an. Dies gilt für alle Unternehmungen mit abnehmendem Grenzprodukt. Da Fixkosten auf lange Sicht variabel sind, unterscheiden sich kurzfristige und langfristige Durchschnittskostenkurven.

Die langfristige Kostenkurve verläuft im übrigen unterhalb aller kurzfristig gültigen Kurven und sie bildet eine sehr viel flachere u-förmige Kurve als die kurzfristige.

Zunehmende Skalenerträge (economies of scale): Rückgang der langfristigen Durchschnittskosten bei wachsender Betriebsgrösse. (kleine Betriebsgrösse)

Abnehmende Skalenerträge (diseconomies of scale) Anstieg der langfristigen Durchschnittskosten bei wachsender Betriebsgrösse. (Grossbetrieb)

Konstante Skalenerträge (constant returns of scale): Gleichbleiben der langfristigen Durchschnittskosten bei wachsender Betriebsgröße (mittlere Betriebsgröße)

14. Unternehmungen mit Märken mit Wettbewerb

Der Unterschied der Marktstruktur prägt die Mengen- und Preisentscheidungen der Marktteilnehmer.

Marktangebotskurve ist eng mit den Produktionskosten der Unternehmungen verknüpft.

Konkurrenzmarkt Ein Markt mit vielen Käufern und Verkäufern, die identische (Polypol) Güter (Homogentitägsbedingungen) handeln, so dass jeder Marktteilnehmer zum Preisnehmer oder Mengenanpasser wird (sprich, wenig Einfluss auf den Marktpreis hat).

Marktteilnehmer betrachten den Marktpreis als gegeben und nicht strategisch beeinflussbar. Jeder einzelne hat jedoch – und das ist das volkswirtschaftlich Wichtige am Wettbewerb – alternative potentielle Geschäftspartner.

Eine dritte Eigenschaft eines Polypols ist: Es steht den Unternehmungen frei, in den Markt einzutreten oder aus dem Markt auszuscheiden.

Durchschnittserlös= Gesamterlös/ Verkaufte Menge

Wie viel bekommt die Unternehmung für eine typische Produkteinheit?

Bei allen Unternehmungen ist der Durchschnittserlös gleich dem Preis.

Grenzerlös= Veränderung Gesamterlös geteilt durch Zusätzlich verkaufte Mengeneinheit Bei Unternehmungen auf Märkten mit vollständiger Konkurrenz ist der Grenzerlös gleich dem Preis des Gutes.

Um den Gewinn zu maximieren wählt eine Unternehmung jene Produktionsmenge aus, die den Profit so grßs wie nur möglich macht. Durch den Vergleich der Grenzerträge und der Grenzkosten der verschiedenen Produktionsmengen findet man die gewinnmaximierende Menge auch.

Gewinnmaximierung der Unternehmung bei vollständiger Konkurrenz

P=GE1 = GE2 = DE = GE

Bei der gewinnmaximierenden Produktionsmenge sind Grenzerlös und Grenzkosten genau gleich gross!

Da die Grenzkostenkurve der Unternehmung festlegt, welche Menge die Unternehmung bei den verschiedenen Preisen anbieten wird, stellt sie bei vollständiger Konkurrenz die Angebotskurve der Unternehmung dar.

Kurzfristige Produktionseinstellung = befristete Entscheidung, mit Blick auf die Marktbedingungen nichts herzustellen

Langfristiger Marktaustritt = meint die endgültige Schließung und Auflösung der Unternehmung.

Sunk Costs Fixkosten welche bei der Entscheidung zur vorübergehenden Produktionseinstellung verloren gehen.

Die Unternehmung wird die Produktion einstellen, wenn die zu erwartenden Erlöse niedriger sind als die variablen Kosten der Produktion (kurzfristig) oder wenn der zu erwartende Gesamterlös niedriger ist als die Gesamtkosten (langfristig).

Die kurzfristige Angebotskurve der Unternehmungen unter vollständiger Konkurrenz ist jener Ast der Grenzkostenkurve, der über den durchschnittlichen variablen Kosten verläuft.

Bei vollständiger Konkurrenz bestehet die langfristige Angebotskurve der Unternehmung in jenem Teil der Grenzkostenkurve, der über den durchschnittlichen Gesamtkosten liegt.

  • Gewinn = E – K (Erlös minus Gesamtkosten)
  • Gewinn = (E/Q – K/Q) x Q (Q = Menge)
  • Gewinn = (P – DK) x Q (P = Preis, DK = Durchschnittskosten)
  • Unternehmung mit Gewinn P=DE

Sofern die bereits bestehenden Unternehmungen mit gewinn arbeiten, werden Gründer einen Anreiz zum Markteintritt empfinden. Mit dem Eintritt wird die Anzahl der Unternehmungen zunehmen und die angebotene menge anwachsen. Davon werden Preise und Gewinn nach unten gedrückt.

Am Ende aller Eintritts- und Austrittsprozesse werden die im Markt verbleibenden Unternehmungen jeweils ohne Gewinn bei Kostendeckung existieren.

Erst nachdem Preis und Durchschnittskosten zur Gleichheit hin getrieben sind, endet das Wechselspiel von Markteintritt und Marktaustritt.

Unternehmungen müssen bei vollständiger Konkurrenz sowie freiem Markteintritt und Marktaustritt langfristig bei ihre effizienten Betriebsgröße arbeiten.

Jeder Preis über den Durchschnittskosten führt zu Gewinn, Markteintritt und Steigerung des Marktangebotes. Jeder Preis darunter brächte Verluste, Marktaustritte und Verminderungen des Marktangebotes.

Da Unternehmungen zwar langfristig aber nicht kurzfristig zum Markteintritt und zum Marktaustritt in der Lage sind, entfalten Nachfrageänderungen über unterschiedliche Zeiträume hinweg unterschiedliche Wirkungen.

Durch eine neue Entdeckung in einem bestehenden Markt werden die Preise erhöht, Gewinne werden erwirtschaftet. Neue Unternehmungen treten in den Markt ein, Preise gehen zurück, bis er wieder auf dem Minimum der durchsch. Gesamtkosten ist. Jede Unternehmung produziert wieder bei ihrer effizienten Betriebsgröße, es hat jedoch mehr Unternehmungen im Markt und die Marktmenge ist grösser.

Die langfristige Angebotskurve kann durch Markteintritte und Marktaustritte waagrecht verlaufen (in Höhe der durchsch. Gesamtkosten).

Es gibt jedoch 2 Gründe, weshalb die langfristige Markt-Angebotskurve einen Anstieg aufweisen könnte: – Einige in der Produktion eingesetzten Faktoren könnten nur in begrenzter Menge verfügbar sein. – Durch unterschiedliche Kosten der Unternehmungen könnte es zu einem Anstieg der langfristigen Angebotskurve kommen.

Da Unternehmungen langfristig leichter als kurzfristig zum Markteintritt und zum Marktaustritt in der Lage sind, ist die langfristige Angebotskurve typischerweise elastischer als die kurzfristige Angebotskurve.

Kapitel 15 – Monopol

Monopolist Preismacher, der mit Mengen- oder Preisfixierung das von der Nachfrage her mögliche Marktergebnis bestimmt. Eine Unternehmung als Alleinanbieter eines Gutes, für das es kein nahes Substitut gibt.

Monopolisten können nicht beliebig hohe Gewinne durch beliebig hohe Preise erreichen, weil hohe Preise die abgesetzte Menge vermindern. Obwohl der Monopolist den Preis seines Produkts steuern kann, ist sein Gewinn nicht grenzenlos.

Beim Monopolist liegt der gesetzte Preis über den Grenzkosten (im Gegensatz zur vollständigen Konkurrenz).

Gründe für Monopole (Eintrittsschranken): – Produktionsfaktor steht im Eigentum einer einzigen Unternehmung (unbedeutender Grund in Realität) – Staatliche Lizenz gibt Unternehmung ein ausschliessliches Produktionsrecht (Häufig: Patente, Copyright) – Produktionskosten geben einem Alleinhersteller eine viel grössere Effizienz als einer grösseren Zahl von Produzenten.

Der theoretisch einfachste Weg zum Monopol geht vom Alleineigentum einer Unternehmung an einem Produktionsfaktor oder einem Schlüsselrohstoff aus. In der Praxis entstehen Monopole sehr selten aus diesem Grunde.

Oft entstehen Monopole dadurch, dass der Staat einzelnen Personen oder Unternehmungen eine Lizenz erteilt, bestimmte Waren oder Dienstleistungen alleine herzustellen und zu verkaufen. Der volkswirtschaftliche Nutzen des Patentwesens liegt in den erhöhten Anreizen zu forscherischer und kreativer Aktivität.

Natürliches Monopol Ein Monopol, das deshalb entsteht, weil eine einzelne Unternehmung ein bestimmtes Gut für den gesamten Markt zu niedrigeren Kosten als zwei oder mehr Unternehmungen produzieren kann. (z.B. Wasserverteilung, eine Unternehmung muss das Leitungsnetz zur Verfügung stellen oder eine Brücke)

Monopole in der Schweiz Medien (Konzessionen werden durch den Bund vergeben) Energieversorgung Öffentlicher Verkehr, SNB (Notenmonopol) Post (bis Päckli 2 kg)

Zunehmende Skalenerträge als Ursache der Monopolbildung

Wenn die Kurve der durchschnittlichen Gesamtkosten einer Unternehmung ständig fällt, liegt bei der Unternehmung ein natürliches Monopol vor.

Eine einzelne Unternehmung kann somit jene Gütermenge zu den geringsten Kosten erzeugen.

Im Gegensatz zur üblichen Marktlage bei einem Monopol ist der Eintritt für Newcomer bei einem natürlichen Monopol reizlos.

In einigen Fällen ist die Größe des Marktes ausschlaggebend dafür, ob ein natürliches Monopol vorliegen kann. Eine einzige Brücke kann die gesamte Nachfrage nach Flussüberquerungen mit den niedrigsten Kosten ermöglichen. Wenn die Bevölkerung jedoch wächst und auf der Brücke zunehmend Staus entstehen, kann nach und nach eine zweite oder dritte Brücke über diesen Fluss zur Befriedigung der gesamten Nachfrage notwendig werden.

Monopolist kann den Preis seiner Produkte beeinflussen. Dadurch dass er Alleinanbieter auf dem Markt ist, kann der den Marktpreis seines Produkts durch Variation seiner Angebotsmenge verändern.

Wenn der Monopolist den Preis des Gutes erhöht, kaufen die Konsumenten weniger. Anders herum betrachtet, wenn der Monopolist die Verkaufsmenge reduziert, steigt der Preis seines Produkts an.

Der Grenzerlös eines Monopolisten ist stets geringer als der Preis des Gutes (weil sich für die Marktform Monopol eine fallende Nachfragekurve ergibt)!

Grenzerlös des Monopolisten entsteht ganz anders als der Grenzerlös des Polypolisten. Wenn ein Monopolist die produzierte und zum Verkauf angebotene Menge steigert, so hat das zweierlei Wirkungen auf den Gesamterlös (P x Q): – Einen Mengeneffekt: Da mehr verkauft wird, ist Q grösser – Einen Preiseffekt: Da der Preis zurückgeht, ist P kleiner

Die Nachfragekurve zeigt, wie die Menge den Preis des Gutes beeinflusst. Die Grenzerlöskurve (liegt unter der Nachfragekurve) dagegen zeigt dagegen, wie sich der Gesamterlös oder Umsatz der Unternehmung verändert, wenn die Menge um eine Einheit erhöht wird. Da beim Produktions- und Absatzanstieg des Monopolisten alle Einheiten zu niedrigerem Preis verkauft werden müssen, ist der Grenzerlös stets niedriger als der Preis (Grenzerlös kann auch negativ sein, wenn der Preiseffekt auf den Gesamterlös stärker als der Markteffekt wird). Gewinn plus solange die Grenzkosten unter dem Grenzerlös liegen.

Unternehmung mit vergleichsweise niedrigem Produktionsniveau: Hierbei sind die Grenzkosten niedriger als der Grenzerlös. Wenn die Produktmenge um eine Einheit erhöht wird, übersteigt der zusätzliche Erlös die zusätzlichen Kosten und der Gewinn steigt.

Unternehmung mit vergleichsweise hohem Produktionsniveau: Grenzkosten sind höher als der Grenzerlös. Wenn die Unternehmung ihre Produktmenge um eine Einheit senkt, ist die Kostenersparnis grösser als die Erlöseinbusse. Gewinn plus solange die Grenzkosten höher sind als der Grenzerlös.

Die gewinnmaximierende Produktionsmenge des Monopolisten wird durch den Schnittpunkt von Grenzerlöskurve und Grenzkostenkurve bestimmt!

Der Grenzerlös entspricht bei vollständiger Konkurrenz, während der Grenzerlös im Monopolfall niedriger ist als der Preis. Somit gilt: – Für eine Unternehmung bei vollständiger Konkurrenz: P = GE = GK – Für einen Monopolisten: P > GE = GK

Die Gleichheit von Grenzerlös und Grenzkosten bei der gewinnmaximierenden Menge trifft für beide Unternehmungen zu.

Die Grenzkostenkurve stellt die Kosten des Monopolisten dar. Die gesellschaftlich effiziente Menge liegt beim Schnittpunkt der Nachfrage- und der Grenzkostenkurve. Bei einer niedrigeren Menge wäre der Nutzen für die Konsumenten höher als die Grenzkosten des Anbieters, und bei einer höheren Menge als der Menge am Schnittpunkt übersteigen die Grenzkosten den Wert für die Konsumenten, und man könnte durch eine Senkung der Menge die Gesamtrenten erhöhen.

Der Monopolist produziert weniger als die sozial oder volkswirtschaftlich effiziente Produktmenge.

Die Ineffizienz des Monopolisten

Der Monopolgewinn verändert den zu verteilenden Kuchen and Gesamtrente des Marktes nicht; er gibt nur ein grösseres Stück an den Produzenten und ein kleineres an den Konsumenten.

Das wirkliche Problem in einem monopolistischen Markt liegt darin begründet, dass die Unternehmung eine Gütermenge produziert und verkauft, die unter der Menge liegt, die für das volkswirtschaftliche Maximum von Wohlfahrt und Gesamtrenten erforderlich ist. Der Nettowohlfahrtsverlust drückt aus, um wie viel der wirtschaftliche Kuchen kleiner ist aufgrund des Monopols.

Monopole versagen – verglichen mit dem Konkurrenzmarkt – dabei, die Ressourcen effizient zu verteilen.

Gegen das Monopolproblem können Wirtschaftspolitiker mit viererlei Massnahmen vorgehen: – Mit dem Versuch, den Wettbewerb in Monopolmärkten zu steigern (Orange, diAx zu Swisscom) – Mit Verhaltensvorschriften für Monopolisten – Mit der Umwandlung privater Monopole in staatliche Unternehmungen (o. Privatisierung) – Mit Nichtstun

Da ein natürliches Monopol sinkende Durchschnittskosten aufweist, sind die Grenzkosten stets niedriger als die Durchschnittskosten. Preise in der Höhe der Grenzkosten würden also zu Verlusten führen. Eine Preissetzung in der Höhe der Grenzkosten (oder Durchschnittkosten) bedeutet, dass der Monopolist keine Anreize zur Kostensenkung hat.

Preisdifferenzierung/ Preisdiskriminierung Die Geschäftspraktik, gleiche Güter an verschiedene Kunden zu unterschiedlichen Preisen zu verkaufen. Personell, zeitlich, quantitativ, qualitativ möglich

Eine erste und offensichtliche Lehre besteht darin, dass Preisdifferenzierung eine rationale Strategie für eine gewinnmaximierenden Monopolisten ist. Ein Monopolist kann seinen Gewinn steigern, indem er verschiedene Kunden mit unterschiedlichen Preisen zur Kasse bittet.

Zweite Lehre besteht darin, dass Preisdifferenzierung eine vorgegebene oder eine machbare Marktspaltung der Kunden nach ihrer Zahlungsbereitschaft voraussetzt.

Dritte Lehre: Preisdifferenzierung steigert die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt.

Die Wohlfahrtssteigerung der Preisdifferenzierung zeigt sich eher in einer erhöhten Produzentenernte als in einer höheren Konsumentenrente.

Beispiele für Preisdifferenzierung: Kinokarten, Bahnkarten, Flugtickets, Mengenrabatte..

Kapitel 16 – Oligopol

Oligopol (auf dem vollkommenen Markt): Ein Markt mit einigen wenigen Anbietern gleicher oder sehr ähnlicher Produkte. (z.B. Markt für Tennisbälle, Rohöl)

Monopolistische Konkurrenz (Polypol auf dem unvollkommenen Markt) Ein Markt mit sehr vielen Anbietern ähnlicher aber nicht gleicher Produkte. (z.B. Markt für Romane, Spielfilme, CDs und Computerspiele)

Erste Frage bei der Untersuchung eines Marktes lautet: Wie viele anbietende Unternehmungen gibt es? Gibt es sehr viele anbietende Unternehmungen, so muss eine zweite Frage gestellt und beantwortet werden: Verkaufen die Unternehmungen gleiche oder unterschiedliche Produkte?

Vier typische Marktstrukturen

  • Zahl der Anbieter? Viele Unternehmungen Eine Unternehmung, Einige
  • Art der Produkte?  Gleiche, unterschiedliche Produkte
  • -Monopol  Leitungswasser – Kabelfernsehen
  • -Oligopol  Tennisbälle – Rohöl
  • -Monopolistische Konkurrenz Romane – Spielfilme
  • – Vollständige Konkurrenz Weizen – Milch

Kollusion Absprache von Unternehmungen über Produktionsmengen und Preise

Kartell Gruppe von Unternehmungen, die einvernehmlich (per Kollusion) agiert

Ein Kartell muss sich nicht nur über die Gesamtmenge an Produkten verständigen, sondern auch über die Produktemengen der einzelnen Kartellmitglieder.

Sobald sich eine Gruppe von Unternehmungen zu einem Kartell zusammengefunden hat, agiert dieses wie ein Monopol.

Nash-Gleichgewicht Eine Situation, in der wechselweise verbundene Akteure einzeln ihre bestmögliche Strategie mit Blick auf die Entscheidungen der anderen treffen.

Wie Monopolisten haben Oligopolisten sehr wohl ein Gespür dafür dafür, dass ihre Mengensteigerungen den Marktpreis des Produkts nach untern drücken.

Wenn also die Oligopolisten ihre individuellen Produktions- und Angebotsmenge zur eigenen Gewinnmaximierung wählen, werden sie zusammen eine grössere Menge als ein Monopolist und eine kleinere Menge als ein Polypolist auf den Markt bringen. Der Marktpreis des Oligopols ist dann niedriger als der Monopolpreis, jedoch höher als der Konkurrenzpreis.

Die Größe eines Oligopols hat folgende Wirkungen auf das Marktergebnis: – Den Mengeneffekt: Da der Preis über den Grenzkosten liegt, wird der Verkauf der zusätzliche Einheit zum herrschenden Preis den Gewinn erhöhen – Den Preiseffekt: Die Produktionssteigerung wird das Marktangebot und den Mengenabsatz erhöhen, wodurch eine Preissenkung und Gewinnminderung bei allen verkauften Einheiten eintritt.

Wenn die Anbieterzahl auf dem Oligopolmarkt größer und größer wird, ähnelt er mehr und mehr einem Konkurrenzmarkt. Der Preis nähert sich den Grenzkosten und die Produktionsmenge bewegt sich zum volkswirtschaftlich effizienten Niveau hin.

Spieltheorie Die Analyse menschlichen Verhaltens in strategischen Situationen

Gefangenendilemma Ein besonderes Spiel zwischen zwei Gefangenen, das zeigt, warum Kooperation selbst dann schwer fällt, wenn sie für beide Seiten Vorteile bringt.

Dominante Strategie Eine beste Strategie für einen Spieler, unabhängig davon, welche Strategie andere Spieler wählen.

Gegen volkswirtschaftlich unerwünschte Auswirkungen von Oligopolen erlassen die meisten Staaten wettbewerbsordnende Gesetze. Drauf aufbauend sorgen Kartellämter und Gerichtsentscheide für möglichst viel Wettbewerb. Sowohl in den USA als auch in der EU wird das Wettbewerbsrecht entsprechend weiterentwickelt.

Kapitel 17 – Monopolistische Konkurrenz

Monopolistische Konkurrenz (Polypol auf dem unvollkommenen Markt) Ein Markt mit sehr vielen Anbietern ähnlicher aber nicht gleicher Produkte. (z.B. Markt für Romane, Spielfilme, CDs und Computerspiele)

Monopolistische Konkurrenz lässt sich auch wie folgt beschreiben: – Viele Anbieter – Produktdifferenzierung – Freier Marktzutritt

Monopolistische Konkurrenz in kurzfristiger Sicht

Unternehmung mit Gewinn: Preis über Durchschnittskosten

Unternehmung mit Verlust: Durchschnittskosten liegen über dem Preis bei der optimalen Menge

In der monopolistischen Konkurrenz maximieren die Unternehmungen ihren Gewinn wie Monopolisten durch Erzeugung jener Menge, bei der Grenzerlös und Grenzkosten gleich sind. Solche Gewinnsituationen ermutigen allerdings andere Unternehmen zum Markteintritt, womit für alle der Absatzspielraum schrumpft. Die Nachfrage- oder Preis-Absatzkurven verschieben sich für die bisherigen Anbieter nach links; mit dem Absatzrückgang geht für die bisherigen Anbieter auch der Gewinn zurück. Der Markt tendiert zu einem Gleichgewicht, bei dem Preis und Durchschnittskosten sich einander annähern und der Gewinn nach null sinkt.

Preis = Durchschnittskosten; Gewinn ist null!

Unternehmungen bei vollständiger Konkurrenz produzieren mit effizienter Betriebsgrösse, die Unternehmungen bei monopolistischer Konkurrenz darunter, sie haben eine Überkapazität. Sie produzieren auf dem fallenden Teil der Durchschnittskostenkurve. Und zum zweiten verlangt jede Unternehmung einen Preis, der höher ist als die Grenzkosten.

Bei monopolistischer Konkurrenz sind nicht alle für die gesellschaftliche Wohlfahrt wünschenswerten Bedingungen wie bei vollständiger Konkurrenz verwirklicht. Die unsichtbare Hand gewährleistet bei monopolistischer Konkurrenz also nicht die Maximierung der Gesamtrenten. Da jedoch die Ineffizienzen subtil, kaum messbaren und nicht fassbar sind, gibt es für die Wirtschaftspolitik praktisch keinen gangbaren Weg zur Verbesserung des Marktergebnisses.

Die Unternehmen reagieren in dieser Situation mit Produktdifferenzierung. Dafür setzen sie Werbung und Markenpolitik (Branding) ein. Werbung bietet damit Informations- und Orientierungshilfe; Markenartikel vermitteln den Abnehmern Sicherheit über Beschaffenheit und Verfügbarkeit der Produkte und Dienstleistungen.

Kritiker behaupten, Markennamen sind das Ergebnis einer irrationalen Reaktion der Konsumenten auf die Werbung. Die Befürworter dagegen meinen, die Konsumenten hätten gute Gründe, für Markenartikel höhere Preise zu bezahlen, denn man könne in die Qualität der Produkte ein grösseres Vertrauen setzen.

Kapitel 20 – Die Einkommensverteilung

Die unsichtbare Hand des Marktes bewirkt eine effiziente Allokation der Ressourcen, aber sie gewährleistet nicht notwendigerweise, dass die Ressourcen gerecht verteilt werden. Infolgedessen sind viele Volkswirte – aber nicht alle – der Ansicht, dass der Staat das Einkommen umverteilen sollte, um mehr Gleichgewicht zu schaffen. Würde er dies tun, käme er jedoch mit anderen volkswirtschaftlichen Regeln in Konflikt. Er verzerrt Anreize, verändert Verhaltensweisen und bewirkt eine weniger effiziente Ressourcenallokation.

Zur Untersuchung der Einkommensverteilung befassen wir uns mit folgenden vier Fragen. 1. Wie gross ist das Ausmass der Ungleichheit in unserer Gesellschaft? 2. Wie viele Menschen leben in Armut? 3. Welche Probleme entstehen bei der Messung des Ausmasses der Ungleichheit? 4. In welchem Ausmass flukturieren die Menschen zwischen Einkommensklassen?

Hier einige Gründe für den Anstieg der Einkommensungleichheit: Zunahme des internationalen Handels mit Niedriglohnländern und der technologische Wandel haben tendenziell die Nachfrage nach unqualifizierter Arbeit verringert und die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit erhöht. Infolgedessen sind die Löhne der unqualifizierten Arbeitskräfte relativ zu den Löhnen der qualifizierten Arbeitskräfte gefallen, was einen Anstieg der Ungleichheit bei den Haushalten zur Folge hatte.

Fallstudie: Die Frauenbewegung und die Einkommensverteilung Die Frauenbewegung führte zu einem grösseren Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen im Hinblick auf Ausbildung und Beruf, jedoch zu einer Abnahme bei der Gleichheit des Haushaltseinkommens. Ein Grund dafür ist, dass Männer mit gutem Erwerbseinkommen (Ärzte, leitende Angestellte), heute oftmals auch eine Frau mit sehr gutem Einkommen heiraten. Dies hat zur Folge, dass reiche Haushalt noch reicher und arme noch ärmer werden.

Vergleichen wir die Einkommensverteilung einiger Länder miteinander, sehen wir das Japan an erster Stelle (siehe Buch S. 457) steht, wo das Einkommen des obersten Fünftels der Bevölkerung lediglich das Vierfache des Einkommens des untersten Fünftels beträgt. Das Schlusslicht bildet Brasilien, wo das Einkommen des obersten Fünftels mehr als das Dreissigfache des Einkommens des untersten Fünftels ausmacht.

Armutsquote Anteil der Personen mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze in Prozenten der Gesamtbevölkerung.

Armutsgrenze Einkommensgrenze, bei deren Unterschreiten Armut besteht; i.d.R. 50% des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens.

Das Nettoäquivalenzeinkommen ist ein aus dem Haushaltsnettoeinkommen ermitteltes bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen, das jeder Person im Haushalt zugewiesen wird. Armut besteht dann, wenn das individuelle Nettoäquivalenzeinkommen unter der Armutsgrenze liegt.
Grundsätzlich interessiert die Leute weniger ihr Einkommen als vielmehr ihre Fähigkeit, einen guten Lebensstandard zu erreichen. Die Angaben zur Einkommensverteilung und zur Armutsquote zeichnen aus verschiedenen Gründen ein unvollständiges Bild der Ungleichheit im Hinblick auf den Lebensstandard. Dafür gibt es folgende Gründe:

Lebenszyklus Die Einkommensentwicklung einer Person folgt, über die Lebensspanne der Person betrachtet, einem regelmäßigen Muster.

Die Höhe des Einkommens eines Menschen ändert sich in voraussagbarer Weise im Laufe seines Lebens. Es steigt zunächst, erreicht seinen Höhepunkt zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr, um danach rapide abzusinken. Diese Entwicklung wird Lebenszyklus genannt. Die Einkommensänderungen im Laufe des Lebens führen zu einer ungleichen Verteilung des Jahreseinkommens, stellen aber keine wirkliche Ungleichheit im Hinblick auf des Lebensstandard dar. Für eine Beurteilung der Ungleichheit des Lebensstandards in unserer Gesellschaft ist eher die Verteilung der Lebenszeiteinkommen bedeutsam als die Verteilung der Jahreseinkommen.

Permanentes Einkommen Das normale bzw. durchschnittliche Einkommen einer Person

Für eine Beurteilung der Ungleichheit im Hinblick auf den Lebensstandard ist die Verteilung des permanenten Einkommens bedeutsamer als die Verteilung des Jahreseinkommens. Obwohl es Schwierigkeiten bereitet, das permanente Einkommen zu messen, stellt dieses ein wichtiges Konzept dar. Da das permanente Einkommen transitorische Einkommensänderungen ausschließt, ist es gleichmäßiger verteilt als das gegenwärtige Einkommen.

Die Leute sprechen manchmal von „den“ Reichen und „den“ Armen als ob sich diese Gruppe Jahr für Jahr aus denselben Haushalten zusammensetzen würden. Tatsächlich ist das ganz und gar nicht der Fall. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Mobilität, die Fluktuation der Menschen zwischen Einkommensklassen, ins in unserer Wirtschaft beträchtlich. Bewegungen nach oben auf der „Einkommensleiter“ können eine Folge von Glück oder harter Arbeit sein, Bewegungen nach unten können auf Pech oder Faulheit zurückzuführen sein. Diese Mobilität spiegelt teils transitorische Einkommensänderungen teils dauerhafte Einkommensänderungen wider.

Armut ist eines der schwerwiegendsten Problemen, denen Politiker gegenüberstehen. Bei armen Haushalten ist die Zahl der gesundheitlichen Problemen, Schwangerschaften, Drogenabhängigkeit etc. grösser als bei reicheren Haushalten. Obwohl es Schwierigkeiten bereitet, die Ursachen der Armut von den Auswirkungen zu trennen, besteht kein Zweifel daran, dass Armut mit zahlreichen wirtschaftlichen und sozialen Misständen in Verbindung steht.

Utilitarismus Politische Philosophie, wonach der Staat Massnahmen ergreifen sollte, die den gesamten Nutzen aller Gesellschaftsmitglieder maximieren.

Nutzen Ein Mass für Glück und Zufriedenheit

Das Argument der Utilitaristen für Einkommensumverteilung basiert auf der Annahme des abnehmenden Grenznutzens. Es scheint realistisch, dass zusätzliches Einkommen für eine arme Person einen grösseren zusätzlichen Nutzen stiftet als für eine reiche Person. Anders ausgedrückt, mit steigendem Einkommen einer Person nimmt der Nutzen von zusätzlichem Einkommen ab.

Egalitärer Liberalismus Politische Philosophie, wonach der Staat Massnahmen ergreifen sollte, die von einem unparteiischen Beobachter hinter einem ‚Schleier des Nichtswissens’ für gerecht erachtet werden kann.

Since we are all similarly situated and no one is able to design principles to favour his particular conditions, the principles of justice are the result of fair agreement or bargain.

Maximum-Kriterium Die Forderung, dass der Staat darauf abzielen sollte, die Wohlfahrt des am schlechtesten gestellten Gesellschaftsmitglied zu maximieren.

Libertarismus Politische Philosophie, wonach der Staat Verbrecher bestrafen und für die Einhaltung freiwilliger Verträge sorgen, nicht aber Einkommen umverteilen sollte.

Nicht die Gesellschaft erzielt Einkommen, lediglich die einzelnen Mitglieder! Zur Beurteilung wirtschaftlicher Ergebnisse wird der Prozess beurteilt, durch den diese Ergebnisse entsehen.

Wie können Politiker die Zahl der in Armut lebenden Menschen verringern bzw. Armut zu verringern?

  1. Mindestlohngesetzgebung: Die Festsetzung eines Mindestlohnes hilft nur in seltenen Fällen, gegen die Armut anzukämpfen (siehe Kap. 6).
  2. System der sozialen Sicherung: Dazu gehören AHV, Erwerbsunfähigkeits- versicherung, Unfallversicherung, Krankenversicherung etc.
  3. Negative Einkommenssteuer: Einkommensstärkere Haushalte haben mehr Steuern zu bezahlen als einkommensschwächere (siehe Kap. 12).
  4. Antiarmutsprogramm und Arbeitsanreize: Mindesteinkommen müsste garantiert werden, d.h. der Staat würde bei tieferem Einkommen die Differenz bezahlen. Könnte zur Problematik führen, dass einige Leute dann gar nicht mehr den Willen haben zu arbeiten.

    Alle vier Maßnahmen haben Vor- und Nachteile.

    Negative Einkommenssteuer- Eine Einkommenssteuer, bei der einkommensstarke Haushalte Abgaben  leisten müssen und einkommensschwache Haushalte Transferzahlungen erhalten.

 

Kapitel 22 – Die Messung des Volkseinkommens

Für eine Volkswirtschaft als Ganzes muss das Einkommen den Ausgaben entsprechen!

Flussdiagramm siehe Mankiw S. 519 oder auch Eisenhut.

Mikroökonomik Die Analyse, wie Haushalte und Unternehmungen treffen und wie diese auf den Märkten zusammenwirken.

Makroökonomik Die Untersuchung gesamtwirtschaftlicher Phänomene, einschließlich Inflation, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum.

Bruttoinlandprodukt (BIP) Der Marktwert aller für den Endverbrauch bestimmten Waren (Y) und Dienstleistungen, die in einem Land in einem bestimmten Zeitabschnitt hergestellt werden.

Das BIP misst zwei Dinge gleichzeitig: das Gesamteinkommen der Volkswirtschaft und die Gesamtausgaben für die Erstellung von Waren und Dienstleistungen.

Das BIP versucht, ein umfassendes Maß zu sein. Es beinhaltet alles, was in einer Volkswirtschaft hergestellt und legal auf den Märkten verkauft wird. Es schließt diejenigen Dinge aus, die illegal hergestellt und verkauft werden ebenso die meisten Dinge, die zu Hause produziert und konsumiert werden. Es umfasst sowohl materielle Güter (Lebensmittel, Kleidung) als auch immaterielle Dienste (Haarschnitte, Hausreinigung). Es umfasst und den Wert der Endprodukte – nicht die Zwischenprodukte – außer ein Zwischenprodukt wird hergestellt und die Lagerhaltung einer Unternehmung erhöht, um das Produkt zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen oder zu verkaufen. In diesem Fall wird das Zwischenprodukt im Betrachtungszeitraum als Endprodukt behandelt und fließt als Lagerinvestition ins BIP ein.

Das BIP misst den Wert der Produktion innerhalb der geographischen Grenzen eines Landes.

Bruttosozialprodukt (BSP) Der Marktwert aller für den Endverbrauch bestimmten Waren und Dienstleistung, die von den dauerhaft in einem Land lebenden Personen in einem bestimmten Zeitabschnitt hergestellt werden.
Also wird dasjenige Einkommen im BSP eines Landes zusammengefasst, das von den dauerhaft in diesem Land lebenden Personen (Inländer genannt) verdient wird, unabhängig davon, wo diese es erwirtschaften. Das BSP ist ein Inländerprodukt.

Nettosozialprodukt Gesamtes Einkommen der dauerhaften Bewohner eines Landes, von dem die Verluste durch Abschreibungen abgezogen werden.

Abschreibungen Bilden den Verschleiß im Anlagebestand einer Volkswirtschaft ab.

Einkommen der privaten Haushalte Einkommen, welches Haushalte und Selbständige erhalten.

Verfügbare Einkommen Einkommen, welches den Haushalten und Selbständigen nach Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber dem Staat bzw. Geltendmachung ihrer Rechte verbleibt.

Konsum/Privater Verbrauch Ausgaben der Haushalte für waren und Dienstleistungen mit der (C) Ausnahme des Erwerbs von Grundstücken und Gebäuden sowie des Neubaus von Häusern und Wohnungen.

Investitionen Ausgaben für Kapitalausstattung, Lagerbestände und Bauten (I) einschliesslich der Ausgaben der Haushalte für den Erweb von Grundstücken und Gebäuden sowie den Neubau von Häusern und Wohnungen.

Staatsausgaben Ausgaben der Gebietskörperschaften (Länder, Städte und (G) Gemeinden) und des Gesamtstaates für Waren und DL.

Nettoexporte Ausgaben von Ausländern für im Inland produzierte Güter (NX) (Exporte) abzüglich der Ausgaben von Inländern für im Ausland produzierte Güter (Importe).

Nominales BIP Die Produktion von Waren und DL bewertet zu laufenden Preisen.

Reales BIP Die Produktion von Waren und DL bewertet zu konstanten Preisen. (Ein Jahr muss als Basisjahr gewählt werden).

BIP-Deflator Misst das aktuelle Preisniveau bezogen auf das Preisniveau des Basisjahrs.

BIP-Deflator=Nominales BIP mal 100 geteilt durch Reales BIP

Das BIP ist kein perfekter Maßstab für den Wohlstand. Ein hohes BIP trägt zu einem besseren Gesundheits- und Bildungssystem bei es bleiben jedoch einige Dinge ausgeklammert welche zu einem guten Leben beitragen (z.B. Freizeit und Qualität der Umwelt).

Kapitel 23 – Die Messung der Lebenshaltungskosten

Der Preisindex: Maß für die Preisentwicklung der, von einem „durchschnittlichen“ Konsumenten für die Lebenshaltung gekauften Waren und Dienstleistungen

Der Preisindex für die Lebenshaltung wird vom Statistischen Bundesamt allmonatlich ermittelt und bekanntgegeben.

Berechnung des Preisindexes Zur Berechnung werden Angaben über Preise von einigen hundert Waren und Dienstleistungen verwendet. Folgenden fünf Schritten hat das Bundesamt bei seinen Berechnungen zu folgen:

1. Festlegung des Warenkorbs. Es wird festgelegt, welche Preise am wichtigsten sind für den „durchschnittlichen“ Konsumenten. Kauft der Konsument mehr Hot Dogs als Hamburger, so wird der Hot Dog höher gewichtet.

2. Feststellung der Preise. Der zweite Schritt umfasst die Feststellung der Preise für jedes Gut im Warenkorb für verschiedene Zeitpunkte.

3. Berechnung des Preises des Warenkorbs. Der Preis des Warenkorbs wird über verschiedene Jahre mit Hilfe der Güterpreise festgelegt. Indem die Verbrauchsstruktur konstant gehalten wird, trennen wir die Auswirkungen von Preisänderungen von den Auswirkungen irgendwelcher Mengenänderungen, die gleichzeitig stattfinden können.

4. Auswahl eines Basisjahres und Berechnung des Index. Als vierter Schritt wird ein Jahr als Basisjahr festgelegt, dass den Vergleichsmaßtab für die anderen Jahre darstellt. Zur Berechnung des Index wird der Preis des Warenkorbs in jedem Jahr durch den Preis des Warenkorbs im Basisjahr dividiert, dieses Verhältnis wird sodann mit 100 multipliziert. Ergebnis = Preisindex für die Lebenshaltung.

5. Berechnung der Inflationsrate. Als letzter Schritt wird mit Hilfe des Preisindex für die Lebenshaltung die Inflationsrate berechnet, die der prozentualen Veränderung des Preisindex gegenüber der Vorperiode entspricht.

Inflationsrate Eine prozentuale Veränderung des Preisindex gegenüber Vorperiode.

Was ist im Warenkorb enthalten? In der Bundesrepublik Deutschland umfasst der Warenkorb für den Preisindex der Lebenshaltung zur Zeit etwa 750 Waren und Dienstleistungen, das Basisjahr ist 1991.Die grösste Ausgabeposition bilden Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. An zweiter Stelle stehen meistens die Ausgaben für Wohnungsmieten und an dritter Stelle die Verkehr- und Nachrichtenübermittlungsausgaben. Diese Ausgaben sind für alle Länder variabel. In einigen anderen wird mehr Geld ausgegeben für Verkehr- und Nachrichtenübermittlung und danach folgen Ausgaben für Möbel, Haushaltsgeräte u.ä. Eine weitere bedeutsame Ausgabenposition stellen die Ausgaben für Bildung, Unterhaltung und Freizeit dar.

Zusätzlich zum Preisindex aller Haushalte berechnet das Bundesamt Preisindizes für die Lebenshaltung verschiedener Haushaltstypen. Alle Indizes werden für eine grosse Zahl von Gütergruppen verschiedener Aggregationsstufen ermittelt. Das Bundesamt berechnet ferner Erzeugerpreisindizes, die die Entwicklung der Preise für bestimmte landwirtsch., forstwirtschaftl. und gewerbliche Produkte messen, die eher von Unternehmungen als von privaten Haushalten gekauft werden. Da Unternehmungen schliesslich steigende Kosten in Form von höheren Verbraucherpreisen an die Konsumenten weitergeben, werden Veränderungen der Erzeugerpreisindizes oftmals als hilfreich für die Voraussage von Veränderungen des Preisindex für die Lebenshaltung angesehen.

Erzeugerpreisindex Ein Maß für die Preisentwicklung der von Unternehmungen Gekauften landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gewerblichen Produkte

Probleme bei der Messung der Lebenshaltungskosten Ziel des Preisindex für die Lebenshaltung besteht darin, Veränderungen der Lebenshaltungskosten zu messen. Anders ausgedrückt heißt dies, der Preisindex versucht zu messen, welche Einkommenserhöhung erforderlich ist, um einen konstanten Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Folgende drei schwer zu lösende Probleme sind mit dem Index verbunden.: Das erste Problem ist die Substitutionsverzerrung. Bei Preisänderungen von einem Jahr zum nächsten ändern sich nicht alle Preise gleichermaßen: Manche Preise steigen mehr als andere. Die Konsumenten ersetzen also relativ teurer gewordene Güter durch relativ billiger gewordene. Der Preisindex für dir Lebenshaltung wird jedoch auf der Basis eines konstanten Warenkorbs berechnet. Das zweite Problem mit dem Preisindex ergibt sich im Zusammenhang mit der Einführung neuer Güter. Wird ein neues Gut auf den Markt gebracht, dann können die Konsumenten ihre Auswahl aus einem erhöhten Warenangebot treffen. Ein grösseres Angebot erhöht seinerseits den Wert der Währung, so dass die Konsumenten weniger Geld benötigen, um einen gegebenen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Das dritte Problem besteht in nicht erfassten Qualitätsänderungen. Verschlechtert sich die Qualität eines Gutes von einem Jahr zum nächsten, dann sinkt der Wert der Währung, selbst wenn der Preis des Gutes unverändert bleibt. Entsprechend erhöht sich der Wert einer Währung, wenn die Qualität von einem Jahr zum nächsten ansteigt. Das Statistische Bundesamt versucht, Qualitätsänderungen so gut wie möglich zu berücksichtigen.

BIP-Deflator versus Preisindex für die Lebenshaltung Der BIP-Deflator ist das Verhältnis von nominalem zu realem BIP. Da das nominale BIP dem in laufenden Preisen gemessenen Wert der Produktionsleistung einer Wirtschaft, das reale BIP der Produktionsleistung bewertet zu den Preisen eines Basisjahrs entspricht, spiegelt der BIP-Deflator das Verhältnis von laufendem Preisniveau zu dem Preisniveau des Basisjahres wider. Der BIP-Deflator und der Preisindex für die Lebenshaltung weisen zwei wichtige konzeptionelle Unterschiede auf: Der erste Unterschied besteht darin, dass der BIP-Deflator die Preise derjenigen Waren und Dienstleistungen erfasst, die im Inland erzeugt worden sind, während der Preisindex für die Lebenshaltung die Preise derjenigen Güter enthält, die von den privaten Haushalten gekauft worden sind. Der zweite Unterschied betrifft die Frage, wie die vielen verschiedenen Preise durch Gewichtung zu einer einzigen Zahl für das allgemeine Preisniveau aggregiert werden. Der Preisindex für die Lebenshaltung vergleicht den Preis eines festen Warenkorbs mit dem Preis
VWL – Zusammenfassung Seite 41
des Warenkorbs im Basisjahr. Die Zusammensetzung des Warenkorbs wird aber lediglich in Zeitabständen von fünf Jahren gemacht. Dagegen vergleicht der BIP-Deflator den Preis der gegenwärtig produzierten Waren und Dienstleistungen mit dem Preis der gleichen Waren und Dienstleistungen im Basisjahr. Die Zusammensetzung der Gruppe von Waren und Dienstleistungen, die der Berechnung des BIP-Deflators zugrunde liegt, ändert sich also automatisch im Zeitablauf. Bei gleichmässiger Preisveränderung spielt dies keine Rolle. Ändern sich jedoch die Preise verschiedener Waren und Dienstleistungen in unterschiedlichem Mass, wirkt sich die Art und Weise der Gewichtung der verschiedenen Preise auf die ermittelte Inflationsrate aus.

Inflationsbereinigung von wirtsch. Variabeln Ein Preisindex bestimmt den Umfang einer Inflationskorrektur. Das heisst, wir müssen einen aus früheren Jahren stammenden Betrag inflationieren, um den Betrag in den heutigen Wert umzurechnen.

Bsp: Gehalt von 1995 in Dollar = Gehalt von 1931 in Dollar * (Preisniveau von 1995)/(Preisniveau von 1931)

Preisindizes werden dazu verwendet, die Wirkung der Inflation bei einem Vergleich von Geldbeträgen von unterschiedlichen Zeitpunkten auszuschalten. Eine Bindung nominaler Kontrakte an die Entwicklung eines bestimmten Preisindex, um inflationsbedingte Umverteilungseffekte auszuschalten, wird als Indexierung bezeichnet. Unterschieden werden kann zwischen Lohn-, Zins- und Steuerindexierung.

Indexierung Bindung nominaler Kontrakte an die Entwicklung eines bestimmten Preisindex, um inflationsbedingte Umverteilungseffekte auszuschalten.

Der Zinssatz, den die Bank bezahlt, wird als Nominalzinssatz, der um die Inflationsrate bereinigte Zinssatz als Realzinssatz bezeichnet. Wir können die Beziehung zwischen Nominalzinssatz, Realzinssatz und Inflationsrate durch folgende Gleichung ausdrücken.

Realzinssatz = Nominalzinssatz – Inflationsrate

Der Realzinssatz entspricht der Differenz zwischen Nominalzinssatz und Inflationsrate. Der Nominalzinssatz gibt an, wie schnell das Guthaben auf dem Bankkonto im Zeitablauf zunimmt. Der Realzinssatz drückt aus, wie schnell die Kaufkraft des Sparguthabens im Zeitablauf ansteigt.

Nominalzinssatz Zinssatz ohne Bereinigung um Wirkung der Inflation.

Realzinssatz Zinssatz, der um die Wirkung der Inflation bereinigt ist.

Kapitel 24 – Produktion und Wachstum

In einem reichen Land ( USA, Japan, Deutschland etc.) beträgt das Einkommen einer Person im Durchschnitt mehr als das Zehnfache des durchschnittlichen Einkommens einer Person in einem armen Land (Indien, Nigeria). Dieser Unterschied spiegelt sich vorallem in Bezug auf die Lebensqualität eines Landes (Autos, mehr Nahrungsmittel, bessere Versicherungen).
Bruttoinlandprodukt BIP misst sowohl die gesamten Einkommen, die in einer Volkswirtschaft entstehen als auch die gesamten Ausgaben für den Erwerb der produzierten Waren und Dienstleistungen. Die Höhe des realen BIP stellt ein geeignetes Mass für wirtschaftlichen Wohlstand, das Wachstum des realen BIP ein geeignetes Mass für den wirtschaftlichen Fortschritt dar.

Einfach ausgedrückt, das Einkommen einer Volkswirtschaft entspricht den Ausgaben für ihren Output..

Produktivität Die Menge der pro Arbeitsstunde produzierten Waren und Dienstleistungen

Ein Land kann nur dann einen hohen Lebensstandard erreichen, wenn es in der Lage ist, eine große Menge an Waren und Dienstleistungen zu produzieren. Realkapital, Humankapital, natürliche Ressourcen und technologisches Wissen sind Bestimmungsfaktoren der Produktivität.

Realkapital Der Bestand an produzierten Produktionsmitteln, die für die Produktion von Waren und Dienstleistungen verwendet werden.

Humankapital Das Wissen und die Fähigkeiten, die Arbeitskräfte durch Ausbildung und Berufserfahrung erwerben.

Natürliche Ressourcen Bei der Produktion von Waren und Dienstleistungen eingesetzte Inputs, die von der Natur bereitgestellt werden, z.B. Land, Flüsse und Bodenschätze.

Technologisches Wissen: Das Wissen der Gesellschaft um die besten Wege zur Herstellung von Waren und Dienstleistungen.

Es ist sinnvoll, zwischen technologischem Wissen und Humankapital zu unterscheiden. Es gibt einen wichtigen Unterschied: Das technologische Wissen betrifft das Verständnis der Gesellschaft, wie die Welt funktioniert. Das Humankapital betrifft die Ressourcen, die dazu Aufgewendet werden, den Arbeitskräften diese Verständnis zu vermitteln.

Welche politischen Maßnahmen kann der Staat ergreifen, um die Produktivität und den Lebensstandard zu erhöhen?

1) Eine Gesellschaft kann ihre Kapitalausstattung verändern, z.B. mehr der laufenden Ressourcen in die Produktion von Kapital zu investieren.

Insbesondere ist anzumerken, dass eine Förderung des Spar- und Investitionsanreizes einen Weg für den Staat darstellt, das Wachstum zu fördern und, auf lange Sicht, den Lebensstandard der Volkswirtschaft zu erhöhen. Zwischen Wachstum und Investitionen besteht ein positiver Zusammenhang.
Die traditionelle Sichtweise des Produktionsprozesses besteht darin, dass Kapital durch abnehmende Skalenerträge gekennzeichnet ist.

Bei abnehmenden Skalenerträgen nimmt der Nutzen einer zusätzlichen Einheit eines Produktionsfaktors mit zunehmender vorhandener Menge dieses Produktionsfaktors ab.

Langfristig hat die höhere Sparquote ein höheres Niveau bei Produktivität und Einkommen zur Folge, nicht aber ein schnelleres Wachstum dieser Variablen. Die abnehmenden Skalenerträge des Kapitals weisen eine andere wichtige Implikation auf: Unter sonst gleichen Bedingungen, ist es für ein Land einfacher, ein schnelles Wachstum zu erreichen, wenn es zunächst relativ arm ist. Diese Auswirkung der Startbedingung auf das spätere Wachstum wird als Catch-up-Effekt bezeichnet.

Cach-up-Effekt Arme Länder erreichen, von einem gegebenen Ausgangspunkt bezeichnet, tendenziell ein schnelleres Wachstum als reichere Länder.

2) Die zweite Möglichkeit zur Kapitalausstattung sind Investitionen von Ausländern.

Es gibt unterschiedliche Formen von Auslandinvestitionen: – Ausländische Direktinvestition (Investition wird von ausl. Wirtschaftssubjekt finanziert und durchgeführt.) – Ausländische Portfolioinvestition (Investition, die mit Geld aus dem Ausland finanziert, aber von Inländern durchgeführt wird.)

Ausländer tätigen Investitionen in einem Land, weil sie Kapitalerträge erwarten.

Bruttosozialprodukt BSP umfasst das Gesamteinkommen, das die Inländer im In- und Ausland verdient haben.

Die Weltbank versucht, den Investitionsstrom zu den armen Ländern zu fördern. Diese internationale Organisation erhält Mittel von den am höchsten entwickelten Ländern der Welt, wie z.B. den Vereinigten Staaten, und verwendet diese Ressourcen für die Vergabe von Krediten an weniger entwickelte Länder (neue Schulen, Reparatur Kanalisation etc.). Die Weltbank wurde nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit dem internationale Währungsfonds gegründet. Das Ziel von Beiden ist es, den wirtschaftlichen Wohlstand der Welt zu fördern.

Ausbildung ist mindestens genauso wichtig für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg eines Landes wie die Investitionen in Realkapital. Deshalb ist es für jedes Land wichtig, gute Schulen zu Verfügung zu stellen. Ein Problem vieler armer Länder ist der Brain-Drain, die Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte in reiche Länder.

Ein anderer Weg für Politiker, das Wirtschaftswachstum zu fördern, besteht darin, Eigentumsrechte zu schützen und für politische Stabilität zu sorgen (Korruption, Diebstähle, Revolutionen verhindern). Die meisten Ökonomen glauben heute, dass arme Länder besser gestellt sind, wenn sie nach aussen gerichtete politische Massnahmen verfolgen, die diese Länder in die Weltwirtschaft integrieren: Freihandel.

Bei einem höheren Bevölkerungswachstum verringert sich das BIP pro Kopf, da bei einem schnellen Wachstum der Zahl der Arbeitskräfte die anderen Produktionsfaktoren auf eine grössere Zahl von Arbeitskräften verteilt werden müssen. Der primäre Grund, weshalb der Lebensstandard heutzutage höher ist als vor hundert Jahren, besteht darin, dass sich das technologische Wissen weiterentwickelt hat: Forschung und Entwicklung. Ein Weg, auf dem staatliche Maßnahmen die Forschung fördern, stellt das Patentrecht dar.

Die Volkswirte unterscheiden sich in ihrer Ansicht über die Rolle des Staates bei der Förderung des Wirtschaftswachstums. Einigkeit herrscht zumindest darüber, dass der Staat die unsichtbare Hand unterstützen kann, indem er die Eigentumsrechte garantiert und für politische Stabilität sorgt. Umstritten ist dagegen, ob der Staat bestimmte Branchen subventionieren sollte, die besonders wichtig für den technologischen Fortschritt sein könnten. Es besteht kein Zweifel, dass diese Frage zu den wichtigsten in den Wirtschaftswissenschaften gehören. Der Erfolg der Politiker einer Generation beim Lernen und Beachten der grundlegenden Zusammenhänge im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum bestimmt, wie die Welt aussieht, die die nächste Generation erbt.

Kapitel 25 – Sparen, Investieren und das Finanzsystem

Finanzsystem: Eine Gruppe von Institutionen in einer Volkswirtschaft, die helfen, die Ersparnisse einer Person mit den Investitionswünschen einer anderen Person zusammenzubringen.

Das Finanzsystem besteht aus denjenigen Institutionen in einer Volkswirtschaft, die dazu beitragen, die Ersparnisse einer Person mit Investitionswünschen einer anderen Person in Übereinstimmung zu bringe. Ersparnis und Investitionen stellen die Hauptbestandteile des Ökonomischen Wachstumsprozesses dar, wie wir im vorangegangenen Kapital gelernt haben. Spart ein Land einen großen Teil seines BIP, so sind mehr Ressourcen für Investitionen in Kapitalgüter vorhanden, und ein höherer Kapitalstock erhöht die Produktivität eines Landes und den Lebensstandard seiner Bewohner.

Im weitesten Sinne definiert kanalisiert das Finanzsystem die knappen Ressourcen einer Volkswirtschaft von den Sparern hin zu den Schuldnern.
Sparer stellen ihr Geld dem Finanzsystem zur Verfügung in der Erwartung, es später verzinst zurückzubekommen. Schuldner fragen Geld im Finanzsystem nach in dem Wissen, dass sie dieses später mit Zinsen zurückzahlen müssen. Das Finanzsystem besteht aus versch. Institutionen, die zu einer Koordination von Sparern und Schuldnern beitragen. Finanzinstitutionen können in zwei Kategorien eingeteilt werden: Finanzmärkte und Finanzintermediäre.

Finanzmärkte Finanzinstitutionen, durch die Sparer Mittel direkt an Schuldner weitergeben können.

Finanzmärkte sind diejenigen Institutionen, über die eine Person, die sparen möchte, Mittel direkt an eine Person weitergeben kann, die Geld aufnehmen möchte. Dabei sind die zwei wichtigsten Finanzmärkte in unserer Volkswirtschaft der Anleihe- oder Rentenmarkt und der Aktienmarkt.

Anleihe/Rentenpapier Eine Schuldverschreibung. (bond)

Eine Unternehmung braucht Geld und gibt dafür eine Anleihe (einfach ausgedrückt Schuldschein) aus. Der Käufer der Anleihe gibt Geld an die Unternehmung und erhält das Versprechen der verzinsten Rückzahlung am Fälligkeitsdatum. Die erste Eigenschaft der Anleihe ist die Laufzeit. Die Zinszahlung hängt oftmals von dieser Laufzeit ab. Langfristige Anleihen werfen einen höheren Zins ab als kurzfristige. Die zweite wichtige Eigenschaft ist das Kreditrisiko, also die Wahrscheinlichkeit, dass der Schuldner nicht in der Lage sein wird, einen Teil der Zinsen oder der Tilgungssumme zu zahlen (Konkurs). Die dritte wichtige Eigenschaft einer Anleihe ist ihre steuerliche Behandlung.

Aktie (stock) Ein Eigentumsanteil an einer Unternehmung (Aktiengesellschaft)

Die Unternehmung kann statt einer Anleihe auch Aktien ausgeben. Die Ausgabe von Aktien zur Aufnahme von finanziellen Mitteln wird Eigenkapital- finanzierung genannt, wohingegen die Ausgabe von Anleihen zur Fremdkapitalfinanzierung zählt. Der Besitzer einer Aktie ist Teilhaber der Unternehmung, der Besitzer einer Anleihe ist ein Gläubiger der Unternehmung. Der Aktienbesitzer kann in den Genuss eines Gewinnes, der Anleihenbesitzer erhält nur den Zins. Kommt jedoch die Unternehmung in finanzielle Schwierigkeiten, werden zuerst die Ansprüche des Anleihensbesitzers befriedigt. Der Besitz von Aktien bietet also ein höheres Risiko, aber auch einen möglicherweise höheren Ertrag.

Information: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) Ermittelt sich aus dem Aktienkurs einer Gesellschaft geteilt durch diejenige Summe, die die Unternehmung pro Aktie im Verlauf des vergangenen Jahres verdient hat. Historisch gesehen liegt das typische KGV bei etwa 15. Einhöheres KGV zeigt an, dass die Aktien einer Gesellschaft relativ teuer sind im Vergleich mit den jüngsten Gewinnen. Dies lässt darauf schließen, dass die Aktie
überbewertet ist oder die Anleger für die Zukunft hohe Gewinne erwarten. Ein tieferes KGV sagt aus, dass die Aktien relativ billig sind verglichen mit den jüngsten Gewinnen. Dies lässt darauf schließen, dass die Anleger mit sinkenden Gewinnen rechnen oder dass die Aktie unterbewertet ist.

Finanzintermediäre Finanzinstitutionen, durch die Sparer indirekt Mittel für Schuldner bereitstellen können

Über Finanzintermediäre können Sparer finanzielle Mittel auf indirektem Weg an Schuldner weiterleiten (lassen). Der Ausdruck Intermediär verdeutlicht die Rolle dieser Institutionen als Mittler zwischen Sparern und Schuldnern. Zwei der wichtigsten Finanzintermediäre – Banken und Kapitalanlage- bzw. Investmentgesellschaften.

Banken sind die geläufigsten Finanzintermediäre. Sie nehmen Einlagen an von denjenigen die sparen möchten und vergeben Kredite an solche, die Geld aufnehmen möchten. Die Zinsdifferenz die zwischen Aktiv- und Passivzins entsteht erbringt der Bank zusätzliche Gewinne. Die zweite wichtige Aufgabe der Bank ist das Erleichtern von Erwerb von Gütern und Dienstleistungen, indem sie den Kunden ermöglicht, Checks auf ihre Guthaben auszustellen. Anders ausgedrückt schaffen Banken damit spezielle Aktiva, die von den Kunden als Tauschmittel genutzt werden können.

Investmentgesellschaften Eine Institution, die Aktien (Anteilscheine) an die Öffentlichkeit ausgibt und die Einnahmen daraus verwendet, ein Portfolio aus Aktien und Anleihen oder einer Kombination beider Anlageformen zu kaufen. Der Aktionär der Investmentgesellschaft akzeptiert damit alle Risiken und Erträge die mit besagtem Portfolio verbunden sind. Der wichtigste Vorteil von Investmentfonds liegt darin, dass sie es auch Menschen mit nur geringen Summen an Geld ermöglichen zu diversifizieren. Ein zweiter Vorteil ist die Tatsache, dass diese dem „Normalbürger“ Zugang zu den Möglichkeiten eines professionellen Anlagemanagements gewähren. In der Tat weisen sogenannte Indexfonds, d.s. Investmentfonds, die alle Aktien eines bestimmten Aktienindex kaufen, durchschnittlich eine etwas bessere Entwicklung (Performance genannt) auf als Investmentfonds, die aktiv durch professionelle Anlagemanager geführt werden. Die Erklärung für die überlegene Performance der Indexfonds liegt darin, dass die Kosten niedrig gehalten werden, da sehr selten Posten gekauft oder verkauft werden und da keine Gehälter für professionelle Anlagemanager gezahlt werden müssen.

weiterer Institutionen: Kreditvereinigungen, Pensionsfonds etc., alle dienen dem selben Zwecke, nämlich der Leitung von Ressourcen von den Sparern in die Hände von Schuldnern.

Zur Untersuchung von makroökonomischen Schlüsselgrößen berechnen/bilanzieren wir, d.h. wir schauen, wie verschiedene Zahlen definiert und zusammengezählt werden. Genau wie ein Buchhalter Einzelpersonen hilft, das Einkommen und die Ausgaben aufzurechnen, so verrichtet ein Buchhalter auf nat. Ebene dieselbe Aufgabe für die Gesamtwirtschaft. Die nationale Einkommensstatistik umfasst insbesondere das Bruttoinlandprodukt (BIP) und die vielen damit verbundenen Aufstellungen.

Einige bilanzielle Identitäten (= Gleichung, die erfüllt sein muss, aufgrund der Definition der Variablen in dieser Gleichung).

Das BIP (mit Y abgekürzt) lässt sich in vier Ausgabenkomponenten unterteilen: Konsum (C), Investitionen (I) Staatsausgaben (G) und Nettoexporte (NX).

Y = C + I + G + NX

Diese Gleichung ist eine Identität.

Wir nehmen für die Analysen an, dass die zu untersuchende Volkswirtschaft geschlossen sei. Eine geschlossene Volkswirtschaft ist eine Volkswirtschaft, die nicht mit anderen Volkswirtschaften in Interaktion steht. Insbesondere beteiligt sie sich nicht am internat. Warren- und Dienstleistungsaustausch, ebensowenig wie am internat. Kapitalverkehr.

Da eine geschlossene Volkswirtschaft sich nicht am internat. Handel beteiligt, betragen die Importe und Exporte genau null. In diesem Fall können wir schreiben:

Y = C + I + G

Diese Gleichung gibt an, dass sich das BIP als Summe aus Konsum, Investitionen und Staatsausgaben errechnet.

Um zu sehen, was uns die Identität über die Finanzmärkte sagen kann, subtrahieren wir C und G von beiden Seiten der Gleichung. Wir erhalten:

Y – C – G = I

Die linke Seite (Y-C-G) gibt das Gesamteinkommen der Volkswirtschaft an, das nach der Bezahlung der Konsumwünsche und der Staatskäufe verbleibt: Diese Grösse wird nationale bzw. Gesamtwirtschaftliche Ersparnis, oder einfach Ersparnis, genannt und wird mit S bezeichnet. Wenn wir Y – C – G durch S ersetzten, so können wir die letzte Gleichung wie folgt schreiben:

S = I

Diese Gleichung sagt uns, dass die Ersparnis den Investitionen entspricht. Das Ganze kann nochmals vereinfacht werden wenn T für den Betrag steht, den der Staat von den Haushalten über Steuern einsammelt, abzüglich desjenigen Betrags, den der Staat an die Haushalte in Form von Transferleistungen zurückzahlt. Die Ersparnis können dann in einer der beiden folgenden Formen ausdrücken:

S = Y – C – G

S = (Y – T – C )+ (T – G)

Insbesondere die zweite Gleichung teilt die Ersparnis in zwei Teile auf: private Ersparnis ( Y – T – C) und in öffentliche Ersparnis (T – G).

Nationale bzw. wirtschaftl. Gesamtersparnis Das Gesamteinkommen einer Volkswirtschaft, das nach Abzug der Ausgaben für Konsum und Staatsverbrauch übrig bleibt. (Ersparnis)

Private Ersparnis Das Einkommen, das den Haushalten nach Abzug der Steuern und Konsumausgaben verbleibt.

Öffentliche Ersparnis Die Steuereinnahmen, die dem Staat nach Abzug der Staatsausgaben verbleiben.

Budgetüberschuss Die Steuereinnahmen übersteigen die Staatsausgaben. T ist grösser als G

Budgetdefizit Die Steuereinnahmen fallen geringer aus als die Staatsausgaben G ist grösser als T

Für die Volkswirtschaft als Ganze muss die Ersparnis den Investitionen entsprechen. Das Finanzsystem ist verantwortlich dafür, wieviel jemand sparen oder investieren möchte: Der Anleihenmarkt, der Aktienmarkt und die anderen Finanzmärkte sowie die Intermediäre stehen zwischen diesen beiden Seiten der Gleichung S = I. Sie erhalten die Ersparnis des entsprechenden Landes und lenken diese in Investitionen um.

Investitionen beziehen sich auf den Kauf von neuem Kapital. Ersparnis bedeutet, dass das Einkommen die Konsumausgaben übersteigt.

 Der Kreditmarkt wird, ebenso wie andere Märkte der Volkswirtschaft, durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Das Angebot an Mitteln stammt von denjenigen Menschen, die einen (derzeit überzähligen) Teil ihres Einkommens sparen und verleihen wollen. Diese „Ausleihung“ kann in direktem oder indirektem Weg realisiert werden. In beiden Fällen ist Ersparnis die Quelle des Angebots an Kreditmitteln. Die Nachfrage nach Kreditmitteln kann von Familien, Haushalten oder Unternehmungen stammen. Der Zinssatz ist der Preis für einen Kredit. Er gibt an, was Schuldner für den Kredit zahlen müssen und was Gläubiger für ihre Ersparnis erhalten.

Wäre der Zinssatz niedriger als sein Gleichgewichtswert, wäre die Menge der angebotenen Kreditmittel geringer als die nachgefragte Menge. Das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage pendelt sich ein aufgrund der Konkurrenz auf dem Markt.

Nominaler Zinssatz Zins, der in der Regel genannt wird

Realer Zinssatz Nominalzins korrigiert um die Inflation (genauere Angabe, daher im weiteren benutzt)

Politik Nr. 1, Steuern und Ersparnisse: In vielen Volkswirtschaften wird zu wenig gespart. Als Antwort auf dieses Problem fordern Ökonomen, dass höhere Ersparnisse gefördert werden sollen. So gibt es Modelle, die Einkommensbesteuerung oder zumindest Teile davon durch eine stärkere Konsumbesteuerung ersetzen möchten. Bei Vorliegen einer Konsumsteuerung wird das Einkommen, das gespart wird, erst dann besteuert, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt ausgegeben wird. Die bekannteste Konsumsteuer ist die Mehrwertsteuer

Steueranreize, die die Ersparnis betreffen, erhöhen das Kreditangebot, dadurch vermindert sich der gleichgewichtige Zinssatz und das gleichgewichtige Kreditvolumen erhöht sich.

Politik 2, Steuern und Investitionen Eine Unternehmung, die eine neue Fabrikanlage errichtet, erhält Steuerminderungen. Diese nennt man Investitionssteuerbefreiung bzw. Investitionssteuergutschrift. Dieses Gesetz beeinflusst die Nachfrage nach Kreditmitteln, da mehr Investitionen getätigt werden. Die Nachfragekurve verschiebt sich nach rechts, da bei jeder Zinshöhe die Nachfrage nach Krediten steigt. Das Angebot verändert sich jedoch nicht, da der Betrag, den die Haushalte bei jedem gegebenen Zinssatz sparen wollen, nicht beeinflusst wird. Die erhöhte Nachfrage nach Krediten erhöht aber den Zinssatz und die Haushalte reagieren mit einem Anstieg der Ersparnis darauf.

Ein Investitionssteuerfreibetrag erhöht die Kreditnachfrage, wodurch der gleichgewichtige Zinssatz steigt und das gleichgewichtige Kreditvolumen ebenso

Politik Nr. 3: Staatliche Budgetdefizite Eines der drängendsten Themen auf der politischen Agenda des zu Ende gehenden Jahrzehnts sind staatliche Budgetdefizite, insbesondere auch im Zusammenhang mit den Konvergenzkriterien der Europäischen Währungsunion. Gibt eine Regierung mehr aus als sie an Steuereinnahmen in die Kasse bekommt, so wird die Differenz Budgetdefizite genannt. Die Anhäufung von Budgetdefiziten aus früheren Perioden wird Staatsverschuldung genannt. Ein Grossteil der öffentlichen Debatte konzentriert sich daher auf die Auswirkungen von Defiziten sowohl was die Allokation knapper Ressourcen einer Volkswirtschaft angeht als auch was das langfristige Wachstum anbetrifft. Eine Änderung des staatlichen Budgetdefizits stellt damit eine Veränderung der öffentlichen Ersparnis und damit des Angebots an Kreditmitteln dar. Die Nachfragekurve nach Kreditmitteln bleibt unverändert. Erzielt die Regierung ein Budgetdefizit, so fällt die öffentliche Ersparnis negativ aus, und damit wird die nationale Ersparnis vermindert. Anders ausgedrückt bedeutet dies, wenn die Regierung Mittel aufnimmt, um das Budgetdefizit zu finanzieren, so reduziert sie damit das Angebot an Kreditmitteln, die den Haushalten und Unternehmungen zur Finanzierung ihrer Investitionsvorhaben zur Verfügung stehen. Also verschiebt ein Budgetdefizit die Angebotskurve für Kreditmittel nach links.

Ein Budgetdefizit vermindert das Kreditangebot, wodurch der gleichgewichtige Zinssatz ansteigt und das gleichgewichtige Kreditvolumen abnimmt.

Als weiteren Punkt vergleichen wir das alte und neue Gleichgewicht. Das Budgetdefizit vermindert das Angebot an Kreditmitteln; in unserem Schaubild steigt der Zinssatz daraufhin von 5 % auf 6 %. Dieser höhere Zinssatz wirkt nun auf das Verhalten der Haushalte und Unternehmungen, die am Kreditmarkt auftreten. Viele Nachfrager nach Kreditmitteln werden entmutigt durch den höheren Zinssatz. Weniger Familien kaufen neue Häuser, und weniger Unternehmungen entscheiden sich für den Bau neuer Fabrikanlagen. Der Rückgang der Investitionen aufgrund staatlicher Kreditaufnahmen wird crowding out genannt und lässt sich in unserer Abbildung an der Bewegung entlang der Nachfragekurve von einer ursprünglichen gleichgewichtigen Kreditsumme in Höhe von 1.200 Mrd. hin zu einer Höhe von nur noch 800 Mrd. ablesen. Wenn also der Staat Mittel benötigt, um sein Budgetdefizit zu finanzieren, so werden damit private Schuldner verdrängt, die versuchen, Investitionen zu finanzieren.

crowding out Ein Rückgang der Investitionen, der aus der Kreditaufnahme (Verdrängung) des Staates resultiert.

Reduziert der Staat die nationale Ersparnis durch die Anhäufung eines Budgetdefizits, so steigt der Zinssatz und die Investitionen gehen zurück.

Die Ricardianische Äquivalenz: Eine alternative Sichtweise staatlicher Budgetdefizite Eine kleine Gruppe von Ökonomen stellen die Schlussfolgerung in Frage, dass Budgetdefizite die nationale Ersparnis verringern und private Investitionen verdrängen. Deren Vertreter hängen einer Theorie an, die Ricardianische Äquivalenz genannt wird (benannt nach David Ricardo, Ökonom 19. Jahrhundert). Dabei geht es um folgendes: Der Staat reduziert die Steuern ohne dabei die Staatsausgaben zurückzufahren. Als Ergebnis des Budgetdefizits fällt die öffentliche Ersparnis. Aber wenn die Haushalte all das sparen, was die Steuerreduzierung mehr in ihren Taschen lässt, statt einen Teil davon zu verausgaben, so wird die private Ersparnis genau um den Betrag steigen, um den die öffentliche Ersparnis fällt. Die nationale Ersparnis, die ja die Summe aus öffentlicher und privater Ersparnis ist, wird unverändert bleiben. Damit werden sich weder das Angebot an Kreditmitteln, noch der Zinssatz im Gleichgewicht ändern. In der Tat wird sich nichts ändern (außer der Aufteilung der nationalen Ersparnis in öffentliche und private Bestandteile). Die Situation mit Budgetdefizit entspricht genau derjenigen ohne Budgetdefizit.

Gemäß der Ricardianischen Äquivalenz sollten die Leute das Geld, das sie weniger für Steuern ausgeben, sparen für allfällige spätere Steuererhöhungen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dies eher weniger der Fall ist. Die Leute geben mehr für den Konsum aus statt zu sparen. Grund dafür ist, dass die Haushalte zu kurzsichtig agieren und in ihren Entscheidungen nicht vorausschauen, um Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftspolitik einzukalkulieren. Eine andere mögliche Erklärung liegt darin, dass sie nicht erwarten, dass diese Steuererhöhung sie selbst treffen, sondern spätere Generationen von Steuerzahlern.

Immer wenn Politiker sich mit dem staatlichen Budgetdefizit und dessen Auswirkungen auf die Volkswirtschaft beschäftigen, sind Sparen, Investieren und Zinssätze die hauptsächlichen Punkte, um die sich ihre Gedanken drehen.

Artikel 115 Grundgesetz

(1) Die Aufnahme von Krediten sowie die Übernahme von Bürgschaften, Garantien oder sonstigen Gewährleistungen, die zu Ausgaben in künftigen Rechnungsjahren führen können, bedürfen einer der Höhe nach bestimmten oder bestimmbaren Ermächtigung durch Bundesgesetz. Die Einnahmen aus Krediten dürfen die Summe der im Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben für Investitionen nicht überschreiten; Ausnahme sind nur zulässig zur Abwehr einer Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt. (2) Für Sondervermögen des Bundes können durch Bundesgesetz Ausnahmen von Absatz 1 zugelassen werden. Dieser Artikel besagt grundsätzlich, dass die Nettoneuverschuldung des Staates die Höhe der geplanten staatlichen Investitionsausgaben nicht überschreiten darf. Ausnahmeregelungen wurden im Zuge der deutschen Vereinigung sowie der anhaltenden Arbeitslosigkeit nötig.

Kapitel 26 – Die natürliche Arbeitslosenquote

Eine offenkundige Bestimmungsgröße für den Lebensstandard eines Landes ist die durchschnittliche Höhe seiner Arbeitslosigkeit. Arbeitswillige Menschen, die keinen Arbeitsplatz finden, tragen nichts zur Produktion von Waren und Dienstleistungen bei. Ein Land, das sein Arbeitskräftepotential möglichst voll beschäftigt hält, erreicht ein höheres Bruttoinlandprodukt als ein Land, in dem grosse Teile der Arbeiterschaft untätig bleiben.

Mit der natürlichen Arbeitslosenquote einer Volkswirtschaft ist das normale Niveau an langfristiger Arbeitslosigkeit in einer Volkswirtschaft angesprochen. Schwankungen von Jahr zu Jahr werden als zyklische Arbeitslosigkeit bezeichnet.

Messung der Arbeitslosigkeit ?? Statistiken der Beschäftigung ?? Statistiken der Arbeitsvermittlung ?? Statistiken der Berufsberatung ?? Statistiken der beruflichen Förderung ?? Statistiken der Leistungen zur Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen sowie bei Arbeitslosigkeit ?? Sonstige Statistiken

Als Informationsquellen dienen: ?? Volks- und Berufszählungen ?? Mikrozensus (Stichprobenerhebung) ?? Beschäftigtenstatistik ?? Durchschnittsberechnungen zur Erwerbstätigkeit ?? Arbeitsmarktstatistiken der Bundesanstalt für Arbeit ?? Statistiken der Streiks und Aussperrungen ?? Arbeitskräftestichprobe der EU ?? EU-Statistik Ausländischer Arbeitnehmer

Die Differenz zwischen Erwerbspersonen (Erwerbstätige, registrierte und nicht registrierte Arbeitslose) und Erwerbstätigen (alle Personen, die eine bezahlte Tätigkeit ausüben) ergibt die Arbeitslosenzahl. Veränderungen der Arbeitslosenzahl resultieren somit aus den demographischen Veränderungen der Erwerbspersonenzahl und den arbeitsmarktbestimmten Veränderungen der Erwerbstätigenzahl.

Arbeitskräftepotential Gesamtzahl der Arbeitskräfte eines Landes (zu einem bestimmten Zeitpunkt), und zwar der beschäftigten wie der arbeitslosen Menschen

Arbeitslosenquote Arbeitslose in Prozent des Arbeitskräftepotentials Erwerbsquote Arbeitskräftepotential in Prozent der Bevölkerung (Wohnbevölkerung eines Landes zu einem bestimmten Zeitpunkt).

Natürliche Arbeitslosenquote – Die normale (gleichgewichtige) Arbeitslosenquote, um die herum die Arbeitslosenquoten zyklisch schwanken.

Zyklische Arbeitslosigkeit: Die Abweichungen der Arbeitslosenquote von der natürlichen Arbeitslosenquote.

Ein beschreibender Trend erklärt nichts Wir brauchen eine wirtschaftstheoretische Hypothese als Vorgabe, die anhand empirischer Befunde auf ihre – vorläufige – Haltbarkeit oder empirische Gültigkeit hin überprüft werden kann.

Bestimmung der natürlichen Arbeitslosenquote Es gibt verschiedene Denkansätze zur Ermittlung der natürlichen Arbeitslosigkeit: ?? Arithmetische Mittel ?? Annahme dass die natürliche Arbeitslosigkeit bei 6% – 8% liegt ?? Empirisch gültiges makroökonomisches Modell ?? Makroökonomische Partialanalyse

Statistische und ökonomische Arbeitslosigkeit Die Arbeitslosenzahl ist eine Bestandesgröße zu bestimmten Stichtagen oder für den Durchschnitt einer Periode, die sich mit Zugängen und Abgängen als Stromgröße verändert. Ökonomische Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um fast 40 % höher, als die statistisch ausgewiesene Zahl der Arbeitslosen. Es gibt nämlich eine sogenannte verdeckte Arbeitslosigkeit durch Kurzarbeit, Teilnehmer in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, nicht mehr statistisch registrierte ältere und kranke Empfänger bestimmter Zahlungen, Teilnehmer an Maßnahmen der beruflichen Fortbildung, Umschulung und Einarbeitung, Teilnehmer an Deutsch-Sprachlehrgängen, Empfänger von Vorruhestandsgeld und Altersübergangsgeld. Weiter gibt es noch Arbeitskräfte, die sich nicht registrieren lassen können oder nicht mehr als Arbeitssuchende melden wollen. Freiberufler (arbeitslose Rechtsanwälte oder Architekten), die keine abhängige Beschäftigung suchen, werden bei den Arbeitsämtern nicht als arbeitslos und arbeitssuchend registriert. Lange und erfolglose Suchende – entmutigen Arbeitskräfte – geben oft auf. Auf der anderen Seite enthalten die statistischen Zahlen vermutlich in einem gewissen Ausmass unechte Arbeitslosigkeit von Leuten, die zwar keine Arbeit ausüben, aber im Grunde vorübergehend oder sogar dauernd weder den Willen noch die Fähigkeit zu einer regelmäßigen Beschäftigung haben. Dazu gehören z.B. junge Ehefrauen nach einem Ortswechsel des Mannes wie auch Hochschulabsolventen mit zögerlichem Übergang in das Erwerbsleben.

Ökonomische Arbeitslosigkeit – die theoretische Leitvorstellung für die statistische Messung von Arbeitslosigkeit – ist die Diskrepanz zwischen Arbeitskräfteangebot und Arbeitskräftenachfrage zum herrschenden Lohnsatz. Dabei ist zugleich klargestellt, dass es sich bei Arbeitslosigkeit im ökonomischen Sinne stets um unfreiwillige Arbeitslosigkeit handelt.; denn es gibt Menschen, die zum herrschenden Entlohnungsniveau arbeiten möchten, jedoch keine Anstellung erhalten. Wie lange dauert die Arbeitslosigkeit im einzelnen? Als ein ernstes Problem begreift man die Arbeitslosigkeit, wenn die einzelnen Menschen jeweils lange davon betroffen bleiben. Wer einige Monate oder gar Jahre arbeitslos ist, erleidet wirtschaftliche und psychische Schäden.

Es ist äußerst schwierig, exakt etwas über die Dauer der Arbeitslosigkeit zu sagen. Nehmen wir an, jede Woche trifft man beim Arbeitsamt fünf Arbeitslose an. Zwei davon wechseln wöchentlich, die restlichen drei bleiben das ganze Jahr über im Bestand. Somit kann man sagen, dass 60 % langfristig arbeitslos sind und 40 % kurzfristig. Die meisten der Arbeitslosen finden rasch wieder eine Stelle. Doch der grösste Teil des gesellschaftlichen Phänomens der Arbeitslosigkeit ist den vergleichsweise wenigen Leuten zuzurechnen, die zu den sogenannten Langzeitarbeitslosen gehören.

Warum gibt es überhaupt Arbeitslosigkeit? Zumindest zwei Kriterien des vollkommenen Arbeitsmarktes lassen sich nicht verwirklichen: Homogenität des Gutes und Irrelevanz räumlicher Unterschiede. Die berufliche Arbeit ist nach Qualifikation und Leistung höchst unterschiedlich. Weder die Nachfrager noch die Anbieter sind regional mobil. Sogar bei einer insgesamt guten Wirtschaftslage wird es stets eine gewisse Anzahl von Arbeitslosen geben. Die Arbeitslosenquote kann nie auf null fallen; sie schwankt zyklisch um das landes- und zeitspezifische Niveau der natürlichen oder gleichgewichtigen Arbeitslosenquote auf und ab. Zum Verständnis dieser natürlichen Arbeitslosenquote, die irgendwo von null liegt, betrachten wir vier Gründe näher: Vorschriften für Mindestlöhne, Kollektive Lohnverhandlungen, Effizienzlöhne und Suchverhalten.

Vorschriften für Mindestlöhne Mindestlöhne eignen sich nicht zur generellen Erklärung hoher Arbeitslosigkeit; sie spielen aber bei einigen Gruppen mit besonders hohen Arbeitslosenquoten eine wichtige Rolle. Wenn der Lohnsatz wegen gesetzlicher oder tarifvertraglicher Vorschriften über dem Gleichgewichtsniveau des Lohnsatzes verharren muss, wird durch diesen Lohnsatz – verglichen mit dem Gleichgewicht – die Angebotsmenge an Arbeit erhöht und die Nachfragemenge vermindert. Es bleibt ein Angebotsüberschuss an Arbeit. Da mehr Arbeitskräfte arbeiten wollen als Arbeitsplätze angeboten werden, bleiben einige Arbeitskräfte zwangsläufig arbeitslos.

Arbeitsmenge
1. Arbeitskräftenachfrage 2. Gleichgewichtslohnansatz 3. Arbeitskräfteangebot

Angebotsüberschuss an Arbeit = Arbeitslosigkeit

Ein Großteil der Arbeitskräfte einer Volkswirtschaft bezieht Arbeitseinkommen deutlich über dem Niveau der vorgeschriebenen Mindestlöhne. Das ist eine Begleiterscheinung des inhomogenitären Gutes „Arbeit“ und der erwähnten Unvollkommenheit des Arbeitsmarktes. Leute ohne Berufsausbildung und ohne berufliche Erfahrung, manchmal auch jugendliche Schulabbrecher werden von den Mindestlohn-Effekten betroffen. Nur für diesen Personenkreis liefern Mindestlohnvorschriften die wissenschaftliche Erklärung von Arbeitslosigkeit.

Gewerkschaften und kollektive Lohnverhandlungen

Gewerkschaft: Eine Arbeitnehmervereinigung, die mit den Arbeitgebern über Entlohnung und Arbeitsbedingungen verhandelt.

Seit etwas 1974 sieht man denn auch in der Wirtschaftstheorie die Verantwortlichkeit für das Beschäftigungsniveau bei den Tarifvertragsparteien und nicht etwas beim Staat. Dennoch ist es lehrreich, bei dem Gedankeneiner bestimmten Gewerkschaftsmacht zu beginnen, die sich vielleicht in den Tarifverhandlungen in zu hohen Abschlüssen durchsetzt. Zugleich muss man makroökonomisch eine gewisse Lohndrift zur Kenntnis nehmen, die aus der freiwilligen übertariflichen Lohn- und Gehaltszahlung durch die Arbeitgeber entsteht.

Ökonomische Aspekte der Gewerkschaften Eine Gewerkschaft ist eine Art Kartell, die ihre gemeinsame Marktmacht ausüben möchte. Zahlreiche Beschäftigte verhandeln mit ihren Arbeitgebern individuell über Entlohnung und Arbeitsbedingungen. Gewerkschaftsmitglieder tun dies jedoch kollektiv als Gruppe.

Kollektive Lohn- Der Prozess, in dem sich Gewerkschaften und Arbeitgeber- Verhandlungen verbände über die Bedingungen der Beschäftigung einigen.

Streik: Der gewerkschaftlich organisierte Abzug der Arbeitskräfte aus den Unternehmungen.

Gewerkschaften verlangen von den Arbeitgeberverbänden höhere Löhne oder Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Einigen sie sich nicht, kann die Gewerkschaft als Kampfmassnahme einen Streik androhen. Dies ist für die Unternehmung sehr teuer und führt dazu, dass sie meist einwilligen in die Forderungen.

Sind Gewerkschaften gut oder schlecht für die Volkswirtschaft? Gegner der Gewerkschaften bezeichnen sie als Kartelle, die durch ihre geforderten Mindestlöhne ineffizient sind und einige Arbeitskräfte zulasten anderer begünstigen. Befürworter sehen die Gewerkschaften als notwendige Gegenkraft zur Marktmacht der Unternehmung bei der Beschäftigung von Arbeitskräften. Ausserdem seien sie wichtig für die Unternehmungen, um effizient auf Belange der Arbeitnehmer reagieren zu können.

Die Theorie der Effizienzlöhne Eine weitere Begründung dafür, dass es in einer Volkswirtschaft stets ein gewisses Ausmass an Arbeitslosigkeit geben wird, liefert die Theorie der Effizienzlöhne.

Effizienzlöhne Löhne über dem Gleichgewichtsniveau, die Unternehmungen Freiwillig zur Steigerung der Arbeitsproduktivität bezahlen.

Nach dieser Theorie arbeitet eine Unternehmung effizienter, wenn sie höhere Löhne als die Gleichgewichtslöhne bezahlt. Sogar bei einem Überangebot an Arbeitskräften wird sich dieses höhere Entlohnungsniveau auszahlen. Im Gegensatz zu Mindestlöhnen und Gewerkschaftsmacht erfolgt bei Effizienzlöhnen die höhere Entlöhnung aus eigenem Kalkül heraus.

Es gibt verschiedene Variationen der Effizienzlohntheorie. Wir betrachten diese näher:

Gesundheitszustand: der Arbeitskräfte Besser bezahlte Menschen können sich auch besser ernähren, sind deshalb gesünder und leistungsfähiger.

Arbeitsplatzwechsel: Je mehr eine Unternehmung an ihre Beschäftigte an Lohn oder Gehalt bezahlt, um so weniger werden sich ihre Arbeitskräfte zur Kündigung entschliessen.

Arbeitsleistung: Höhere Löhne und Gehälter steigern die Motivation der Beschäftigten am Arbeitsplatz und entfalten dadurch Anreize für die Menschen, ihr Bestes zu geben.

Qualifikation der Arbeitskräfte: Durch ein hohes Lohnniveau übt eine Unternehmung eine Anziehungskraft aus auf besser qualifizierte Bewerber. (Reservierungslohnsatz = der geringste noch akzeptable Lohnsatz)

Asymmetrische Informationen Informationen sind ungleichmässig verteilt. Wenn es um die Qualifikation der Arbeitskraft geht, so ist die Arbeitskraft über ihre Fähigkeiten besser unterrichtet als der potentielle Arbeitgeber.

Suchverhalten Der vierte Grund für die anhaltende Arbeitslosigkeit besteht neben Mindestlöhnen, Gewerkschaftsmacht und Effizienzlöhnen im Suchverhalten.
Suchverhalten ist der Prozess, in dem Arbeitskräfte die zu ihren Fähigkeiten und Neigungen passenden Arbeitsplätze finden.

Der Suchprozess entfiele, wenn alle Arbeitsplätze und alle Arbeitskräfte identisch wären. Die Arbeitsplatzsuche hat nichts damit zu tun, dass der Lohnsatz das Gleichgewicht für Angebots- und Nachfragemenge verfehlen würde. Soweit das Suchverhalten Arbeitslosigkeit erklärt, geht es darum, dass die Arbeitskräfte nach dne für sie am besten passenden Arbeitsplätzen suchen.

Die Unvermeidlichkeit der Sucharbeitslosigkeit Die Veränderung der Nachfrage nach Industriezweigen und Regionen bezeichnet man als sektorale Nachfrageverschiebung. Diese verursacht temporäre Arbeitslosigkeit, weil es einige Zeit dauert, bis die Arbeitskräfte nach Suchprozessen ihre Arbeitsplätze in den neuen Sektoren finden.
Sucharbeitslosigkeit ist einfach deshalb gänzlich unvermeidlich, weil eine Volkswirtschaft ständig sektoralen Strukturwandel erlebt.

Wirtschaftspolitik und Suchverhalten Auch wenn Sucharbeitslosigkeit unvermeidlich ist, vermag die Wirtschaftspolitik ihren Umfang und ihre Verbreitung zu beeinflussen. In dem Masse, wie die Politik die Suchzeit verkürzen kann, trägt sie zur Reduktion der Sucharbeitslosigkeit bei. Dabei kommt es meistens auf die Leistungsfähigkeit der staatlichen Arbeitsvermittlung an. Doch tatsächlich findet ja der Grossteil der Arbeitsplatzsuche abseits von Arbeitsämtern und staatlichen Stellen statt: mit Zeitungsanzeigen, Briefen, Internet, Mund-zu-Mund Propaganda und speziellen Kontakten.

Arbeitslosenversicherung Arbeitslosenversicherung Teil der Sozialversicherung, der die Einkommen bei Arbeitslosigkeit teilweise durch Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe sichert.

Zur Aufbringung der Mittel für die Arbeitslosenversicherung erhebt die Bundesanstalt für Arbeit Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Beitragspflichtig sind in der Regel alle Personen, die als Arbeiter oder Angestellte gegen Entgelt oder zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind (Arbeitnehmer) sowie alle Arbeitgeber, die mindestens einen beitragspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen. Obwohl die Arbeitslosenversicherung die Suchanstrengungen teilweise vermindert, dient sie doch primär dazu, die Einkommensunsicherheit zu verringern, die Arbeitslose und ihre Familie erfahren. Und wenn Versicherte unattraktive Stellenangebote ablehnen, so suchen sie nach besser passenden Stellen. Man kann auch sagen, die Arbeitslosenversicherung verbessert in einer Volkswirtschaft die Voraussetzungen dafür, dass jede Arbeitskraft auf den am beten passenden Arbeitsplatz gelangt.

Kapitel 27 – Das monetäre System

Eine Wirtschaft, die auf Tauschhandel beruht, wird Schwierigkeiten haben, eine effiziente Allokation ihrer knappen Ressourcen zu bewerkstelligen. In einer solchen Wirtschaft spricht man davon, dass Handel die doppelte Zufälligkeit der Wünsche erfüllen muss – d.h. also, dass der höchst unwahrscheinliche Fall eintreten muss, dass von zwei Menschen jeder genau das Gut besitzen muss, was der andere haben möchte. Das Vorhandensein von Geld vereinfacht den Handel. Einem Restaurantbesitzer zum Beispiel kann es gleichgültig sein, ob sie für ihn ein Gut produzieren oder eine von ihm gewünschte Dienstleistung anbieten. Er akzeptiert ihr Geld und benützt dieses weiter um seine Angestellte zu bezahlen. Die Angestellten brauchen diese Geld um Mieten zu bezahlen, ihre Kinder in die Tagesschule zu schicken etc. Dieser Geldfluss von einer Person zur nächsten in einer Volkswirtschaft erleichtert Produktion und Handel und ermöglicht es so jeder Wirtschaftseinheit, sich auf das zu spezialisieren, was sie am besten beherrscht, und erhöht damit den Lebensstandard eines jeden.

Die Bedeutung des Geldes Geld: Ein Bündel von Aktiva, die die Menschen in einer Volkswirtschaft regelmässig dazu verwenden, Waren und Dienstleistungen von anderen Menschen zu erwerben.

Wenn wir lesen, dass jemand sehr reich ist und sich fast alles kaufen kann, dann steht Geld für Reichtum. Ökonomen hingegen verwenden das Wort in einem spezielleren Sinn: Geld ist ein Bündel von Aktiva. Besitzt jemand eine Firma, wird dies nicht als Form des Geldes gezählt, denn damit kann man sich keine Waren und Dienstleistungen kaufen. Nach der ökonomischen Definition beinhaltet Geld also nur einige wenige Formen von Reichtum, die von Verkäufern regelmäßig im Austausch für Güter akzeptiert werden.

Die Geldfunktion Geld hat drei Funktionen in einer Volkswirtschaft: Tauschmittel, Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel.

Tausch- oder Etwas, das Käufer an Verkäufer geben, wenn sie Waren und Zahlungsmittel Dienstleistungen erwerben wollen.

Recheneinheit: Der Maßstab, den die Menschen zur Preissetzung und Schuldenangabe verwenden.

Wertaufbewahrungsmittel – Etwas, das die Menschen verwenden können, um Kaufkraft von Gegenwart in die Zukunft zu transferieren.

Liquidität: Die Leichtigkeit, mit der ein Aktivum in das Tauschmittel der entsprechenden Volkswirtschaft umgewandelt werden kann.

Bei der Entscheidung, in welcher Form die Wirtschaftssubjekte ihr Vermögen halten möchten, müssen sie Liquiditätsüberlegungen gegen die Nützlichkeit eines Aktivums als Wertaufbewahrungsmittel abwägen.Geld ist die liquideste Form aller Aktiva, aber als Wertaufbewahrungsmittel ist es weniger günstig. Denn wenn die Preise steigen, sinkt der Wert des Geldes. Anders ausgedrückt bedeutet dies, wenn Waren und Dienstleistungen teurer werden, so können Sie sich mit dem Geld in Ihrem Portemonnaie weniger kaufen. Dieser Zusammenhang zwischen dem Preisniveau und dem Geldwert wird sich als wichtig für das Verständnis dafür erweisen, wie Geld die Volkswirtschaft beeinflusst.

Die Geldarten Nimmt Geld die Form einer Ware mit innerem (intrinsischen) Wert an, so wird es Natural- Sach- oder Warengeld genannt. Der Ausdruck intrinsischer Wert bedeutet, dass der entsprechende Gegenstand auch von Wert wäre, wenn er nicht als Geld verwendet würde. Wie zum Beispiel Gold, das in der Industrie und Schmuckherstellung Verwendung findet. Verwendet eine Volkswirtschaft Gold als Geld (oder Papiergeld, das auf Verlangen in Gold umtauschbar ist), so spricht man von einem Goldstandard.
Warengeld Geld in Form einer Ware mit intrinsischem (innerem/eigenem) Wert

Ein weiteres Beispiel für Warengeld sind Zigaretten. Im zweiten Weltkrieg tauschten Gefangene untereinander Waren und Dienstleistungen gegen Zigaretten als Wertaufbewahrungsmittel, Recheneinheit oder Tauschmittel.

Geld ohne intrinsischen Wert wird Befehlsgeld, Papiergeld ohne Deckung oder Rechengeld (fiduziarisch oder ungedecktes Geld) genannt. Diese Form des Geldes wird von staatlicher Seite per Befehl oder Erlass als Geld bestimmt (>>gesetzliches Zahlungsmittel<<).

Rechengeld Geld ohne intrinsischen Wert, das vom Staat zu Geld erklärt wird

Geld in der Volkswirtschaft Wenn den Geldbestand eines Landes oder in Europa zählen würde, müsste man als wichigstes Aktivum das Bargeld – die Scheine und Münzen in den Händen der Öffentlichkeit berücksichtigen. Dies ist das am weitesten akzeptierte Tausch- und Zahlungsmittel. Bargeld ist jedoch nicht das einzige Aktivum mit dem man Güter erwerben kann. Das Geld auf ihrem Girokonto ist ein fast ebenso geläufiges Zahlungsmittel wie das Bargeld in ihrem Portemonnaie. Um den Geldbestand zu messen, möchten Sie daher vielleicht auch die Giroeinlagen (Buchgeld) – also Einlagen auf Bankkonten, die die Kunden sofort abrufen könne – einbeziehen. Da es auch möglich ist, Mittel von den Spareinlagen in die Giroeinlagen umzuschichten, sollten auch diese Einlagen plausiblerweise zum Geldbestand gerechnet werden.

Bargeld Scheine und Münzen in den Händen der privaten Wirtschaftseinheiten

Giroeinlagen Einlagen auf Bankkonten, die sofort liquidierbar sind (z.Bsp. per (Buchgeld) Check und EC-Karte

Die wichtigste Erkenntnis für uns ist, dass nicht nur Bargeld sondern auch Bankeinlagen, die schnell liquidierbar und zum Erwerb von Waren und Dienstleistungen verwendbar sind, zur Geldmenge zu zählen sind.

Kreditkarten und Geld Kreditkarten sind in keinem Geldmass enthalten. Der Grund liegt darin, dass Kreditkarten nicht wirklich eine Zahlungsweise darstellen, sondern vielmehr eine Aufschiebung der Zahlung beinhaltet.

Das Europäische System der Zentralbank (ESZB) Eine Institution, die für die Überwachung und Steuerung des Rechengeld-Systems eines Landes verantwortlich ist, ist die Zentralbank. Die international bedeutensten Stellen sind unter anderem das Federal Reserve System (kurz: Fed) der Vereinigten Staaten, sowie auch die Bank of England und die Bank of Japan. Im europäischen Raum ist die Europäische Zentralbank (EZB) für die Überwachung verantwortlich.

Zentralbank Eine Institution, die errichtet wird, um das Bankensystem zu überwachen und die Geldmenge in einer Volkswirtschaft zu regulieren.

Die Organisationsstruktur des ESZB Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) besteht aus der Europäische Zentralbank, die ihren Sitz in Frankfurt hat, sowie den nationalen Zentralbanken (NZBen) der Miegliedstaaten der Europäischen Union. Ziel des ESZB ist es, eine Preisstabilität im Euro-Raum zu gewähren. Zudem soll die allg. Wirtschaftspolitik der Europäischen Union unterstützt werden, soweit diese im Einklang mit dem Ziel der Preisstabilität steht. Die Grundsätze einer offenen Marktwirtschaft dienen dabei als Leitbild. Die EZB ist in ihrer Konzeption unabhängig von politischen Weisungen, um eine Einflussnahme von Interessengruppen jeglicher Art soweit als möglich zu vermeiden. Ihre Unabhängigkeit wird auf dreifache Weise gesichert: Die EZB ist institutionell, personell und operativ unabhängig. Institutionell bedeutet, dass nur unabhängige nationale Zentralbanken beteiligt sein dürfen, personell meint, dass es keine längeren Amtszeiten als 5-8 Jahr gibt. Die operative Unabhängigkeit belässt der EBZ freie Hand bei der Festlegung der Strategie und der Auswahl sowie dem Einsatz der geldpolitischen Instrumente. Das wichtigste geldpolitische Instrument ist die Offenmarktpolitik.

Banken und das Geldangebot Der einfache Fall eines Systems mit 100%iger Reservehaltung

Geldangebot Die in einer Volkswirtschaft verfügbare Geldmenge

Geldpolitik Die Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank

Wenn ein Kund Geld einlegt, so besteht der Zweck der Bank darin, den Einlegern einen sicheren Ort zur Aufbewahrung ihres Geldes zu bieten. Einlagen, die Banken erhalten, aber nicht weiterverleihen, werden Reserven genannt. Werden alle Einlagen als Reserven gehalten, spricht man von einer 100%igem Reservesystem.

Reserven Einlagen, die Banken erhalten haben, aber nicht weiterverleihen.

Jede Bankeinlage reduziert die Bargeldmenge und erhöht die Einlagesumme um genau denselben Betrag, wobei das Geldangebot unverändert bleibt. Halten also die Banken die gesamten Einlagen als Reserven, so haben sie keinen Einfluss auf das Geldangebot.

Geldschöpfung ein einem Bankensystem mit partieller Reservehaltung Statt das Geld zu 100% im Tresor liegen zu lassen, hat man angefangen, Kredite zu vergeben. Dieses Sysem nennt man das System partieller Reservehaltung. Die Bank hat nun Aktiven und Passiven. Aktiva sind aus Seite der Bank die Kredite, die sie vergeben hat. Als Passiven wird die Reserveeinlage bezeichnet, da dies eine Schuld gegenüber den Kunden darstellt.

Partielles Reservesystem Bankensystem,in dem die Banken nur einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einlagen als Reserven halten.

Reservesatz Prozentsatz der Einlagen, den die Bank als Reserven hält.

Wenn die Bank Kredite vergibt, so steigt das Geldangebot. Halten die Banken also nur einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einlagen als Reserven, so können sie Geld schafften bzw. schöpfen. In diesem Sinne kann man sagen, dass eine höhere Summe des Tauschmittels vorhanden ist; die Volkswirtschaft ist aber nicht reicher als zuvor.

Der Geldschöpfungsmultiplikator Der Schuldner der ersten Bank kann sein Geld weiterverwenden um etwas von jemandem zu kaufen oder es wieder bei einer Bank anzulegen. Dieser Prozess setzt sich immer weiter fort. Jedesmal, wenn Geld bei einer Bank eingelegt wird und daraufhin Kredite vergeben werden, wird Geld geschöpft. Man nennt dies den multiplen Geldschöpfungsprozess. Hier ein Beispiel, wie in unserer Modellvolkswirtschaft Geld geschaffen werden kann:

Ursprüngliche Einlage 100.00 CHF Kreditvergabe Erste Bank 90.00 CHF (= 0.9 * 100 CHF) Kreditvergabe Zweite Bank 81.00 CHF (= 0.9 * 90 CHF) Kreditvergabe Dritte Bank 72.90 CHF (= 0.9 * 81 CHF) Gesamtes Geldangebot 1’000.00 CHF

Obwohl dieser Prozess sich bis ins Unendliche fortsetzen lässt, stellt sich heraus, dass kein unendlich hoher Geldbetrag geschaffen werden kann. Der Geldbetrag, den das Bankensystem aus jedem CHF ursprüngliche Einlagen bzw. Reserven schafft, wird Geldschöpfungsmultiplikator genannt. In unserem Beispiel beträgt dieser 10: R = 1/10 Der Geldschöpfungsmultiplikator ist der Kehrwert des Reservesatzes. Beträgt der Reservesatz hingegen 1/5 (20%), so müssen fünf Mal soviel Einlagen wie Reserven im Bankensystem vorhanden sein, womit der Geldschöpfungsmultiplikator 5 beträgt. Je höher der Reservesatz, desto geringer die verliehene Kreditsumme, desto geringer der Geldschöpfungsmultiplikator.

Die geldpolitischen Instrumente der ESZB Hauptaufgabe der ESZB ist es, die Geldmenge zu steuern im Hinblick auf die Preisstabilität. Zur Umsetzung der verfolgten Strategie stehen der EZB verschiedene Instrumente zur Verfügung. Besonders wichtig sind dabei die Durchführung der Offenmarktgeschäften, das Angebot an ständiger Fazilitäten sowie die Einrichtung eines Mindestreservesystems.

Geschäfte am >offenen Markt< beziehen sich auf den An- und Verkauf von offenmarktfähigen Wertpapieren durch die EZB. Dazu zählen in der Regel alle Arten von Staatsanleihen sowie weitere Wertpapiere, die von der Zentralbank als >offenmarktfähig< deklariert werden. Fünf Arten von Offenmarktgeschäften sind vorgesehen. Wichtigste Instrumente werden die befristeten Transaktionen sein, die hauptsächlich in Form von Pensionsgeschäften realisiert werden (Pensionsgeschäfte beinhalten den An- bzw. Verkauf von Wertpapieren bei gleichzeitiger Vereinbarung des entsprechenden Gegengeschäfts zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt); weitere Möglichkeiten bieten sich über definitive An- bzw. Verkäufe von Offenmarktpapieren, die Emission von Schuldverschreibungen, Devisenswapgeschäften und die Hereinnahme von Termineinlagen. Offenmarktoperationen sind sehr einfach in grösserem oder kleinerem Ausmass börsentäglich durchzuführen. Um das Geldangebot zu erhöhen, wird die EZB Offenmarktpapiere aufkaufen. Die Euros, die die EZB für die erworbenen Wertpapiere zahlt, erhöhen die im Umlauf befindliche Euro-Geldmenge. Ein Teil davon wird als Bargeld gehalten, ein anderer Teil fließt in das Bankensystem. Jeder neue Euro, der als Bargeld gehalten wird, erhöht die Geldmenge genau um einen Euro. Jeder neue Euro, der bei einer Bank eingelegt wird, erhöht das Geldangebot sogar in höherem Ausmaß aufgrund des oben erläuterten multiplen Geldschöpfungsprozesses im Bankensektor. Um das Geldangebot zu reduzieren, wird die EZB genau gegenteilig handeln: Sie wird Offenmarktpapiere anbieten. Damit wird dem Markt Geld entzogen; die Argumentation verläuft umgekehrt.

Offenmarktpolitik An- und Verkauf von Wertpapieren durch die EZB am >offenen Markt< zur Steuerung der Geldmenge

Das Angebot ständiger Fazilitäten dient zur Bereitstellung oder Absorption von Liquiditäten über Nacht. Die Spitzenrefinanzierungsfazilität erlaubt den Banken die Aufnahme von Übernachtliquidität zu einem vorgegebenen Zinssatz gegen refinanzierungsfähige Sicherheiten. Der von der EZB geforderte Zinssatz stellt i.d. R. die Obergrenze des Tagesgeldzinssatzes dar. Die Einlagenfazilität dient zur Anlage von Übernachtliquidität zu einem vorgegebenem Zinssatz. Der von der EZB gezahlte Zinssatz stellt i.d.R. die Untergrenze des Tagesgeldsatzes dar.

Ständige Fazilität Sehr kurzfristige Bereitstellung bzw. Aufnahme von Liquidität von einem Tag zum anderen

Ob die Mindestreservenpflicht eingeführt wird oder nicht, ist noch nicht klar. Unterliegen die europäischen Kreditinstitute der Mindestreservenpflicht, so bedeutet dies, dass sie einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einlagen – möglicherweise gestaffelt nach verschiedenen Einlagearten bzw. –laufzeiten und Orten . als Reserve halten müssen. Eine Erhöhung der Reserven verringert die umlaufende Geldmenge, da damit der Kreditvergabespielraum der Banken eingeschränkt wird und der Geldschöpfungsmultiplikator sink.

Mindestreserven- Festsetzung und Variation der Prozentsätze minimaler Pflichteinlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank

Probleme bei der Kontrolle des Geldangebots Das Geldangebot kann mit obigen Instrumenten nicht vollständig kontrolliert werden. Die Zentralbank hat mit zwei Problemen zu kämpfen, die sich aufgrund des zweistufigen Finanzsystems (Zentralbank und Geschäftsbanken) und der partiellen Reservehaltung ergeben. Das erste Problem liegt darin, dass die Zentralbank nicht diejenigen Mengen an Geld kontrollieren kann, die private Haushalte als Einlagen im Bankensystem halten. Denn je höher die Einlagen ausfallen, desto mehr Geld können die Geschäftsbanken schöpfen und umgekehrt. Das zweite Problem bei der Kontrolle der Geldmenge besteht darin, dass die Zentralbank keine Kontrolle darüber hat, wieviel die Banken an Krediten ausleihen. Wird Geld bei der Bank eingelegt, so kann der multiple Geldschöpfungsprozess nur stattfinden, wenn die Bank Geld weiterverleiht. Banken können jedoch auch Reserven über die von der Zentralbank geforderte Mindesreserven hinaus halten. Diese zusätzliche Reservehaltung wird Überschussreserve genannt. Die Geldmenge hängt also in einem partiellen Reservesystem zum Teil vom Verhalten der Einleger und der Geschäftsbanken ab.

>Bank Runs< und das Geldangebot >Bank Runs< bedeutet, dass eine Bank nicht alle Auszahlungswünsche der Kunden erfüllen kann, obwohl sie eigentlich solvent ist. Dies liegt daran, dass sie nur einiges der Einlagen als Reserven halten und den Rest als Kredite vergeben haben.

Kapitel 28 – Inflation: Ursachen und Kosten

In unserer Volkswirtschaft steigen die meisten Preise tendenziell im Zeitablauf. Dieser Anstieg des allgemeinen Preisniveaus wird als Inflation bezeichnet. Das Auftreten aussergewöhnlich hoher Inflationsraten wird als Hyperinflation bezeichnet.

Ursachen der Inflation: Preisniveau und Geldwert Eine erste Erkenntnis hinsichtlich der Inflation besteht darin, dass sie mehr mit dem Wert des Geldes zu tun hat als mit dem Wert der Güter. Das Preisniveau de Volkswirtschaft kann aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden. Bisher haben wir das Preisniveau als Preis eines Warenkorbes angesehen. Wenn das Preisniveau steigt, müssen die Leute mehr für die Waren und Dienstleistungen bezahlen, die sie kaufen. Alternativ können wir das Preisniveau als Mass für Geldwert betrachten. Ein Anstieg des Preisniveaus bedeutet einen geringeren Geldwert, da Sie mit jedem D-Mark in der Brieftasche eine geringere Menge an Waren und Dienstleistungen kaufen können.

Mathematisch ausgedrückt bedeutet dies: Die Menge der Waren und Dienstleistungen, die mit DM 1.—gekauft werden kann, entspricht 1/P (P = Preisniveau = gibt Geldmenge an, die für den Kauf eines Warenkorbes benötigt wird). Anders ausgedrückt ist P der in Geld gemessene Preis der Waren und Dienstleistungen, dann ist 1/P der in Gütern gemessene Wert des Geldes. Somit hat ein Anstieg des Preisniveaus einen Rückgang des Geldwertes zur Folge.

Geldangebot, Geldnachfrage und monetäres Gleichgewicht Die Geldmenge wird von der Bundesbank durch Offenmarktpolitik, deren An- und Verkauf von staatlichen Wertpapieren steuern. Hier genügt es jedoch zu wissen, dass die Bundesbank das Geldangebot direkt steuern kann. Die Geldnachfrage hängt ferner von dem Zinssatz ab, den jemand erhält, wenn er sein Geld zinsbringend anlegt, anstatt es in der Brieftasche oder auf einem Girokonto mit niedriger Verzinsung zu belassen. Obwohl sich viele Variabeln auf die Geldnachfrage auswirken, ist eine der Variablen von herausragender Bedeutung: das durchschnittliche Preisniveau einer Volkswirtschaft. Die Leute halten Geld, da es ein Tauschmittel darstellt. Sie können Geld, im Gegensatz zu anderen Vermögenswerten, wie z.B. Obligationen oder Aktien, dazu verwenden, die Waren und Dienstleistungen auf ihrer Einkaufsliste zu kaufen. Wieviel Geld sie zu diesem Zweck zu halten wünschen, hängt von den Preisen der Waren und Dienstleistungen ab. Je höher die Preise sind, um so mehr Geld erfordern die typischen Transaktionen und um so mehr Geld werden die Leute in ihren Brieftaschen und auf ihren Girokonten halten. Ein höheres Preisniveau (ein niedriger Geldwert) erhöht somit die nachgefragte Geldmenge.

Auf lange Sicht passt sich das allgemeine Preisniveau an das Niveau an, bei dem die Geldnachfrage dem Geldwert entspricht.

Wenn das Preisniveau über dem Gleichtgewichtsniveau liegt, übersteigt die Geldnachfrage das Geldangebot, so dass das Preisniveau sinken muss, um Angebot und Nachfrage zum Ausgleich zu bringen. Liegt das Preisniveau unter dem Gleichgewichtspreis, übersteigt das Geldangebot die Geldnachfrage und das Preisniveau muss steigen, um Angebot und Nachfrage zum Ausgleich zu bringen. Beim Gleichgewichtspreisniveau entspricht die von den Leuten nachgefragte Geldmenge genau der von der Bundesbank oder der EZB angebotenen Geldmenge.

Auswirkung einer Erhöhung der Geldmenge Stellen sie sich vor, die Volkswirtschaft befindet sich zunächst im Gleichgewicht und plötzlich verdoppelt die Bundesbank das Geldangebot indem sie Geld druckt und über das Land verteilt. Folge daraus wird sein, dass die Geldmengenerhöhung die Angebotskurve nach rechts von MS1 nach MS2 und das Gleichgewicht von Punkt A nach Punkt B. Infolgedessen sinkt der Geldwert von ½ auf ¼ und das Gleichgewichtspreisniveau steigt von 2 auf 4. Anders ausgedrückt, wenn ein Anstieg des Geldangebots die Menge an D-Mark erhöht, kommt es zu einem Anstieg des Preisniveaus, der den Wert jeder D-Mark verringert.

Die Erklärung, wie das Preisniveau bestimmt wird und weshalb es im Zeitablauf zu Veränderungen des Preisniveaus kommen kann, wird als Quantitätstheorie des Geldes bezeichnet. Nach der Quantitätstheorie bestimmt die in der Volkswirtschaft vorhandene Geldmenge den Geldwert, und das Wachstum der Geldmenge stellt die primäre Inflationsursache dar. Wie der Volkswirt Milton Friedman es einst ausdrückte: „Inflation ist immer und überall ein monetäres Problem.“

Quantitätstheorie Eine Theorie, die besagt, dass die verfügbare Geldmenge das Preisniveau und die Wachstumsrate der Geldmenge die Inflationsrate bestimmt.

Ein kurzer Blick auf den Anpassungsprozess Der unmittelbare Effekt einer Ausweitung der Geldmenge besteht darin, dass ein Überangebot an Geld geschaffen wird. Vor der Ausweitung befand sich die Volkswirtschaft im Gleichgewicht (Punkt A in Abbildung 28-2). Nachdem Geld verteilt wurde, verfügen die Menschen nun über mehr Geld als sie wollen. Die angebotene Geldmenge übersteigt nun die zum herrschenden Preisniveau nachgefragte Geldmenge. Die Menschen können das Geld nun auf verschiedene Weise loswerden: Waren und Dienstleistungen kaufen, Kredite an andere zu vergeben oder Geld auf Sparbuch anzulegen. Die Kredite erlauben es anderen Leuten, Waren und Dienstleistungen zu kaufen. In jedem Fall erhöht die Ausweitung der Geldmenge die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Diese gestiegene Güternachfrage führt zu einem Anstieg der Preise der Waren und Dienstleistungen. Die Erhöhung des Preisniveaus wiederum bewirkt einen Anstieg der nachgefragten Geldmenge. Schliesslich erreicht die Volkswirtschaft ein neues Gleichgewicht (Punkt B in Abbildung 28-2). Auf diese Weise passt sich das allgemeine Preisniveau an, um Geldangebot und Geldnachfrage ins Gleichgewicht zu bringen.

Klassische Dichotomie und Neutralität des Geldes Der Philooph David Hume und seine Zeitgenossen waren der Ansicht, dass alle volkswirtschaftlichen Variabeln in zwei Gruppen unterteilt werden sollen. Die erste Gruppe besteht aus nominalen Variabeln – Variabeln, die in Geldeinheiten ausgedrückt werden. Die zweite Gruppe umfasst reale Variabeln – Variabeln, die in Mengeneinheiten ausgedrückt werden. Der Preis für Mais z.B. stellt eine nom. Variable dar, da er in D-Mark ausgedrückt wird, während die hergestellte Maismenge eine reale Variabel darstellt, da sie in Zentnern ausgedrückt wird. Entsprechend ist auch das nom. BIP eine nom.Variabel, das reale BIP eine reale Variabel.

Nominale Variabel Variabeln, die in Geldeinheiten ausgedrückt werden.

Reale Variabeln Variabeln, die in Mengeneinheiten ausgedrückt werden.

Obwohl in Geldeineheiten ausgedrückte Preise nominale Variabeln darstellen, handelt es sich bei relativen Preisen um reale Variabeln. Beispielsweise sind der Preis für Mais und der Preis für Weizen beide nominale Preise, aber der Preis für Mais relativ zum Preis für Weizen stellt eine reale Variabel dar; da er in Zentnern Weizen je Zentner Mais ausgedrückt wird. Entsprechend ist der Reallohn (Nominallohn bereinigt um Inflation) eine reale Variabel, da er angibt, welche Menge an Waren und Dienstleistungen sich in der Volkswirtschaft gegen eine Arbeitseinheit eintauschen lässt. Dasselbe gilt für den Realzinssatz der ausdrückt, welche Menge an heute hergestellten Gütern sich in der Volkswirtschaft gegen eine in der Zukunft hergestellten Gütermenge eintauschen lässt. Diese Unterteilung der Variabeln in zwei Gruppen wird als die klassische Dichotomie bezeichnet.

Klassische Dichotomie Die theoretische Trennung zwischen nominalen und realen Variabeln

Nach Hume beeinflussen Änderungen des Geldangebots die nominalen Variabeln, nicht aber die realen Variabeln. Wenn die Bundesbank das Geldangebot verdoppelt, verdoppelt sich das Preisniveau, die Nominallöhne und alle anderen in Geldeinheiten ausgedrückten Variabeln. Die realen Variabeln, wie z.Bsp. Produktion, Arbeitslosigkeit, Reallöhne und Realzinssätze bleiben unverändert. Diese Irrelevanz von Geldmengenänderungen im Hinblick auf reale Variabeln wird als Neutralität des Geldes bezeichnet.

Neutraliät des Geldes Die Behauptung, dass Änderungen des Geldangebots keine Auswirkungen auf reale Variabeln haben.

Eine Analogie bringt Licht in die Bedeutung der Neutralität des Geldes. Geld stellt als Recheneinheit den Massstab dar, mit dem wir ökonomische Transaktionen messen. Die meisten Volkswirte vermuten heute, dass Änderungen der Geldmenge für kurze Zeiträume von ein bis zwei Jahren erhebliche Auswirkungen auf reale Variabeln haben. Hume zweifelt selbst ebenfalls an der Neutralität des Geldes auf kurze Frist. Humes Schlussfolgerungen werden heute als eine Beschreibung der Volkswirtschaft auf lange Sicht. Im Laufe eines Jahrzehnts z.B. haben Änderungen der Geldmenge erhebliche Auswirkungen auf nominalen Variabeln, aber nur unbedeutende Auswirkungen auf reale Variabeln. Für eine Untersuchung langfristiger Änderungen in der Volkswirtschaft bietet die Neutralität des Geldes eine geeignete Beschreibung der Welt, in der wir leben.

Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und Quantitätsgleichung Eine andere Perspektive der Quantitätstheorie des Geldes wird durch die folgende Frage eröffnet: Wie häufig wird eine D-Mark pro Jahr im Durchschnitt dazu verwendet, um neu hergestellte Waren und Dienstleistungen zu bezahlen?

Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes misst das Tempo, mit dem eine D-Mark in der Wirtschaft von Brieftasche zu Brieftasche wandert.

Umlaufgeschwindigkeit Das Tempo, mit dem das Geld in der Wirtschaft des Geldes zirkuliert

Für die Berechnung der Umlaufgeschwindigkeit dividieren wir den nominalen Wert des Outputs (nom. BIP) durch die Geldmenge. P bezeichnet das Preisniveau (den BIP-Deflator), Y die Outputmenge (reale BIP) und M die Geldmenge. Die Umlaufgeschwindigkeit V (>>velocity<<) als:

V = (PxY) / M

Quantitätsgleichung: M x V = P x Y

Diese Gleichung besagt, dass das Produkt aus Geldmenge (M) und Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) dem Produkt aus Preisniveau (P) und Outputmenge (Y) entspricht, Die Gleichung wird Quantitätsgleichung genannt, da sie die Geldmenge (M) in Beziehung zum nominalen Wert des Outputs (P x Y) setzt. Die Quantitätsgleichung zeigt, dass sich ein Anstieg der Geldmenge in der Volkswirtschaft in einer der drei anderen Variablen widerspiegeln muss: Entweder muss das Preisniveau steigen oder die Outputmenge muss zunehmen oder die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes muss sinken. In vielen Fällen stellt sich heraus, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes vergleichsweise stabil ist.

Wir verfügen damit über die Elemente, die für die Erklärung des Preisniveaus und der Inflationsrate im Gleichgewicht notwendig sind: 1) Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verläuft im Zeitablauf relativ stabil. 2) Ändert die Bundesbank die Geldmenge (M), kommt es augrund der stabilen Umlaufgeschwindigkeit zu einer proportionalen Änderung des nominalen Wertes des Outputs (PxY). 3) Der Output der Volkswirtschaft an Waren und Dienstleistungen (Y) wird in erster Linie vom Faktorangebot und der vorhandenen Technologie bestimmt. Da Geld neutral ist, hat es keinen Einfluss auf den Output. 4) Wird der Output (Y) durch Faktorangebot und Technologie bestimmt, spiegeln sich eine Änderung des Geldangebots (M) durch die Bundesbank und parallel dazu eine Änderung des nominalen Wertes des Outputs (PxY) in einer Änderung des Preisniveaus (P) wider. 5) Die Folge einer schnellen Erhöhung des Geldangebots durch die Bundesbank ist daher eine hohe Inflationsrate. Diese fünf Schritte machen den Kern der Quantitätstheorie des Geldes aus.

Geld und Preise während einer Hyperinflationen Hyperinflationen sind zum Teil deshalb interessant, weil sie mit riesigen Änderungen des Geldangebots und des Preisniveaus verbunden sind. Hyperinflation wird allgemein als Inflation definiert, bei der die Inflationsrate pro Monat über 50 % beträgt. Dies entspricht einem mehr als hundertfachen Anstieg des Preisniveaus in einem Jahr. Die Daten zu Hyperinflationen zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau. Zu Beginn sind Wachstum und Geldmenge moderat. Im Zeitablauf jedoch wächst die Geldmenge immer schneller, Etwas gleichzeitig nimmt die Inflation ebenfalls zu. Wenn sich die Entwicklung der Geldmenge wieder stabilisiert, stabilisiert sich das Preisniveau ebenfalls. Diese Beispiele verdeutlichen eine der zehn volks. Regeln: Die Preise steigen, wenn zuviel Geld in Umlauf gesetzt wird.

Die Inflationssteuer Wenn der Staat Einnahmen durch das Drucken von Geld erzielt, spricht man von einer Inflationssteuer. Die Inflationssteuer unterscheidet sich jedoch von anderen Steuern, denn schließlich erhält niemand einen Steuerbescheid vom Staat für diese Steuer. Die Inflationssteuer ist stattdessen subtiler. Wenn der Staat Geld druckt, erhöht sich das Preisniveau, und die Geldbeträge, die sich in den Brieftaschen befinden, verlieren an Wert. Die Inflationssteuer stellt daher eine Steuer auf das Halten von Geld dar. Fast alle Hyperinflationen verlaufen nach dem gleichen Muster: Der Staat hat hohe Ausgaben, die Steuereinnahmen sind unzulänglich und die Möglichkeiten der Kreditaufnahme begrenzt. Infolgedessen bedient sich der Staat der Notenpresse, um seine Ausgaben zu finanzieren. Der massive Geldmengenanstieg führt zu extremer Inflation. Diese wird beendet, wenn der Staat fiskalische Reformen durchführt – wie z.B. eine Kürzung der Staatsausgaben – und damit die Notwendigkeit einer Inflationssteuer entfällt.

Inflationssteuer Die Einnahmen, die der Staat durch Geldschöpfung erzielt.

Der Fisher-Effekt Nominalzins = Realzins + Inflationsrate Auf lange Sicht – das Geld ist somit neutral – sollte eine Änderung des Wachstums der Geldmenge keinen Einfluss auf den Realzins haben. Der Realzinssatz ist schliesslich eine reale Variable. Damit der Realzinssatz unverändert bleibt, muss sich der Nominalzinssatz Eins-zu- Eins an die Änderungen der Inflationsrate anpassen. Eine Erhöhung des Geldmengenwachstums durch die Bundesbank hat somit sowohl eine höhere Inflationsrate als auch einen höheren Nominalzinssatz zur Folge. Diese Anpassung des Nominalzinssatzes an die Inflationsrate wird nach dem Wirtschaftswissenschaftler Irving Fisher als Fisher-Effekt bezeichnet.

Fisher-Effekt Die Eins-zu-Eins-Anpassung des Nominalzinssatzes an die Inflationsrate

Die Kosten der Inflation Die Inflation an sich führt nicht zu einer Verringerung der realen Kaufkraft der Bevölkerung. Wenn eine Inflationsrate von 6% den realen Wert der Lohnerhöhung auf lediglich 4% verringert, fühlt sich die Arbeitskraft möglicherweise um etwas betrogen, was ihr rechtmässig zusteht. Wie in früheren Kapiteln diskutiert, werden die Realeinkommen durch reale Variablen, wie z.B. Realkapital, Humankapital, natürliche Ressourcen und die verfügbare Produktionstechnologie, bestimmt. Die Nominaleinkommen werden durch diese Faktoren und das Preisniveau festgelegt. Wenn die Bundesbank die Inflationsrate von 6% auf 0% absenken würde, verringert sich die Lohnerhöhung der betrachteten Arbeitskraft von 10% auf 4%. Die Arbeitskraft würde sich auf diese Weise zwar nicht von der Inflation beraubt fühlen, aber ihr Realeinkommen würde auch nicht schneller steigen.

„Schuhsohlen-Kosten“ Wie kann eine Person die Inflationssteur vermeiden? Da die Inflation den realen Wert des Geldes in Ihrer Brieftasche verringer, können Sie die Inflationssteuer vermeiden, indem Sie weniger Geld halten. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, öfter zur Bank zu gehen. Statt einmal monatlich DM 200.- abzuheben könnte man auch jede Woche DM 50.—abheben. Indem man häufiger zur Bank geht, kann man einen grösseren Teil des Vermögens in zinsbringenden Anlageformen belassen statt in der Brieftasche, in der es nur an Wert verliert. Die Kosten einer Verringerung der Kassenhaltung werden als „Schuhsohlen-Kosten“ der Inflation bezeichnet, da wegen der häufigen Wege zur Bank die Schuhlsohle schneller abgelaufen ist!!!

Schuhsohlen-Kosten Die Ressourcen, die verschwendet werden, wenn die Leute aufgrund der Inflation ihre Kassenhaltung verringern

Die „Schuhsohlen-Kosten“ mögen belanglos erscheinen und sind es auch in Volkswirtschaften mit nur moderater Inflation. In Ländern mit Hyperinflation sind sie jedoch wesentlich bedeutsamer.

„Speisekarten-Kosten“ Eine Untersuchung für die USA hat gezeigt, dass eine Unternehmung im Durchschnitt etwas einmal pro Jahr ihre Preise ändern. Unternehmungen ändern Preise selten, da Preisänderungen Kosten verursachen. Die mit Preisänderungen verbundenen Kosten werden als „Speisekarten-Kosten“ bezeichnet, da Restaurants um so häufiger neue Speisekarten drucken lassen müssen, je höher die Inflation ist. In den Kosten enthalten sind unter anderem Druckkosten, Verteilungskosten, Entscheidungskosten etc.

Speisekarten-Kosten Die Kosten von Preisänderung

Inflation erhöht die „Speisekarten-Kosten“ der Unternehmungen. In Volkswirtschaften mit niedriger Inflationsrate sind jährliche Preisanpassungen eine geeignete Unternehmensstrategie für viele Unternehmungen. Wenn jedoch eine hohe Inflation zu einem schnellen Anstieg der Kosten für die Unternehmungen führt, sind Preisanpassungen lediglich einmal pro Jahr nicht durchführbar. Während der Hyperinflationen z.B. müssen Unternehmungen ihre Preise täglich oder sogar noch öfter ändern, um mit all den anderen Preisen in der Volkswirtschaft Schritt zu halten.

Variabilität der relativen Preise und Fehlallokation der Ressourcen Wenn Preise nur einmal anfangs Jahr angepasst werden, sind sie zu Beginn des Jahres relativ hoch, später im Jahr dann relativ niedrig. Mit zunehmender Inflationsrate steigt die Variabilität der relativen Preise. Da die Preise nur in grösseren Zeitabständen angepasst werden, verändern sich die relativen Preise infolge der Inflation stärker als sonst. Der Grund für diese Wichtigkeit besteht darin dass in Marktwirtschaften mit relativen Preisen für die Allokation knapper Ressourcen verantwortlich sind. Konsumenten treffen ihre Kaufentscheidungen auf der Basis von Vergleichen der Qualität und des Preises verschiedener Waren und Dienstleistungen. Bei einer Verzerrung der relativen Preise durch die Inflation werden auch die Konsumentenentscheidungen verzerrt und eine effiziente Allokation der Ressourcen über die Märkte ist nicht möglich.

Inflationsbedingte Steuerverzerrungen: Inflationseffekte werden in den Steuergesetzten häufig ignoriert. Aufgrund von Untersuchungen des Einkommensteuerrechts in den Usa gelangten einige Volkswirte zu dem Schluss, dass die Inflation tendenziell die Steuerbelastung bei Einkommen erhöht, die mit Hilfe der Ersparnis gebildet werden. Beispiele wie die Inflation die Sparneigung verringert, ist die steuerliche Behandlung der Kapitalgewinne und die steuerliche Behandlung von Zinseinkünften. Diese zwei Beispiele zeigen, wie die Inflation die Steuerbelastung auf eine Art und Weise verändern kann, die vom Gesetzgeber nicht beabsichtigt war. Aufgrund der Änderungen der Steuerbelastung durch die Inflation verringert eine höhere Inflation tendenziell die Sparanreize der Menschen. Wenn die Inflation die Steuerbelastung der Ersparnisse erhöht, verringert sie tendenziell die Rate des langfristigen Wirtschaftswachstum.

Erhöhung der Steuerbelastung der Ersparnisse durch die Inflation:

Volkswirtschaft 1 Volkswirtschaft 2 (Preisstabilität) (Inflation) Realzinssatz 4% 4% Inflationsrate 0 8 Nominalzinssatz (Realzinssatz + Inflationsrate) 4 12 Verringerter Zins aufgrund des Steuersatzes von 25 % (0.25 x Nominalzinssatz) 1 3 Nominalzinssatz nach Steuer (0.75 x Nominalzinssatz) 3 9 Realzinssatz nach Steuer (Nominalzinssatz nach Steuer – Inflationsrate) 3 1

Verwirrung und Unannehmlichkeiten Da Geldbeträge von unterschiedlichen Zeitpunkten aufgrund der Inflation unterschiedliche Realwerte aufweisen, ist die Berechnung des Gewinns einer Unternehmung – der Differenz zwischen ihren Erträgen und ihren Kosten – in einer Volkswirtschaft mit Inflation komplizierter. In einem gewissen Masse wird es daher durch die Inflation für Investoren schwieriger, erfolgreiche Unternehmungen von weniger erfolgreichen zu unterscheiden, was wiederum dazu führt, dass die Finanzmärkte in ihrer Funktion, die Ersparnisse der Volkswirtschaft alternativen Arten von Investitionen zuzuführen, behindert werden.

Spezielle Kosten einer unerwarteten Inflation: willkürliche Vermögensumverteilung Unerwartete Inflation führt zu einer Umverteilung von Vermögen unter der Bevölkerung auf eine Art und Weise, die weder mit Leistung noch mit Bedarf zu tun hat. Es kommt zu diesen Umverteilungen, da viele Kredite in der Volkswirtschaft über nominale Beträge aufgenommen werden. Unerwartete Preisänderungen verteilen das Vermögen zwischen Schuldnern und Gläubigern um. Es ist wichtig, die Kosten von einer unerwarteten Inflation in Zusammenhang mit einer anderen Tatsache zu betrachten: Inflation ist besonders unstetig und unsicher im Falle einer hohen durchschnittlichen Inflationsrate. Ein Land, das eine inflationäre Geldpolitik betreibt, muss nicht nur die Kosten einer hohen erwarteten Inflation tragen, sondern sieht sich ebenfalls den willkürlichen Vermögensumverteilungsprozessen ausgesetzt, die mit unerwarteter Inflation verbunden sind.

Kapitel 31 – Gesamtwirtschaftliche Nachfrage und gesamtwirtschaftliches Angebot

Dank Zuwachs an Arbeitskräften und an Realkapital und wegen Fortschritte im technologischen Wissen kann eine Volkswirtschaft im Laufe der Zeit mehr und mehr produzieren. Durch Wachstum wird der Lebensstandard aller Einwohner höher.

Aufschwung Zunahme der Wachstumsrate des realen Bruttosozialprodukts oder Bruttoinlandprodukts (mit Abnahme der Arbeitslosen)

Abschwung Abnahme der Wachstumsrate des realen Bruttosozialprodukts oder Bruttoinlandprodukts (mit Zunahme der Arbeitslosen)

Rezession Periode des Abschwungs

Depression Kräftiger Abschwung (mit Schrumpfungsraten des Sozialprodukts)

Konjunkturzyklus Empirisch die Abfolge von Aufschwung- und Abschwungjahren (mit idealtypischer Vorstellung harmonischer Schwingungen)

Die Abfolgen von Aufschwungs- und Abschwungsjahren können auch als Wachstumszyklen zusammengefasst werden.

Jahre mit unterdurchschnittlicher oder abnehmender Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts haben spürbare Auswirkungen auf den Geschäftsgang einer Unternehmung. Es kommt zu Absatzstockungen der Güter, Einschränkungen der Produktion, Entlassungen und somit auch zum Anstieg der Arbeitslosenquote. Vom Produktionsrückgang sind alle Arten von Sozialprodukts-Massgrössen betroffen. (u.a. Bruttoinlandprodukt und Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen, Nettosozialprodukt zu Faktorkosten oder Volkseinkommen.

Welches die Ursachen für kurzfristige wirtschaftliche Schwankungen sind können wir auch folgenden Variabeln entnehmen: BIP, Arbeitslosenquote, Zinssätze, Wechselkurse und das Preisniveau. Dazu kommen die politischen Massnahmen der Staatsausgaben, der Steuern und des Geldangebots.

Drei wichtige Befunde zu den Wirtschaftsschwankungen

Befund 1: Wirtschaftliche Schwankungen sind unregelmässig und nicht prognostizierbar. Oft bezeichnet man kurzfristige Schwankungen als Konjunkturzyklen oder als „business cycles“, da sie alltäglichen Geschäftsschwankungen entsprechen. Bei raschem Wachstum des Sozialprodukts gehen auch die Geschäfte gut. Bei gedämpften Wachstum oder sogar schrumpfendem Sozialprodukt kommen die Unternehmen in Schwierigkeiten. Zu Zeiten der Rezession verzeichnen fast alle Unternehmungen rückläufige Umsätze und Gewinne.

Konjunkturzyklus tönt, als seien konjunkturelle Schwankungen vorhersehbar und regelmässig. Tatsächlich sind aber die Fluktuationen ganz und gar nicht regelmässig und kaum vorhersehbar.

Befund 2: Die meisten makroökonomischen Variablen schwanken gemeinsam. Um kurzfristige Schwankungen einer Volkswirtschaft abzubilden, verwendet man zumeist das reale Bruttoinlandprodukt, da es neben dem Sozialprodukt die umfassendste Grösse für die unternehmerischen Aktivitäten einer Volkswirtschaft darstellt. Das reale BIP, das Bruttoinlandsprodukt in konstanten Preisen eines Basisjahres, misst den Wert aller in einer bestimmten Periode produzierten Waren und Dienste für Endnachfrager. Es misst auch das (inflationsbereinigte) Einkommen aller Menschen einer Volkswirtschaft. Bei ganz exakter Verwendung der volkswirtschaftlichen Termini schaut man wegen des Einkommens auf die Grösse Volkseinkommen (Nettosozialprodukt zu Faktorkosten). Wenn in einer Rezession die Wachstumsrate des realen BIP zurückgehen, fallen auch Arbeitnehmereinkommen und Gewinne, Konsumausgaben, Investitionsausgaben, Industrieproduktion und alles mögliche sonst auf niedrigere Wachstumsraten zurück. Die gesamte Volkswirtschaft wird von Konjunkturschwankungen und Rezession erfasst.

Befund 2: Der Rückgang des Produktionswachstums ist mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit verknüpft. Sofern Unternehmungen die Produktion einschränken (siehe neg. Wachstumsrate BIP), werden sie Arbeitskräfte entlassen und so zum Anstieg der Arbeitslosenzahlen beitragen.

Das Okun Gesetz Das Okun Gesetz sagt aus, um wieviel sich die Arbeitslosenquote typischerweise ändern wird, wenn das Wachstum des realen BIP schwankt.

Die nach einem früheren US-Regierungsberater benannte Regel sieht folgendermassen aus:

Änderung der Arbeitslosenquote (Prozentpunkte) = -1/2 (reale BIP-Wachstumsrate –3)

Reale BIP-Wachstumsrate minus 3, halbiert und mit negativem Vorzeichen für die gegenläufige Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Sozialproduktswachstum versehen, ergibt über den Daumen gepeilt ungefähr die wachstumsbedingte Änderung der Arbeitslosenquote.

Es gibt sehr grosse Unterschiede bei den Theorien über kurzfristige Wirtschaftsschwankungen. Das häufigst verwendete Modell wird in diesem und nächsten Kapitel skizziert.

Unterscheidung kurzfristige und langfristige Entwicklung Nationalökonomen glauben überwiegend, dass die klassische makroökonomische Theorie die Welt langfristig richtig beschreibt, aber nicht auf kurze Sicht.
Jenseits einer Spanne von einigen Jahren beeinflussen Änderungen des Geldangebots zwar die Preise und andere nominale Variabeln, nicht jedoch realökonomische Variabeln wie das reale BIP, die Arbeitslosigkeit und ähnliche realwirtschaftliche Grössen. Wenn man aber die volkswirtschaftlichen Veränderungen von Jahr zu Jahr untersucht, ist die Annahme der Neutralität des Geldes nicht länger stichhaltig. Die meisten Fachleute sind überzeugt, dass reale und nominale Grössen bei kurzfristiger Betrachtung in hohem Masse verflochten sind. Es ist ein neues Modell erforderlich, dass ohne die Vorstellung der klassischen Dichtomie oder der Neutralität des Geldes aufgebaut ist.

Das Grundmodell wirtschaftlicher Schwankungen Bei diesem Modell werden zwei Variabeln in den Mittelpunkt gestellt: zum einen das mit dem realen BIP gemessene gesamtwirtschaftliche Produktionsniveau an Gütern, zum anderen das mit dem Konsumgüter-Preisindex oder dem BIP-Deflator gemessene allgemeine Preisniveau. Produktionsniveau ist eine realwirtschaftliche Grösse, Preisniveau eine nominale Variabel. Mit dem Blick auf den Zusammenhang der beiden Grössen heben wir schlagartig die Ungültigkeit der klassischen Dichotomie hervor (Dichotomie = Separierbarkeit in einerseits realwirtsch.Variabeln, Darstellung von Mengen und relativen Preisen, und andererseits nominalen Variabeln, die Geldgrössen darstellen. Ähnlich wie wir einen einzelnen Markt mit Kurven der Marktnachfrage und des Marktangebots untersuchen, analysieren wir gesamtwirtschaftliche Schwankungen der Volkswirtschaft mit aggregierter Nachfrage und aggregiertem Angebot. Die Kurve der aggregierten Nachfrage weist die Gütermenge aus, die von Haushalten und Unternehmungen gekauft werden möchte. Die Kurve des aggregierten Angebots zeigt dementsprechend die angebotene Gütermenge.

Modell der aggregierten Das von den meisten Nationalökonomen zur Nachfrage und des Erklärung kurzfristige Schwankungen der aggregierten Angebots Wirtschaft um den langfristigen Trend herum verwendete Modell.

Kurve der aggregierten Nachfrage: Eine Kurve mit den Gütermengen, die Haushalte, Unternehmungen und staatliche Stellen bei unterschiedlichen Preisniveaus kaufen wollten.

Kurve des aggregierten Angebots: Eine Kurve mit den Gütermengen, die Unternehmungen bei verschiedenen Preisniveaus herstellen und verkaufen möchten.
Wenn wir Nachfrage und Angebot auf einem einzelnen Markt betrachten, hängt das Verhalten von Nachfragern und Anbietern wesentlich von der Beweglichkeit der Ressourcen zwischen den einzelnen Märkten ab. Bei einem Preisanstieg von Speiseeis sinkt die nachgefragte Menge deshalb, weil die Käufer ihr Einkommen nun für andere Güter verwenden. Entsprechend erhöht sich bei steigendem Preis die Angebotsmenge deshalb, weil die Hersteller die Produktion durch Abwerbung von Arbeitskräften aus anderen Bereichen der Volkswirtschaft steigern können. Diese mikroökonomische Substitution zwischen den einzelnen Märkten ist auszuschliessen, wenn wir die Volkswirtschaft insgesamt betrachten. Die Gütermenge, die unser nun vorliegendes Modell erklären will, ist ja das reale Bruttoinlandprodukt, das sämtliche in einer Volkswirtschaft hergestellten Güter enthält. Um die negative Steigung der aggregierten Nachfragekurve und die positive Steigung der aggregierten Angebotskurve zu verstehen, benötigen wir eine makroökonomische Theorie. Um die Entwicklung dieser Theorie geht es zunächst.

Die Kurve der aggregierten Nachfrage Diese Kurve informiert über die Mengen aller Waren und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft bei verschiedenen Preisniveaus nachgefragt werden. Die Nachfragekurve verläuft fallend. Danach wird – unter sonst gleichen Bedingungen – bei einem Rückgang des volkswirtschaftlichen Preisniveaus, das Nachfrageniveau nach Waren und Dienstleistungen in der Volkswirtschaft ansteigen.

Warum die aggregierte Nachfragekurve eine negative Steigung hat Was liegt hinter der negativen, gegenläufigen funktionalen Verknüpfung des Preisniveaus und des Nachfrageniveaus? Das Bruttoinlandprodukt (Y) ist die Summe aus Konsumgütern für den Haushaltssektor (C ), Investitionsgütern für den Unternehmenssektor (I), Gütern für den Staatssektor (G) und Gütern für den Auslandsektor oder Nettoexporte (NX).

Y = C + I + G + NX

Jeder der vier Komponenten trägt zur aggregierten Güternachfrage bei. Staatsausgaben betrachtet man als durch Haushaltsbeschlüsse politisch fixierte Variable. Die übrigen drei Variablen jedoch sind ökonomisch bestimmt und insbesondere vom Preisniveau abhängig. Die negative Steigung erklärt sich danach, wie das Preisniveau jede einzelne der Makrovariablen Konsum, Investitionen und Nettoexporte beeinflusst. Die Argumentation beruht auf sogenannte Vermögens- und Realklasseneffekte von Preisniveauänderungen. Davon werden hier drei Spielarten verwendet.

Pigou-Vermögenseffekt: Bei einem Rückgang des Preisniveaus sind DM mehr wert, weil dafür mehr Waren und Dienstleistungen gekauft werden können. Somit fühlen sich die Konsumenten bei einem Rückgang des Preisniveaus wohlhabender, was sie zu höheren Ausgaben ermutigt und damit die nachgefragte Gütermenge erhöht.

Keynes-Zinssatzeffekt: Je niedriger das Preisniveau ist, um so weniger Geld halten die Haushalte als Transaktionskasse für ihr übliches Nachfrageniveau an Gütern. Den Haushalten geht es darum, einen Teil ihrer Kassenbestände in verzinsliche Vermögensteile umzuwandeln, womit sie den Zinssatz nach unten drücken. Somit wird ein niedriges Preisniveau das Zinsniveau senken, zu höheren Investitionen anregen und damit die Güternachfrage insgesamt steigern.

Mundell-Fleming-Wechselkurseffekt: Als Reaktion auf das niedrigere Zinsniveau werden jedoch einige Anleger umdisponieren, und zwar von der Anlage im Inland auf eine höhere verzinsliche Anlage im Ausland. Die Anleger trachten nach „Investitionen“ (Portfolioinvestitionen) in Geldtitel; sie sind Anbieter von Geld für Investitionen. Somit wird ein niedrigeres Preisniveau mit dem Effekt niedrigerer Zinssätze auch zur Abwertung der Landeswährung führen und dadurch die Nettoexporte und die Gesamtnachfrage steigern.

Es gibt also drei unterschiedliche und miteinander verknüpfte Begründungen dafür, dass ein Rückgang des Preisniveaus die Menge der insgesamt nachgefragten Waren und Dienstleistungen erhöht: 1. Konsumenten fühlen sich wohlhabender und dadurch zu weiterer Nachfrage nach Gütern angeregt. 2. Zinssätze sinken und regen zu weiteren Investitionsgüterkäufen an. 3. Eine Abwertung der Landeswährung stimuliert die Nettoexporte. Nach allen drei Gründen hat die aggregierte Nachfragekurve eine negative Steigung. Wichtig ist, festzuhalten, dass die Kurve der aggregierten Nachfrage jeweils für eine ganz bestimmte Geldmenge Gültigkeit hat.

Warum es zur Verschiebung der aggregierten Nachfragekurve kommen kann Nach der negativen Steigung der aggregierten Nachfragekurve wird ein Rückgang des Preisniveaus die Nachfrage erhöhen. Die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft ist jedoch noch von vielen anderen Einflussgrössen abhängig. Wenn sich eine dieser anderen Bestimmungsgrössen ändert, erfolgt eine Verschiebung der Kurve. Für diese Verschiebung gibt es zahlreiche Beispiele:

?? Konsumenten sorgen sich plötzlich um ihren Lebensunterhalt und beginnen zu sparen. Somit reduzieren sie ihre laufenden Konsumausgaben und erhöhen damit ihre Sparquote. Da die zu jedem beliebigen Preisniveau nachgefragte Gütermenge kleiner wird, erfolgt eine Linksverschiebung der aggregierten Nachfragekurve. ?? Eine neue, viel bessere Computergeneration kommt auf den Markt. Dies bewirkt, dass die meisten Unternehmungen zu jedem beliebigem Preisniveau in diese Geräte investieren, was zu einer Rechtsverschiebung der aggregierten Nachfragekurve führt. ?? Würde man Geld drucken und dies per Hubschrauber an die Bewohner eines Landes verteilen, würde die zu jedem beliebigen Preisniveau nachgefragte Gütermenge grösser werden und die aggregierte Nachfragekurve würde sich nach rechts verschieben.

VWL – Zusammenfassung Seite 75
Wie wir sehen können rühren Nachfrageverschiebungen teilweise von privaten Verhaltensänderungen und teilweise von Politikänderungen her.

Die Kurve des aggregierten Angebots Die Kurve des aggregierten Angebots informiert uns über die Menge an Waren und Dienstleistungen, die Unternehmungen bei einem bestimmten Preisniveau produzieren und verkaufen möchten.Der Zusammenhang zwischen dem Preisniveau und der Angebotsmenge ist je nach dem Zeithorizont der Betrachtung unterschiedlich. Langfristig verläuft die Angebotskurve senkrecht, kurzfristig hingegen weist sie eine positive Steigung auf.

Warum die aggregierte Angebotskurve auf lange Sicht senkrecht verläuft Langfristig hängt das Angebot einer Volkswirtschaft an Waren und Dienstleistungen von ihrer Faktorausstattung mit Arbeit und Kapital sowie von der verfügbaren Technologie zur Umwandlung der Produktionsfaktoren in Produkte ab.Das Preisniveau berührt die langfristigen Bestimmungsgrössen des realen BIP nicht; die langfristige aggregierte Angebotskurve verläuft also senkrecht.

Wie wir bereits wissen, beruht die klassische makroökonomische Theorie auf der Annahme, dass die realökonomischen Variablen nicht von den nominalökonomischen Variablen abhängen. Mit dieser Konzeption ist die langfristige aggregierte Angebotskurve vereinbar; denn das Produktionsniveau (eine reale Variable) hängt nicht vom Preisniveau (einer nominalen Variablen) ab. Obwohl die langfristige Angebotskurve senkrecht verläuft, kann die kurzfristig aggregierte Angebotskurve eine posititve Steigung aufweisen. Dies ist so, weil das Angebot der einzelnen Waren und Dienstleistungen von den relativen Preisen abhängt – den Güterpreisen i m Vergleich zu den übrigen Preisen der Volkswirtschaft. Wenn z.B. der Preis von Speiseeis ansteigt, erhöhen die Hersteller von Speiseeis ihre Produktions- und Angebotsmenge, indem sie Arbeit, Milch und Kakao und sonstige Faktoreinsätze aus der Produktion anderer Güter – wie etwa Joghurt oder Quarkspeisen – abziehen.

Warum sich die langfristige aggregierte Angebotskurve verschieben kann Jede volkswirtschaftliche Veränderung, die sich auf das natürliche Produktionsniveau auswirkt, führt zu einer Verschiebung der langfristigen aggregierten Angebotskurve. Das

Langfristiges aggregiertes Angebot
VWL – Zusammenfassung Seite 76
Wachstum des volkswirtschaftlichen Realkapitalbestandes etwa erhöht die Produktionsmöglichkeiten und dadurch die Angebotsmenge an Waren und Dienstleistungen. Die langfristig aggregierte Angebotskurve wird deshalb nach rechts verschoben. Umgekehrt würde eine Abnahme des Realkapitalbestandes die Produktionsmöglichkeiten vermindern und die Angebotskurve nach links verschieben. Auch von der Höhe der natürlichen Arbeitslosenquote hängt die Lage der langfristigen aggregierten Angebotskurve ab. Bei gesetzlichen und tarifvertraglichen Vorschriften für einen höheren Mindestlohn etwas stiege die natürliche Arbeitslosenquote an, so dass es zu einer Linksverschiebung der langfristigen Angebotskurve käme.

Alles in allem bietet die langfristig aggregierte Angebotskurve lediglich eine neue Betrachtungsweise für das klassische Modell der Volkswirtschaft. Jedes Ereignis und jede politische Massnahme, die zur Steigung des realen BIP führen, erscheinen nun als Erhöhung des langfristigen aggregierten Angebots und als Rechtsverschiebung der Angebotskurve. Umgekehrt könnte alles, was zur Minderung des realen BIP führt, als Linksverschiebung der Kurve des aggregierten Angebots von Waren und Dienstleistungen betrachtet werden.

Warum die aggregierte Angebotskurve auf kurze Sicht eine positive Steigung hat Das Modell der aggregierten Nachfrage und des Angebots ist eigentlich dazu da, um die kurzfristigen Abweichungen vom langfristigen Gleichgewicht zu analysieren. Der Hauptunterschied des Kurzfrist- und des Langfristmodells liegt im aggregierten Angebot. Auf kurze Sicht hat die aggregierte Angebotskurve eine positive Steigung wie im unteren Schaubild. Auf ein oder zwei Jahre gerechnet, wird ein Anstieg aller Preise der Volkswirtschaft und somit des Preisniveaus das volkswirtschaftliche Güterangebot steigern. Umgekehrt wird ein Rückgang des Preisniveaus kurzfristig das Angebot an Waren und Dienstleistungen vermindern.

Preisniveau

P1

P2

Produktionsniveau
Y2 Y1

Zur Begründung einer positiven Steigung haben die Makroökonomen dreierlei Theorien vorgeschlagen. In jedem dieser Ansätze führen spezielle Marktunvollkommenheiten dazu, dass sich die Angebotsseite einer Volkswirtschaft kurzfristig und langfristig unterschiedlich verhält. Alle diese Theorien haben in gemeinsames Thema: Die Angebotsmenge weicht von ihrem langfristigen oder „natürlichen“ Produktionsniveau ab, wenn und solange das Preisniveau von dem in der Bevölkerung erwarteten Preisniveau divergiert. Sofern sich das

Kurzfristig aggregiertes Angebot
VWL – Zusammenfassung Seite 77
Preisniveau über das erwartete Preisniveau hinaus erhöht, wird die Produktion über das natürliche Produktionsniveau hinaus gesteigert. Und wenn das Preisniveau unter seine Erwartungsgrösse fällt, wird umgekehrt eine Absenkung der Produktion unter das natürliche Produktionsniveau eintreten.

Neuklassische Theorie der Wahrnehmungsstörungen: (Milton Friedman und Robert Lucas) Gemäss dieser Theorie können Veränderungen des Preisniveaus die Anbieter zeitweilig über die wirklichen Vorgänge auf den Märkten im Unklaren lassen und irreführen. Als Ergebnis der kurzfristigen Wahrnehmungsstörungen reagieren die Anbieter mit Mengensteigerungen auf Erhöhungen des Preisniveaus, was zur positiven Steigung der Angebotskurve führt. Ein niedriges Preisniveau verursacht Fehlvorstellungen über die relativen Preise, und diese Wahrnehmungsstörungen veranlassen die Anbieter, auf das niedrigere Preisniveau mit Senkungen der Angebotsmengen an Waren und Dienstleistungen zu reagieren.

Keynessche Theorie starrer Lohnsätze: Nach Keynes uns vielen seiner Anhänger steigt die Angebotskurve deshalb an, weil sich die Nominallohnsätze nur langsam anpassen oder kurzfristig „starr“ sind. In einem gewissen Ausmass ist die langsame, zögerliche Veränderung der Nominallohnsätze durch die längerfristige Anstellungs- und Tarifverträge bestimmt. Soziale Normen und Regeln der Fairness mögen ein übriges zur langsamen Veränderung der Entlohnung beitragen. Da sich die Lohnsätze nicht unverzüglich an das Preisniveau anpassen, macht ein niedrigeres Preisniveau die Beschäftigung und die Produktion weniger rentierlich, so dass die Unternehmungen ihre Angebotsmenge senken.

Neukeynesianische Theorie starrer Preise: Die Neukeynesianer meinen nun, auch die Preise einiger Waren und Dienstleistungen würden Veränderungen der volkswirtschaftliche Lage nur schleppend folgen. Die langsame Preisanpassung ist zum Teil auf Kosten der Preisänderungen zurückführen, die man Menükosten nennt. Diese Menükosten umfassen z.B. den Druck und den Versand neuer Kataloge sowie die Änderung der Preisschilder. Wegen dieser Kosten sowie die Änderung der Preisschilder. Wegen dieser Kosten sind die Preise ebenso wie ie Löhne auf kurze Sicht nur zäh veränderlich. Da sich nicht alle Preise sofort den veränderten Bedingungen anpassen, wird es einige Unternehmungen mit höheren als den erwünschten Preisen geben, die zu Absatzrückgängen führen und die Unternehmungen zu Produktions- und Angebotssenkungen veranlassen.

Es gibt also drei unterschiedlilche Erklärungen für die positive Steigung der kurzfristigen aggregierten Angebotskurve: 1. Wahrnehmungsstörungen 2. Starre Löhne 3. Starre Preise Alle drei Theorien sagen, dass die Produktion mit dem erwarteten Preisniveau der Leute übereinstimmen.

Warum es zur Verschiebung der kurzfristigen aggregierten Angebotskurve kommen kann Die kurzfristig aggregierte Angebotskurve informiert uns über die Menge der Waren und Dienstleitstungen, die kurzfristig bei einem bestimmten Preisniveau angeboten wird. Es gibt eine sehr wichtige neue Variable, die auf die Lage der kurzfristigen aggregierten Angebotskurve einwirkt: den Erwartungswert des Preisniveaus. Wie wir erörtert haben, hängt die Menge der angebotenen Waren und Dienstleistungen kurzfristig von Fehlvorstellungen,
VWL – Zusammenfassung Seite 78
von starren Lohnsätzen und starren Preisen ab. Doch Wahrnehmungen, Lohnsätze und Preise beruhen auf bestimmten Erwartungen vom Preisniveau. Ein hohes erwartetes Preisniveau vermindert die Angebotsmenge bei einer Linksverschiebung der kurzfristigen aggregierten Angebotskurve. Umgekehrt wird ein niedrigeres erwartetes Preisniveau die Angebotsmenge steigern und eine Rechtsverschiebung der kurzfristigen angebotskurve bewirken. Kurzfristig sind die Erwartungen fix, und die Volkswirtschaft befindet sich am Schnittpunkt der aggregierten Nachfragekurve und der kurzfristigen aggregierten Angebotskurve. Langfristig jedoch passen sich die Erwartungen an, und die kurzfristige aggregierte Angebotskurve verschiebt sich. Diese Verschiebung trägt dazu bei, dass sich die Volkswirtschaft möglicherweise im Schnittpunkt von aggregierter Nachfragekurve und langfristiger aggregierter Angebotskurve wiederfindet.

Zwei Ursachen einer Rezession

Preisniveau

Gleichgewichts- preis

Produktionsniveau

Natürliches Produktionsniveau

Die Wirkung einer Nachfrageverschiebung Aus verschiedenen Gründen kann es immer wieder zu sehr pessimischer Stimmung in der Volkswirtschaft kommen. Meist verlieren Menschen dann ihr Vertrauen in die Zukunft und ändern ihre Pläne. Haushalte schrauben ihre Ausgaben zurück und grössere Anschaffungen werden verschoben. Unternehmungen vertagen Investitionen in neue Maschinen und Gebäude. Die aggregierte Nachfrage verschiebt sich dadurch. Das Produktionsniveau fällt und das Preisniveau geht auch zurück. Das rückläufige Produktionsniveau ist ein Indikator dafür, dass sich die Volkswirtschaft in einer Rezession befindet: Pessimismus für die Zukunft führt zu fallenden Einkommen und steigender Arbeitslosigkeit. Um der Rezession entgegenzuwirken, besteht für die Wirtschaftspolitiker die Möglichkeit, Aktivitäten zur Erhöhung der aggregierten Nachfrage zu entfalten. Eine Steigerung der Staatsausgaben oder eine Erhöhung des Geldangebots zu einem Anwachsen der Güternachfrage bei jedem denkbaren Preisniveau führen und somit eine Rechtsverschiebung der aggregierten Nachfragekurve bewirken. Die Politiker müssten genügend schnell handeln um eine primäre Nachfrageverschiebung auszugleichen und die aggregierte Nachfragekurve sowie die Volkswirtschaft in den Ursprungspunkt zurückzuführen.

Kurzfristig aggregiertes Angebot
Langfristig aggregiertes Angebot
VWL – Zusammenfassung Seite 79
Preisniveau

P1

P2

P3 Produktionsniveau

Y2 Y1

Die Verschiebung der aggregierten Nachfrage auf lange Sicht vollständig im Preisniveau (und nicht im Produktionsniveau). Der langfristig Effekt einer Verschiebung der aggregierten Nachfrage besteht mit anderen Worten in einer nominalen Änderung (das Preisniveau ist niedriger) und nicht einer realen Veränderung (das Produktionsniveau ist gleich).

Folgende Begleiterscheinungen sind zusammenfassend festzuhalten: – Auf kurze Sicht verursachen Nachfrageverschiebungen Schwankungen des Produktionsniveaus an Waren und Dienstleistungen. – Auf lange Sicht führen Nachfrageverschiebungen – ohne Auwirkungen auf das Produktionsniveau – zu Veränderungen des Preisniveaus.

Die Wirkung einer Verschiebung des aggregierten Angebots Als Beispiel nehmen wir schlechtes Wetter in ländlichen Gegenden, die die Ernte zerstören und die Kosten der Nahrungsmittelproduktion nach oben drücken. Unternehmungen wollen nun zu jedem Preisniveau eine kleinere Gütermenge anbieten. Somit verschiebt sich die kurzfristige aggregierte Angebotskurve.

Preisniveau

P2

P1

Produktionsniveau

Y2 Y1

Kurzfristig bewegt sich die Volkswirtschaft auf der bestehenden aggregierten Nachfragekurve vom Ursprung nach links. Das Produktionsniveau fällt und das Preisniveau geht auch zurück. Da die Volkswirtschaft sowohl eine Stagnation (fallendes oder gleichbleibendes Produktionsniveau )als auch eine Inflation (Preisniveauanstieg) aufweist, spricht man bisweilen von einer Stagflation.

Kurzfristig aggregiertes Angebot
Langfristig aggregiertes Angebot
Aggregierte Nachfrage
Kurzfristig aggregiertes Angebot
Langfristig aggregiertes Angebot
Aggregierte Nachfrage
VWL – Zusammenfassung Seite 80
Stagflation Eine Zeit mit rückläufigem Produktionsniveau und steigendem Preisniveau.

Es ist sehr schwierig für die Wirtschaftspolitiker, bei einer Stagnation etwas zu unternehmen. Eine Möglichkeit besteht im Nichtstun. In diesem Falle wird das Produktionsniveau eine Zeitlang auf dem Niveau Y2 in der Rezession verharren. Vielleicht jedoch tritt eine Selbstheilung der Rezession dadurch ein, dass sich Wahrnehmungen, Löhne und Preise den höheren Produktionskosten anpassen. Langfristig wird die Volkswirtschaft wieder zum Ursprung zurückkehren, wo die aggregierte Nachfragekurve die langfristige Angebotskurve schneidet.

In manchen Ländern war und ist der Regierung neben der Fiskalpolitik auch die Geldpolitik verfügbar. Wirtschaftspolitiker versuchten nun, einige Auswirkungen der Verschiebung der kurzfristigen aggregierten Angebotskurve durch eine Verschiebung der aggregierten Nachfragekurve zu kompensieren. Durch politische Massnahmen wurde die aggregierte Nachfragekurve verschoben, dass ein befürchteter Rpckgang des Produktionsniveaus aufgefangen werden kann. Die wirtschaftspolitischen Massnahmen vermögen den Effekt der Angebotsverschiebung aber nicht voll zu kompensieren. Sie lassen mit ihrer Abfederung Spielraum für Kosten- und Preiserhöhungen.

Preisniveau

P3

P2

P1 Produktionsniveau

Natürliches Produktionsniveau

Zusammenfassend zwei wichtige Punkte zu den Überlegungen zur Verschiebung des aggregierten Angebots festzuhalten: ?? Verschiebung des aggregierten Angebots können zu Stagflation führen ?? Wirtschaftspolitiker, die zu einer Einflussnahme auf die aggregierte Nachfrage in der Lage sind, können nicht beide unerwünschten Effekte zugleich kompensieren.

Kurzfristig aggregiertes Angebot
Langfristig aggregiertes Angebot
Aggregierte Nachfrage
VWL – Zusammenfassung Seite 81

Kapitel 32: Der Einfluss von Geldpolitik und Fiskalpolitik auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage

Wie im vorigen Kapitel bereits erklärt, kommt es bei Verschiebungen der aggregierten Nachfragekurve oder der aggregierten Angebotskurve zu Schwankungen des Produktionsvolumens an Gütern und Diensten sowie des Preisniveaus. Geldpolitik und Fiskalpolitik können für sich genommen – wie im vorigen Kapitel dargelegt – die aggregierte Nachfrage beeinflussen. Wie dies geschieht, untersuchen wir hier noch eingehender.

Wie die Geldpolitik auf die aggregierte Nachfrage wirkt Die aggregierte Nachfragekurve informiert über die bei jedem beliebigen Preisniveau insgesamt nachgefragte Menge an Waren und Dienstleistungen. Die aggregierte Nachfragekurve weist nach dreierlei Begründungen eine negative Steigung auf: ?? Pigou-Vermögenseffekt: Ein niedrigeres Preisniveau erhöht den Realwert der Geldvermögen bei den privaten Haushalten, und ein höherer realer Vermögenswert regt zu Konsumausgaben an. ?? Keynes-Zinssatzeffekt: Ein niedrigeres Preisniveau vermindert wegen erhöhter Ausleihe und Anlage überflüssiger Kassenbestände das Zinsniveau, und das niedrigere Zinsniveau stimuliert zu Investitionsausgaben. ?? Mundell-Fleming-Wechselkurseffekt: Wenn ein niedrigeres Preisniveau den Zinssatz senkt, werden die Anlager und Portfolio-Investoren einiges Geld in das Ausland übertragen und auf diese Weise zu einer Abwertung der Landeswährung beitragen. Die Abwertung der heimischen Währung macht die im Inland produzierten Güter relativ billiger und regt damit die Nettoexporte an.

Der Pigou-Effekt hat das geringste Gewicht bei der negativen Steigung der aggregierten Nachfragekurve. Der Mundel-Fleming-Effekt ist auch nicht besonders gross. Für grosse Volkswirtschaften wie die USA kommt dem Zinssatzeffekt afu die Investitionen nach Keynes die grösste Bedeutung für die negative Steigung der aggregierten Nachfragekurve zu. Zur Erklärung des Zinssatzes nach Keynes wenden wir uns der sogenannten Theorie der Liquiditätspräferenz zu. Diese Theorie setzen wir dazu ein, die negative Steigung der aggregierten Nachfragekurve und den Einfluss der Geldpolitik auf die Nachfragekurve zu erklären.

Theorie der Liquiditätspräferenz Keynes‘ Theorie, wonach sich der Zinssatz zur Angleichung von Geldangebot und Geldnachfrage bewegt.

Die Theorie der Liquiditätspräferenz Diese Theorie klärt die Frage, welche Faktoren die Höhe des Zinssatzes einer Volkswirtschaft bestimmen. Nach Keynes spielt sich der Zinssatz so ein, dass es zur Übereinstimmung von Geldangebot und Geldnachfrage kommt. Befassen wir uns deshalb zunächst mit dem Geldangebot und der Geldnachfrage sowie deren Abhängigkeit vom Zinssatz.

Geldangebot: Das Geldangebot wird in jeder Volkswirtschaft von der Zentralnotenbank gesteuert. Grundsätzlich nimmt eine Zentralnotenbank vor allem durch Offenmarktpolitik (An- und Verkauf dafür zugelassener Wertpapiere zur Vergrösserung oder Verkleinerung des Geldumlaufs), durch Mindestreservenpolitik (Anhebung oder Senkung eines bestimmten Prozentsatzes zinsloser Pflichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank für verschiedene Kundeneinlagen oder andere Passiva), durch Refinanzierungspolitik (Vergabe
VWL – Zusammenfassung Seite 82
von Diskont- und Lombardkrediten an Geschäftsbanken sowie Wertpapierpensionsgeschäfte) auf die angebotene und tatsächlich umlaufende Geldmenge Einfluss.

Zinssatz

Geldmenge

Angebotsmenge der Zentralbnotenbank

Da die angebotene Geldmenge jeweils von der Zentralnotenbank fixiert wird, hängt sie nicht von anderen ökonomischen Variablen ab. Insbesondere hängt die angebotene Geldmenge nicht vom Zinssatz ab. Sobald die politische Entscheidung für eine bestimmte Geldmenge gefallen ist, bleibt es dabei – ohne Rücksicht auf den vorherrschenden Zinssatz. Dies wird wie oben gezeigt mit einer senkrecht verlaufenden Angebotslinie dargestellt.

Geldnachfrage: Geld ist das Tausch- und Zahlungsmittel einer Volkswirtschaft; es ist deshalb per Definition der Vermögensposten mit dem höchstmöglichen Liquiditätsgrad. Der Liquiditätsgrad des Geldes erklärt die Nachfrage nach Geld:

Zinssatz

Geldmenge

Die Leute enscheiden sich für die Geldhaltung statt für andere rentierliche Vermögensarten, weil Geld zum Kauf von Waren und Dienstleistungen eingesetzt werden kann. Der Zinssatz stellt die Opportunitätskosten oder den Schattenpreis der Geldhaltung dar: Somit ist eine Geldnachfragekurve mit negativer Steigung, wie oben im Bild, plausibel.

Geldangebot
Geldnachfrage
VWL – Zusammenfassung Seite 83
Zinssatz

r1

Gleichgew.zinssatz r2 Geldmenge

Md1 Angebotsmenge Md2 der Zentralnotenbank

Es gibt nur einen Zinssatz, den Gleichgewichtszinssatz, bei dem angebotene und nachgefragte Geldmenge genau gleich sind. Steht der Zinssatz bei irgend einem anderen Niveau, werden die Leute ihre Vermögensbestände umdisponieren, womit sie den Zinssatz zum Gleichgewichtsniveau hin drängen.

Die negative Steigung der aggregierten Nachfragekurve Das Preisniveau ist eine Determinante der nachgefragten Geldmenge. Bei höheren Preisen wird jedesmal bei Käufen und Verkäufen mehr Geld bewegt. Deshalb werden sich die Leute zu einer grösseren Kassenhaltung entschliessen. Bei einem höheren Preisniveau wirs also zu einem beliebigen gegebenen Zinssatz stets mehr Geld nachgefragt. Somit wird im bei einem Anstieg des Preisniveaus von P1 auf P2 die Geldnachfragekurve von MD1 nach rechts verschoben zu MD2. Da die angebotene Geldmenge unverändert bleibt, muss der Zinssatz von r1 auf r2 in die Höhe gehen, um die zusätzliche Geldnachfrage zu entmutigen und zu verdrängen. Bei einem höheren Zinssatz sind die Kosten für Kredite und die Erträge aus Ersparnissen höher: Weniger Privatleute werden für den Hausbau Kredite aufnehmen, und wer es dennoch tut, wird kleiner und billiger bauen, so dass die Nachfragekomponente der Wohnungsbauinvestitionen zurückgeht. Auch weniger Unternehmungen werden Kredite für Bauinvestitionen aufnehmen. Die Haushalte werden sich entscheiden, mehr für die Zukunft zu sparen. Aus all diesen Gründen wird, wenn der Preisniveauanstieg von P1 auf P2 die Geldnachfrage von MD1 auf MD2 steigert und den Zinssatz von r1 auf r2 hochtreibt, die aggregierte Nachfragemenge nach Waren und Dienstleistungen von Y1 auf Y2 zurückgehen. a)Der Geldmarkt

Zinssatz

r2

r1

Geldmenge

Angebotsmenge der Zentralnotenbank

Geldnachfrage
Geldnachfrage MD1
Geldangebot
Geldnachfrage MD2
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b) Die aggregierte Nachfragekurve

Preisniveau

P2

P1

Gütermenge
Y2 Y1

Zusammengefasst beinhaltet die Analyse desKeynes-Zinssatzeffektes folgende drei Schritte: 1) Ein höheres Preisniveau erhöht die Geldmenge 2) Höhere Geldnachfrage führt zu einem höheren Zinssatz 3) Ein höherer Zinssatz vermindert die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen.

Das Ergebnis dieser Analyse ist eine negative, gegenläufige Beziehung zwischen dem Preisniveau und der Nachfragemenge nach Waren und Dienstleistungen.

Veränderung des Geldangebots Weiter wollen wir uns anschauen, wie die Zentralnotenbank mit Veränderungen der Geldpolitik die Kurve der aggregierten Nachfrage verschiebt.

a) Der Geldmarkt

Zinssatz

r1

r2

Geldmenge

Durch eine Steigerung des Geldangebots zu einer Rechtsverschiebung der Geldangebotskurve von MS1 auf MS2. Da in diesem Falle die Geldnachfrage unverändert bleibt, fällt der Zinssatz zwecks Angleichung von Geldangebot und Geldnachfrage von r1 auf r2. Das bedeutet, dass der Zinssatz fallen muss, um die Leute dazu zu bringen, das von der Zentralnotenbank zusätzlich ausgegebene Geld im Kassenbestand zu halten.

Aggregierte Nachfrage
Geldnachfrage beim Preisniveau P
MS2
Geld- angbot MS1
VWL – Zusammenfassung Seite 85

b) Die aggregierte Nachfragekurve

Preisniveau

P

Gütermenge
Y1 Y2

Erneut beeinflusst der Zinssatz die Nachfragemenge an Gütern. Der niedrige Zinssatz reduziert die Kosten der Kreditaufnahme und die Erträge der Ersparnisse. Haushalte kaufen mehr Häuser, Unternehmungen geben ebenfalls mehr aus für Bauinvestitionen und Haushalte sparen weniger und stecken mehr in den Konsum. Aus all diesen Gründen wird die bei einem bestimmten Preisniveau P nachgefragte aggregierte Gütermenge von Y1 auf Y2 ansteigen.

Eine Geldspritze durch die Zentralbank erhöht das Geldangebot. Ein höheres Geldangebot führt bei jedem gegebenen Preisniveau zu einem niedrigeren Zinssatz, der die nachgefragte Gütermenge steigen lässt. Somit bewirkt eine Geldspritze eine Rechtsverschiebung der aggregierten Geldkurve.

Zinssatzziele und Zentralbankpolitik Das Geldangebot ist das politische Hauptinstrument einer Zentralbank. In der Geschichte der Zentralbanken kommt es immer wieder vor, dass man nicht Geldmengenziele, sondern Zinssatzziele verfolgt. Deutschland macht – am BIP gemessen – rund ein Drittel am Euro-Raum aus, so dass die Inflationsperspektiven hierzulande die Preisentwicklung in der gesamten Währungsunion wesentlich mitbestimmt. Es ist ganz nützlich, von der Theorie der Liquiditätspräferenz aus die logische Gleichwertigkeit von Mengen- und Preissetzung in der Geldpolitik zu thematisieren: Die Geldpolitik einer Zentralnotenbank kann entweder in Begriffen der Geldmenge oder in Begriffen des Zinsniveaus beschrieben werden. Nur mit beiden Eingriffsarten zugleich – Zinssatz- plus Geldmengenfixierung – würde man den Gesetzlichkeiten des Marktes widersprechen. Eine expansive Geldpolitik kann entweder mit einer Geldmengensteigerung oder mit einer Zinssatzsenkung durchgeführt und beschrieben werden.

Wie die Fiskalpolitik auf die aggregierte Nachfrage wirkt Die Entwicklung einer Volkswirtschaft kann auch durch die Fiskalpolitik einer Staatsregierung im Bund und in den Ländern bestimmt werden. Die Fiskalpolitik hat mit den Einnahmen und den Ausgaben des Staates zu tun, insbesondere mit der Bemessung von Steuern sowie von Investitions- und Konsumgüterverkäufen. Auf kurze Sicht betrifft die Fiskalpolitik nur die aggregierte Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen der Volkswirtschaft.

Aggregierte Nachfrage AD1
AD2
VWL – Zusammenfassung Seite 86
Veränderungen der Staatsausgaben für Konsum- und Investitionsgüter Wenn die Staatsregierung ihre eigenen Einkäufe für Investitions- und Konsumzwecke verändert, trägt sie unmittelbar zu einer Verschiebung der aggregierten Nachfragekurve bei. Es gibt zwei makroökonomische Effekte, die einen Unterschied zwischen dem Ausgabenbetrag und der Nachfrageänderung verursachen. Der erste – der Multiplikatoreffekt – deutet darauf hin, dass die Nachfrageänderung grösser sein wird als die vom Staat zusätzlich ausgegebenen 20 Milliarden DM. Der zweite – der Veränderungseffekt – lässt eher vermuten, dass die Nachfrageverschiebung kleiner als 20 Milliarden DM ausfallen könnte.

Der Multiplikatoreffekt Nehmen wir an, die zusätzliche Staatsausgabe von 20 Milliarden DM wird für Verteidigungszwecke an ein Flugzeugwerk ausgegeben. Davon wird es Rück- und Fernwirkungen geben. Das sind Beschäftigungs-, Lohn- und Gewinnsteigerung bei diesem Werk. Mit den höheren Arbeits- und Kapitaleinkünften wird es zu Steigerungen der Konsumausgaben kommen. Es wird sich ebenso die Nachfrage nach Gütern vieler anderer Unternehmungen erhöhen. Da jede einzelne Mark an Staatsausgaben die aggregierte Güternachfrage um mehr als eine Mark steigern kann, sagt man auch, die Staatsausgaben haben eine Multiplikatorwirkung auf die aggregierte Nachfrage. Da sich die Auswirkungen der ersten Konsumausgabe immer weiter fortsetzen, entsteht eine positive Folgewirkung.

Die aggregierte Nachfrage vor einer diskreten Steigerung ist AD1, durch die als Beispiel erwähnten Waffenkäufe von 20 Milliarden DM ergäben sich sodann die gestrichelte neue Nachfragekurve AD2. Die wirklich neue Nachfragekurve – einschliesslich der Zweit-, Dritt- und weiteren Folgewirkung – ist die Kurve AD3 im Schaubild.

Preisniveau

Produktionsniveau

Dieser aus Rückwirkungen der Konsumausgaben entstehende Multiplikatoreffekt kann durch Reaktionen der Investitionen auf ein höheres Nachfrageniveau verstärkt werden. Das Flugzeugwerk könnte erhöhte Ausrüstungs- oder Bauinvestitionen tätigen. Diese positive Rückwirkung der Nachfrage auf die Investitionen wird als Investitionsakzelerator bezeichnet. Das in der Konjunkturtheorie wichtige Akzeleratorprinzip ist eine Investitionsfunktion mit einem Faktor, der als Akzelerator oder Beschleuniger verstanden wird, und der Grösse der gesamtwirtschaftlichen Nachfrageänderung. Durch Multiplikation von Akzelerator und Nachfrageänderung ergibt sich die zusätzliche „induzierte“ Investition.

Aggregierte Nachfrage AD3
AD2
AD1
VWL – Zusammenfassung Seite 87
Eine Formel für den Staatsausgabenmultiplikator

aggregierte Nachfrage: Y = C + I + G + NX (Y=BIP / C=Konsumgüter / I=Investitionsgüter / G= Staatsnachfrage / NX = Nettoexporte)

Nimmt man das BIP zugleich als Indikator des Gesamteinkommens, von dem die Konsumausgaben abhängen, so kann man diese Einkommens-Konsum-Funktion zur näheren Erklärung heranziehen:

C = Ca + cY

Der Konsum ist mit einem festen Mindestteil C a autonom gegeben und zu einem grösseren und variablen Teil einkommensbestimmt. Dabei bildet der Faktor c eine Verhaltenskonstante, die als Konsumneigung der Menschen, als marginale Konsumquote oder im Englischen als „margin propensity to consume“ verstanden wird. Setzt man die Konsumfunktion in die Definitionsgleichung des BIP ein, so hat man zunächst:

Y = Ca + cY + I + G + NX und (1-c)Y = Ca + I + G + NX

Nimmt man an, dass sich die Investitionen und der Nettoexport zunächst nicht ändern, so hängt die Änderung des aggregierten Nachfrage-, Produktions- und Einkommensniveau ?Y von Gleichgewicht zu Gleichgewicht wie folgt von der Staatsausgabenänderung ?G ab:

?Y = 1 :?G 1-c

Der Multiplikator, von dem hier die Rede ist, beträgt 1/(1-c). Die marginale Konsumquote oder Konsumneigung für Ausgaben aus einer zusätzlichen DM Einkommen wird in Beispielen oft mit 0.75 veranschlagt (von 1DM zusätzlichem Einkommen von 75 Pfennige in den Konsum geben). Eine marginale Konsumquote von 0.75 ergibt einen Multiplikator der Wirkung von Staatsausgabeänderungen von 4 (d.h. jede zusätzliche DM der Staatsausgaben für Güter und Dienste wird sich am Ende vierfach auf die Steigerung des BIP auwirken). Mit „am Ende“ ist die Gesamtwirkung zwischen einem anfänglichen Gleichgewichtsniveau und einem schlussendlichen Gleichgewichtsniveau von Y angesprochen. Die Kumulation der Erst-, Zweit-, und ferneren Folgewirkungen hin zur Gesamtwirkung lässt sich auch im einzelnen darstellen. Wie zuzeiten des „Tableau économique“ von F. Quesnay geschieht dies of mit Reihensummen. Etwa so:

Veränderung Staatsausgaben = 20 Mrd. DM Erste Konsumänderung = 0,75 mal 20 Mrd. DM Zweite Konsumänderung = 0,752 mal 20 Mrd. DM Dritte Konsumänderung = 0,753 mal 20 Mrd. DM …….. Gesamtänderung der Nachfrage = (1 + c+ c2 + c3 +……) ?G

Der Multiplikator 1/(1-c) ist die Summe der Reihe 1 + c+ c2 + c3 +…… Im vorliegenden Beispiel beträgt der Multiplikator also 1/(1-0,75) = 4. Die Steigerung der Staatsnachfrage um 20 Mrd. DM bewirkt also eine Erhöhung der aggregierten Nachfrage um 80 Mrd. DM im neuen Gleichgewicht (komparativ-statische Analyse).

VWL – Zusammenfassung Seite 88

Der Verdrängungseffekt Der Verdrängungseffekt betrifft die mögliche Verdrängung von Privatnachfrage durch Staatsnachfrage. Man bezeichnet den Verdrängungseffekt gelegentlich als „crowding-out effect“. Der Verdrängungseffekt mindert – wenn es ihn gibt – den Multiplikatoreffekt. Die Erhöhung der Staatsausgaben für Güter und Dienste verstärkt zwar multiplikativ die Gesamtnachfrage, sie verursacht jedoch möglicherweise einen Anstieg des Zinsniveaus, durch den die Gesamtnachfrage gedämpft wird. Als Verdrängungseffekt bezeichnet man die Nachfragesenkung, die von einer fiskalpolitisch verursachten Zinssatzsteigerung ausgeht.

Verdrängungseffekt Der Nachfrageausfall, der dem Investitionsrückgang wegen einer Zinssatzsteigerung nach expansiver Fiskalpolitik entspricht.

Erinnern wir uns an das vorherige Beispiel, wo 20 Mrd. DM in eine Firma investiert werden.Wie schon erwähnt wird die Einkommenssteigerung eine grössere Güternachfrage der Haushalte zur Folge haben sowie eine höhere Kassenhaltung. Die von den zusätzlichen Staatsausgaben verursachten Einkommensteigerung wird also die Geldnachfrage erhöhen. Diesen Effekt der Geldnachfragesteigerung sehen wir im ersten Diagramm. Wenn die Zentralnotenbank das Geldangebot unverändert lässt, so haben wir eine unveränderte senkrechte Geldangebotskurve sowie zwei Geldnachfragekurven MD1 und MD2. Mit der Rechtsverschiebung erfolgt gleichzeitig ein Anstieg des Zinssatzes von r1 auf r2.

a) Der Geldmarkt Zinssatz

r2

r1

Geldmenge Angebotsmenge der Zentralnotenbank

Der Zinsanstieg wiederum vermindert die nachgefragte Gütermenge. Insbesondere Wohnungsbau- und unternehmerische Bauinvestitionen gehen zurück. Die Steigerung der Staatsausgaben für Güterkäufe wird also zwar die aggregierte Nachfrage nach Waren und Dienstleitstungen erhöhen, doch wird es dadurch auch zur Verdrängung von privater Investitionsnachfrage kommen. Der Verdrängungseffekt der Staatsnachfrage kompensiert also teilweise die ursprüngliche Multiplikatorwirkung auf die aggregierte Nachfrage. Der ursprüngliche staatliche Nachfragestoss vergrössert zwar die Gesamtnachfrage von AD1 auf AD2, doch fällt im Falle eines Verdrängungseffektes die Gesamtnachfrage auf AD3 zurück.

Geldnachfrage MD2
MD1
VWL – Zusammenfassung Seite 89

b) Die Verschiebung der aggregierten Nachfrage Preisniveau

Produktionsniveau

Wenn die Staatsausgaben für Güter und Dienste um 20 Mrd. DM erhöht werden, so kann die Gesamtnachfrage von mehr oder auch weniger als 20 Mrd. DM ansteigen – je nachdem,.ob Multiplikatoreffekt oder Verdrängungseffekt dominieren.

Veränderung der Steuern Ein weiteres wichtiges Instrument der Fiskalpolitik ist das Niveau der Besteuerung. Mit Steuersenkung vergrössert der Staat die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte. Von den zusätzlichen verfügbaren Einkommensteilen werden die Haushalte einiges sparen, doch wird der überwiegende Teil (man denke an die oben erwähnte marginale Konsumquote von c = 0,75) in zusätzliche Konsumgüternachfrage fliessen. Die aggregierte Nachfragekurve wird deshalb bei Steuersenkungen nach rechts verschoben. Entsprechend wurde eine Steuererhöhung eine Linksverschiebung der aggregierten Nachfragekurve auslösen. Auch die Nachfrageverschiebung aufgrund von Steueränderungen wird erstens vom Multiplikatoreffekt und zweitens vom Verdrängungseffekt bestimmt. Zusätzlich zu Multiplikator- und Verdrängungseffekten gibt es noch einen weiteren wichtigen Bestimmungsgrund der Steueränderung für das Ausmass der Nachfrageänderung.: Die Einschätzung der Haushalte, ob die Steueränderung dauerhaft ist oder vorübergehend bleibt. Nehmen wir z.B. an, es wird ein Steuernachlass von DM 1’000.—verfügt. Bei der Verwendungsentscheidung fragen sich die Haushaltsmitglieder, wie lange diese Einkommenserhöhung wohl andauern wird. Wenn die Haushalte den Steuernachlass für dauerhaft halten, werden sie ihn als einen substanziellen Beitrag zu ihren finanziellen Ressourcen werten und ihre Ausgaben deshalb nachhaltig um einen grossen Betrag erhöhen. Der Steuernachlass entfaltet in diesem Falle eine grosse Nachfragewirkung. Im Gegensatz dazu könnten die Haushalte den Steuernachlass als temporär einschätzen und ihre Ausgaben nur geringfügig anpassen. Ein temporärer Steuernachlass hätte also nur eine bescheidene Wirkung auf die aggregierte Nachfrage.

Aggregierte Nachfrage AD2
AD3
AD1
VWL – Zusammenfassung Seite 90
Einsatz der Geld- und Fiskalpolitik zur Stabilisierung der Volkswirtschaft Für eine aktive Stabilisierungspolitik Die Leitungsgremien der Zentralnotenbanken wissen, dass die Geldpolitik einen erheblichen Einfluss auf die aggregierte Nachfrage ausübt. Sie wissen aber auch, dass es noch andere wichtige Einflussgrössen gibt – einschliesslich fiskalpolitischer Massnahmen. Die Reaktionsweise der Geldpolitik auf fiskalpolitische Veränderungen ist ein Beispiel nur aus einem grösseren Problemkreis: Wirtschaftspolitische Stabilisierung der aggregierten Nachfrage, so dass dadurch auch Produktion und Beschäftigung gesichert sind. Wichtig ist zu beachten, dass der Staat nicht zum Verursacher von Konjunkturschwankungen werden sollte. Folglich wenden sich die meisten Nationalökonomen gegen grosse und plötzliche Änderungen in der Geld- und Fiskalpolitik, da derartige Veränderungen am ehesten zu Wirtschaftsschwankungen führen. Überdies muss die Wirtschaftspolitik ja kompensatorisch auf die ohnehin vorkommenden Wirtschaftsschwankungen reagieren. Ein weiterer anspruchsvoller Grundgedanke lautet, dass die staatliche Wirtschaftspolitik kompensatorisch auf privatwirtschaftliche Impulse reagieren soll. Keynes betont in einem seiner Bücher, dass die Schlüsselrolle der aggregierten Nachfrage für die Erklärung der kurzfristigen Wirtschaftsschwankungen sei. Und er verlangt vom Staat eine aktive Stimulierung der Nachfrage, wenn das Niveau der aggregierten Nachfrage nicht mehr zur Produktionserhaltung auf dem Vollbeschäftigungsniveau reichen sollte. Weiter behauptet Keynes audh, dass die aggregierte Nachfrageschwankungen wegen irrationaler Wellen von Pessimismus und Optimismus beeinflusst wird. Pessimismus führt zu Konsumrückgang, Optimismus zu Konsumzunahme. Grundsätzlich kann der Staat die Fiskalpolitik und die Geldpolitik passend auf Optimismus und Pessimismus abstimmen und damit die aggregierte Nachfrage stabilisieren. Bei sehr grossem Pessimismus wird das Geldangebot durch die Zentralnotenbank ausgeweitet, bei Optimismus verringert. Damit werden Ausschläge nach oben und unten durch antizyklische Massnahmen gedämpft.

Gegen eine aktive Stabilisierungspolitik Viele Nationalökonomen bestehen darauf, dass der Staat keine geld- oder fiskalpolitische Massnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft einsetzt, sondern dass die Wirtschaft von selbst mit kurzfristigen Schwankungen zurechtkommen muss. Die Hauptargumente gegen eine aktive Geld- und Fiskalpolitik setzen bei den erheblichen Wirkungsverzögerungen der Massnahmen in der Praxis an. Die Geldpolitik wirkt über die Veränderung von Zinssätzen, von denen sodann die Investitionsentscheidungen bestimmt werden. Viele Unternehmungen planen bei Investitionen weit im voraus. Deshalb glaubt man, monetäre Massnahmen hätten eine Verzögerung von mindestens sechs Monaten, ehe sie auf Produktion und Beschäftigung wirken. Manchmal können „lags“ auch – ein Problem der empirischen Wirtschaftsforschung für bestimmte Länder und Zeiten – einige Jahre dauern. Die Zentralnotenbank kommt mit ihren Massnahmen oft viel zu spät. Statt konjunkturelle Ausschläge zu beseitigen, werden geldpolitische Massnahmen zu Ursachen für neue Wirtschaftsschwankungen.

Auch die Fiskalpolitik hat Wirkungsverzögerungen. Hier sind die „lags“ aber weitgehen den politischen Entscheidungsprozessen anzulasten. Der gesamte Prozess von der Wahrnehmung der Problemlage bis zur Auszahlung der Beträge dauern viele Monate oder sogar Jahre. So können die fiskalpolitischen Massnahmen schliesslich in einer völlig veränderten Volkswirtschaft wirksam – und damit vielleicht kontraproduktiv – werden.

VWL – Zusammenfassung Seite 91
Das „Lag-Problem“ der Geld- und Fiskalpolitik wird noch dadurch verschlimmert, dass erforderliche Prognosen überaus ungenau sind. Meist können auch die fähigsten Wirschaftspolitiker erst reagieren wenn die Veränderungen oder Schwankungen sichtbar sind.

Automatische Stabilisatoren Man ist sich einig, dass die Wirtschaftspolitik stabiler oder leichter zu stabilisieren wäre, wenn es den wirtschaftspolitischen Fachleuten gelänge, einige der Verzögerungen zu beseitigen oder zu überspielen. Zum Teil ist es mit den automatischen Stabilisatoren gelungen. Dies sind nachfragestützende fiskalpolitische Wirkungen, die ohne eine besondere politische Aktivität „automatisch“ dann eintreten, wenn die Volkswirtschaft in eine Rezession gelangt.

Automatische Nachfragestützende fiskalpol. Wirkungen, die ohne Stabilisatoren besondere Massnahmen jeweils dann eintreten, wenn die Volkswirtschaft in eine Rezession geleitet.

Als Beispiel für autom. Stabilisatoren ist das Steuersystem. Das Steueraufkommen geht dann zurück, wenn Umsätze und Einkünfte in einer Depression zurückgehen. Die automatische Steuersenkung regt die aggregierte Nachfrage an und trägt dadurch zur Milderung des konjunkturellen Abschwungs bei. Die Staatsausgeben wirken ebenfalls als automatische Stabilisatoren. Bei schlechten Zeiten (Rezession) greifen mehr Menschen auf soziale finanzielle Unterstützung (Arbeitslosenversicherung etc.) zurück.

Selbstverständlich sind die autnomischen Stabilisatoren prinzipiell nicht stark genug, um die konjunkturbedingten Ausschläge nach oben und nach unten völlig zu kompensieren (zum Beispiel wird die Arbeitslosenunterstützung nie den vollen Arbeitslohn unterstützen.).Eine Dämpfung der Wirtschaftsschwankungen durch die automatischen Stabilisatoren ist jedoch nicht zu übersehen.

Die Volkswirtschaft auf lange und kurze Sicht Es hat den Anschein, als verfügten wir über zwei Theorien zur Bestimmung des Zinssatzes. Dies stimmt jedoch nicht ganz. Um dies einzusehen, muss man den Unterschied zwischen der kurzfristigen und der langfristigen Entwicklung und Modellierung einer Volkswirtschaft näher betrachten. Drei makroökonomische Variablen sind dabei zentral wichtig: das Produktionsniveau an Waren und Dienstleistungen (Y), der Zinssatz (r ) und das Preisniveau (P). In der Tradition der klassischen Makroökonomik haben wir diese Variablen in den Kapiteln 24, 25 und 28 wie folgt bestimmt: 1. Das Produktionsniveau erklärt sich aus den in einer Volkswirtschaft verfügbaren Produktionsfaktoren Realkapital, Arbeit und Technologie (das Wissen zur Umsetzung der Inputs in Output). 2. Bei jedem beliebigen Produktionsniveau stellt sich der Zinssatz so ein, dass Angebot und Nachfrage nach Geldkapital (Geld für Investitionszwecke) angeglichen werden. 3. Das Preisniveau bewirkt die Übereinstimmung von Geldangebot und Geldnachfrage. Veränderungen des Geldangebots führen zu proportionalen Änderungen des Preisniveaus. Dies sind drei Thesen der klassischen ökonomischen Theorie. Die meisten Nationalökonomen sind überzeugt, dass sich dieser Denkansatz gut dazu eignet, das Funktionieren einer Volkswirtschaft langfristig zu beschreiben.

VWL – Zusammenfassung Seite 92
Für kurzfristige Abläufe der Volkswirtschaft trifft dies nicht zu, da sich zahlreiche Preise nur sehr langsam den Veränderungen des Geldangebots anpassen. Demzufolge kann das globale Preisniveau gar nicht dazu in der Lage sein, kurzfristig Geldangebot und Geldnachfrage anzugleichen.

Wenn man das kurzfristige Funktionieren einer Volkswirtschaft erklären möchte, beschäftigt man sich mit den drei zentralsten Makrovariablen Preisniveau, Zinssatz und Produktionsniveau. 1. Das Preisniveau ist kurzfristig bei einem gegebenen Niveau starr und kaum reagibel bei Veränderungen der volkswirtschaftlichen Lage. 2. Beim gegebenen Preisniveau bringt der Zinssatz Geldangebot und Geldnachfrage ins Gleichgewicht. 3. Das Produktionsniveau passt sich dem veränderlichen aggregierten Nachfrageniveau an, das teilweise vom Zinssatz bestimmt wird, der den Geldmarkt im Gleichgewicht hält.

a) Die lange Frist

b) Die kurze Frist

Wenn man über die langfristigen Bestimmungsgründe des Zinssatzes etwas aussagen will, setzt man am besten bei der im Englischen so genannten „loanable-funds theory“ an und betrachtet die Ersparnisse als Angebot an Geldkapital für Investitionszwecke und die Investitionen als Nachfrage nach Geldkapital für Investitionszwecke. Diese Theorie stellt vorrangig auf die Ersparnisse und die Investitionen einer Volkswirtschaft ab. Ganz anders ist es mit den kurzfristigen Bestimmungsgründen des Zinssatzes, die man zweckmässigerweise mit der Theorie der Liquiditätspräferenz ausgeht. Diese Theorie betont die Wichtigkeit der Geldpolitik.

Einige Formeln zur kurzfristigen und langfristigen Analyse Angebot und Nachfrage auf dem Geldmarkt kann mit mit folgender Gleichung erfassen:

M = L( r)P

M bezeichnet das Geldangebot, P das Preisniveau und r den Zinssatz. Mit L( r) ist die Abhängigkeit der Geldnachfrage vom Zinssatz angesprochen. Nach der Gleichgewichtsbedingung Geldangebot (M) gleich Geldnachfrage (L) wird die Formel auch
Produktionsniveau ist durch Faktor- angebot und Technologie fixiert.
Preisniveau gleich Geldangebot und Geldnachfrage an.
Zinssatz bringt Angebot und Nachfrage nach Geldkapital zur Übereinstimmung
Preisniveau ist vorgegeben (starr).
Produktionsniveau passt sich der aggregierten Nachfrage an.
Zinssatz bring Geldangebot und Geldnachfrage zur Übereinstimmung.
VWL – Zusammenfassung Seite 93
als LM-Funktion bezeichnet. Explizit für diskrete Spezifikationen und zum Zwecke der graphischen Darstellung im r-Y-Koordinatensystem findet man in den Lehrbüchern zumeist R = r(Y,P,M) mit positivem Einfluss von Y und P und mit negativem Einfluss von M. Angebot und Nachfrage auf dem Gütermarkt werden mit folgender Gleichung erfasst:

Y = C + I ( r) + G

(Y = Produktionsniveau, C = privater Konsum, I = unternehmerische Investitionen)

Die volkswirtschaftliche Ersparnis einer Periode, Y -C-G, repräsentiert das Angebot an Geldkapital für Investitionszwecke und die zinsabhängige Investition, I (r ) stellt die Nachfrage nach Geldkapital für Investitionszwecke dar. Man spricht von der IS-Funktion und formuliert sie für zeichnerische Darstellungen im r -Y-Koordinatensystem mit r=r(Y) mit negativem Einfluss von Y. Die IS- und die LM-Funktion zusammen beschreiben zwei funktionale Zusammenhänge der am Anfang erwähnten drei Variablen: Produktionsniveau A, Zinssatz r und Preisniveau P. Für langfristige und kurzfristige Betrachtungen müssen die Bedingungen des Geldmarkt- und des Gütermarktgleichgewichts erfüllt sein. Es bewegen sich jedoch auf lange Sicht und auf kurze Sicht unterschiedliche Variablen, um das Gesamtgleichgewicht zu sichern. Dies sind die Unterschiede: ?? Langfristig wird Y von den Produktionsfaktoren und der Technologie festgelegt. Zum fixen Y passend stellt sich der Zinssatz r für die Erfüllung der IS-Funktion ein. Bei diesem Zinssatz wiederum ergibt sich ein Preisniveau P zur Erfüllung der LMFunktion. ?? Kurzfristig bleibt P auf dem historischen Niveau starr. Zum fixen P passend stellt sich der Zinssatz r für die Erfüllung der LM-Funktion ein. Bei diesem Zinssatz wiederum ergibt sich ein Produktionsniveau Y zur Erfüllung der IS-Funktion. Die Langfristversion entspricht der Analyse in den Kapiteln 24, 25 und 28. Die Kurzfristversion passt zur geld- und fiskalpolitischen Analyse des vorliegenden Kapitels.

Über Manulia

Manulia ist ein künstlerisches Team, dass neben der Herstellung und Reparatur von Fahrrädern auch andere Alltagsgegenstände fertigt. Manulia nutzt Glas und Metall, Reste, Schrott oder Verpackungsmüll, saniert und verbaut diese unter anderem in einzigartigen Leuchten und Schmuck. Nach dem Mitwirken in der amerikanisch- chinesischen Produktion von “Gasp” und mehreren veröffentlichten Romanen, tourte 2011 ein Teil des Manulia-Fliesen-Kunstwerkes durch Europa und nach Südamerika. Nebenbei organisiert Manulia kleinere Open-Air-Events.
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