Ziellos… 4. Kapitel, Goldregen

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4. Goldregen

Müde und mit hängenden Augen verlässt Richard kurz nach sechs das Schlafzimmer, haucht mir ein:

Good morning, mein Engel.“ entgegen und schwankt ins Badezimmer. Von da an erkundige ich mich im zehn Minuten Takt, ob er bald fertig sei, weil ich befürchte, dass zum Frühstücken keine Zeit mehr bleibt.
Verzweifelt rufe ich durch die Badtür:

Wenn du nicht gleich rauskommst, brauchst du gar nicht mehr rauszukommen!“ Sofort beginnt Richard mir inbrünstig aus der Wanne heraus zu erklären, dass er sich ändern wird und mich doch über alles liebt. Der Student im oberen Bad unterbricht uns mit einem wütendem:
„Schnauze da unten!“, worauf sich Richard und ich sofort gegen den Nachbarn verbünden und zeitgleich darauf hinweisen, dass wir ja auch gerne mal hoch kommen können, wenn es ein Problem gibt. Der Feind schweigt, wahrscheinlich völlig verdattert auf dem Klo sitzend.

Nach einer Weile sehe ich auf die Uhr über der Tür und stelle jammernd fest:

Du musst gleich los. Bist du fertig?“ Ich bekomme die gleiche Antwort:

Ja, gleich, mein Schatz!“ Das wiederholt sich, bis er los muss, dann schreie ich, genervt, dass Richard sich nicht beeilt hat:

Du musst gehen, Engel! Du kommst noch zu spät!“ Engel kommt augenblicklich aus dem Bad gestürzt und entschuldigt sich, dass er nicht schneller war. Recht heftig gebe ich zurück:

Hör auf dich zu entschuldigen und geh einfach!“

Jetzt bin ich ein Dezibel zu laut gewesen und der Typ,der über uns wohnt, brüllt:

Ruhe, Alte! Guck mal auf die Uhr!“ Ich kichere und kann Richard gerade so bremsen; er will natürlich meine Ehre verteidigen und dem Typen da oben mal gehörig zeigen, was ein linker Haken ist.

Richard schließt das Küchenfenster, um weitere Zwischenfälle zu vermeiden. Als er mich leidenschaftlich küsst, übersieht er den Cappuccino in meiner Hand und warmer Kaffee kleckert über mich. Lachend will er mir aus meinem durchweichten Shirt helfen, wogegen ich mich albern verteidige.

Er schlüpft in Jacke und Schuhe, nimmt noch einen kräftigen Schluck aus dem Becher, den ich ihm entgegen halte, greift nach seinem Rucksack und ist nach einem langen Kuss verschwunden. Vor der verschlossenen Wohnungstür stehe ich im Flur, die Cappuccinotasse in der Hand.

Super.“, sage ich sarkastisch zum vollen Brotkorb. Daniel schläft, wie ein Stein, aber ich will ihn unbedingt wecken. Ich poltere anhaltend in der Küche.

Weil Hagen schon weg ist, brauche ich mir um ihn keine Gedanken zu machen. Der ist deshalb so früh auf, weil er noch gar nicht im Bett war und zum Schlafen woanders hin fährt, weil es ihm hier tagsüber zu laut ist. Als sich nichts tut, lasse ich entmutigt die Schultern hängen.

Ulrike schaufelt sich neben mir geräuschvoll durchs Wasser, wodurch ich Philips Schlange entdecke. Sie hat es sich auf der obersten, trockenen Wölbung des Durchgangsrohres bequem gemacht, ihr Hals ist dick und aus dem Maul guckt ein Fischschwanz. Ich befürchte, sie hat einen Wels gefressen. Von denen hat Philip nichts erwähnt, bei der Erläuterung ihres Speiseplanes. Daniels Traum von einem in sich selbstständigen Ökosystem wäre somit dahin. Ob er noch lebt, wenn ich ihn einfach wieder herausziehe? Die Natter verärgern möchte ich wiederum auch nicht. Da öffnet sich Daniels Tür.

Morgen, brauchst nicht traurig sein, kannst mit mir frühstücken.“, lacht er, der heut um den Kopf wie Tingeltangel Bob aussieht. Fröhlich klopft er mir auf die Schulter und setzt sich verschlafen. Bevor ich den aufgefressenen Wels erwähnen kann, sagt er:

Das soll wettermäßig die letzte gute Woche werden, wir sollten morgen nach Rostock fahren, bevor es zu herbstlich wird. Macht dann mit dem Zelt keinen Spaß mehr. Alex kommt mit seinem Auto, Sebastian und Clarice wussten es noch nicht genau und ansonsten sind es wir, Richard und Hagen. Ich hoffe, wir werden ein richtig großer Haufen!“ Nickend hoffe ich das Gleiche.
„Ich hatte Maria und meine Kollegin eingeladen, keine Ahnung, ob sie kommt. hör mich noch mal um. Wie viele können denn mit? Und wann soll es losgehen?“ Daniel zählt mit sich hebenden Fingern vor, dass Alex noch Platz für zwei weitere Fahrgäste hat und in seinen Bus mit Fahrer neun Leute reinpassen.

Am liebsten würde ich echt heute losfahren, aber das ist wohl ein bisschen kurzfristig. Spätestens übermorgen sollten wir los, sonst lohnt es sich nicht, weiste.“

Okay, dann fahren wir morgen.“, beschließe ich und Daniel lächelt mich zustimmend an.

Es braucht auch keiner ein Zelt mitbringen, ich hab mehrere in der Dachbox. Man kann sogar zu Viert auf der Liegefläche im Bulli schlafen, für die, die keinen Schlafsack haben.“, sagt er und beißt in seine Brotscheibe.

Ein Blick auf die Uhr zwingt mich zum schnellen Aufspringen.

Mist, ich muss zur Arbeit! Reden wir nachher weiter.“ Daniel nickt entspannt. Ich beneide ihn, dass er sich nie zu hetzen braucht, weil sein Arbeitsplatz in seinem Schlafzimmer ist und rede mir ein, dass mir das viel zu langweilig wäre.

Wenig später stehe ich vor der Videothek, doch die Schiebetür öffnet sich nicht. Unsicher überprüfe ich die Uhrzeit, doch es ist eindeutig schon nach neun. Ich stelle mich wartend neben den Aschenkübel, an dem ich das Rad angeschlossen habe und beobachte den Fußweg. Ein Passant, mit den blauen Hüllen der Leih­medien in der Hand, kommt auf mich zu und läuft ge­gen die gläserne Eingangstür. Überrascht fragt er mich:

Habt ihr noch nicht offen?“ Ich zucke entschuldigend mit einer Schulter und bitte um einen Moment Geduld. Um die Wartezeit zu verkürzen, frage ich ihn, was er sich angesehen hat, doch seine störrische Art, die Stirn zu runzeln, sagt mir, dass es keine Filme waren, die er weiterempfehlen möchte. Zum Glück eilt Anke in diesem Moment auf uns zu, strahlt den Kunden ver­söhnlich an und schließt die Tür auf. Der Mann streckt provokativ den Arm nach vorn, dass der Ärmel seiner Strickjacke nach oben rutscht, dann winkelt er seinen Arm ruckartig an und wirft einen hochmütigen Blick auf seine Rolex halb und halb, die im Sonnenlicht blendend glänzt. Anke nimmt diese vorwurfsvolle Szene gelassen und bittet den Herrn mit einer galanten Armbewegung um Eintritt. Ich verdrehe die Augen und folge den Beiden. Da Anke den Kunden bedient, gehe ich zum Wasserholen in den Keller.

Während sich gemächlich der Eimer, der unter dem Wasserhahn klemmt, füllt und eine Schaumkrone bekommt, tippe ich mit flinken Fingern eine Kurzmitteilung an Tanja und Maria in mein Handy, mit der Frage, ob sie morgen mit nach Rostock kommen. Zur Feier des letzten Tages meide ich die Pornoabteilung, die mich nur noch an Zwangsprostitution erinnert, seit mir Clarice klar gemacht hat, dass es so was in Berlin wirklich gibt. Ich wünschte, die Polizei würde das Problem mit einer ganzen Armee von Ermittlern bekämpfen, bis alle gerettet sind, denn was soll sonst aus ihnen werden? Noch mehr Gewalttäter?

In der nächsten Stunde reinige ich akribisch das Büro, DVD-Regale, den gesamten Tresenbereich, indem ich Anke hin und herscheuche, und die Fußböden. Damit will ich erreichen, dass man in ein paar Tagen die tolle Putzfrau vermisst. Bei den Horrorfilmen halte ich die Augen auf den Wischer gerichtet, zu viele Sargdeckel zieren die Cover. Ich habe sowieso schon Alpträume, weil Dirk gesagt hat, das Leichen immer wieder hochkommen.
Erschöpft lehne ich mich an die Theke und frage meine Kollegin, die gerade herzhaft gähnt:

Daniel will morgen nach Rostock fahren. Meinst du, du bekommst so kurzfristig frei?“ Anke klopft auf das Hartplastik des Tresens und betont:

Das will ich hoffen! Ich brauche super dringend ein paar freie Tage. Endlich mal wieder ausschlafen und was anderes machen, als hinter der Kasse zu stehen… Das lasse ich mir nicht entgehen. Im Notfall lasse ich mich krankschreiben.“ Irgendeine Nummer in das Telefon eintippend versichert Anke:

Meine Ärztin is mit so was total großzügig…“ Sie unterbricht sich, denn der, dessen Nummer sie ge­wählt hat, hebt ab und Anke begrüßt fröhlich:

Morgen, Lydia, hab ich dich geweckt? Nee? Sehr gut, ich muss dich um einen Gefallen bitten! Kannst du meine Schicht übernehmen?“ Ich verstehe die Antwort nicht, aber Ankes zufriedenes Lächeln deutet auf eine Zusage hin. Sie legt auf und teilt mir schelmisch mit:

Das hätten wir. Lydia hat bald ´ne OP, da muss ich dann ihre Schichten übernehmen. Und Gernot hat gerade einen Monat Urlaub, weil er drei Monate auf Montage in Dänemark war, der leistet ihr solange Gesellschaft.“ Ich nicke begeistert und verkünde:

Dann steht unserem Urlaub ja nichts mehr im Wege! Das muss ich gleich Daniel erzählen! Ach so, bringst du noch jemanden mit?“ Mit zerknirschten Gesicht nuschelt Anke:

Nö, natürlich nicht.“

Was ist denn aus deinem Muskelpaket geworden?“, frage ich neugierig.

Was soll ich sagen. Der Pisser ’nen total kleinen Schwanz und hat das durch nichts kompensiert.“

Dann erkundige ich mich:

Weißt du, was du einpacken wirst? Ich meine, was ist eigentlich angemessen für eine Woche Zelten?“ Anke meint, wir sollten jeder eine Reisetasche füllen, ein Rucksack sei zu wenig zum campen. Voll Vorfreude verabschiede ich mich von ihr, weil ich von unserem Gespräch so richtig Lust bekommen habe, zu packen.

Auf den Stufen vor der Videothek sitzt Philip in einem Sommerkleid mit Kirschdruck und steht auf, als er mich sieht. Ich vermute, dass er seine Schlange abho­len will und frage ahnungslos:

Na, wie geht es dir?“. Ohne mit der Wimper zu zu­cken, sagt Philip gerade heraus:

Du wolltest mir doch helfen, eine Sportbefreiung zu kriegen!“ Er klärt mich auf, dass in einigen Wochen die Ferien zu Ende sind. Ich habe inzwischen bereut, ihn als Mädchen angemeldet zu haben und versuche ihn zu überzeugen, statt einer Sportbefreiung besser eine neue Schulanmeldung auf seinen richtigen Na­men zu machen.

Du kannst nicht als Veronika zur Schule gehen, in ein paar Jahren fällt das doch auf. Was hältst du davon, wenn wir zum Friseur gehen, danach ein paar schicke Jungsklamotten kaufen und ich melde dich in nem Fußballverein an.“, aber sein kleines Gesicht zieht sich zornig zusammen und ich füge beschwichtigend an: Es muss kein Fußballverein sein.“

Kopfschüttelnd klagt Philip mich an. Du bist eine beschissene Freundin, Linda.“, dreht sich um und rennt los.

Warte!“, rufe ich und versuche ihn aufzuhalten, trotz misstrauischer Blicke zweier Omis, welche, auf die Fenstersimse des gegenüberliegenden Hauses gestützt, die Straße observieren. Philip bleibt stehen und blickt missmutig zu mir auf.

Hast du eine Krankenversicherungskarte?“, frage ich ihn einlenkend und er meint, seine Tante müsse die haben. Deshalb stehen wir nach einer nervenaufrei­benden Straßenbahnfahrt, bei der ich jede Station einen Kontrolleur befürchtete, vor Clarices Bordell.

Gehen wir hinten rein.“, klärt mich Philip über seinen Plan auf, kurz bevor er zwischen den Gitterstäben eines Einfahrttores hindurch schlüpft, über dessen spitze Zacken ich nun klettern muss. Auf der anderen Seite versperrt Wäsche die Sicht. Die von der Hauswand gespannten Leinen sind voll behangen. Unter den Laken und Handtüchern hindurch, auf dem brüchigen Beton, der von unzähligen Grasbüscheln übersäht ist, erwische ich Philips Füße, wie sie nach rechts davonlaufen.

Aus den geöffneten Fenstern in der Mauer des Nachbargrundstückes dringt das Geräusch eines Staubsaugers und das Aroma von Eintopf weht herunter.

Ich folge Philip die Kellertreppe hinunter. Es gibt weder Tisch noch Stuhl, nur ein feines Halstuch liegt neben dem Kopfende einer Matratze auf dem Boden flach ausgebreitet und darauf steht ein kleiner Plastikwecker neben einer Lampe.

Willkommen in meiner bescheidenen Behausung!“, tönt Philip mit verstellter Stimme.

Die ist wirklich bescheiden.“, rutscht mir raus.
„Na ja, ich muss mich doch verstecken.“, erklärt er. „Vor wem musst du dich verstecken? Vor deinem Vater?“

Ich glaube schon, zumindest sagt meine Tante das.“

Wie seid ihr denn zu diesem schönen Haus gekommen?“; will ich nun auch noch wissen, aber Philip kneift die Lippen zusammen, bis sie ganz weiß werden.
„Schon gut.“, sage ich versöhnlich. Dann setzt er sich dicht neben mich, berichtet mir von seinem Schatz und flüstert:

Darüber, woher mein Schatz kommt, darf ich auf keinen Fall reden.“

Na ich denke mal, ihr werdet ihn wohl deinem Vater abgenommen haben.“, ich grinse verschmitzt und finde die ganze Sache ungeheuer aufregend. Er schweigt dazu und ich frage:

Ist deine Tante zu Hause?“, was Philip verneint.
„Ich hol schnell die Karte, warte hier auf mich!“, sagt er und stapft geschwind eine schmale Stiege nach oben, wo er durch eine Brettertür verschwindet. Entgegen seiner Anweisung folge ich ihm. Der Teppich ist bei Tage tatsächlich dunkelgrün. Doch wo ist der Rest? Eine große weiße Leinwand hängt im Raum, nur die Bar, zwei der Sessel und die breite Treppe nach oben erinnern an das Ambiente, das ich hier neulich mit Tanja erlebt hatte. Hinter der Leinwand starren mich unglamouröse Backsteinwände an, es sieht ähnlich heruntergekommen aus, wie im Schlachthof.
Die Bar ist leer, keine einzige Flasche weist darauf hin, dass hier kürzlich noch etwas ausgeschenkt wurde. Lediglich ein leichter Geruch von kaltem Zi­garrenrauch und dieser medizinischen Note ist noch da. Zu gern hätte ich mich oben umgesehen, habe aber Angst, erwischt zu werden und gehe zurück in den Keller. Gleich nach mir steigt Philip die Stiege hinunter, scheint aber von meiner Tour nichts bemerkt zu haben und wir gehen auf demselben Weg, den wir gekommen sind.

Ein paar Häuser weiter muss Philip auf die Toilette und lenkt mich von meinen Überlegungen ab, ob das Bordell pleite gegangen sein mag. Ich frage ihn, warum ihm das nicht früher eingefallen ist; zur Antwort guckt er so wehleidig, dass ich mich lieber schnell nach einem geeigneten Klo umsehe. In einem noblen Restaurant findet sich ein stilles Örtchen, inklusive eines grimmig guckenden Kellners. Auch um diesen zu beschwichtigen, bestelle ich zur Stärkung einen lecker gegrillten Fleischspieß.

Erstaunlicherweise stoßen wir gleich zwei Hauseingänge weiter auf die Arztpraxis einer Schweizerin, die sich in einer großen Altberliner Wohnung befindet.

Das Wartezimmer ist eingerichtet, wie ein großmütterliches Wohnzimmer und bis unter die hohe Decke schmücken kleine Bilder einheimischer Künstler die Wände. Hinter dem Empfangstresen sitzt eine rundliche Helferin und nimmt Philips Krankenkarte, auf der Veronika steht, und eine Gebühr von zehn Euro für das Benutzen der Praxis entgegen. Sofort kommt aus einer offenen Glastür im fliegenden weißen Kittel die Doktorin heran geeilt und begrüßt uns mit drolligem Dialekt.

Ich bekomme einen Kaffee vor die Nase gestellt und Philip einen Lutscher in den Mund gesteckt. Irgendwie bin ich ja froh, nicht wegen einer echten Krankheit hier zu sein. Die Ärztin plaudert munter drauf los, dass sie und ihr Mann bald in die Schweiz zurückkehren, weil die Miete zu teuer wird und sie auf jeden Patienten draufzahlt, wobei ich schuldbewusst auf meinen Kaffee schiele. Die Sportbefreiung stellt sie ganz ohne Untersuchung aus, schlägt dann aber noch eine Impfung für Philip vor, die bei allen Kindern in diesem Alter gemacht werden müsste. Ich denke an ein Stück Zucker oder eine Spritze in den Arm, aber sie soll in die Pobacke. Spätestens jetzt müsste der guten Frau Doktor auffallen, dass mit Veronika etwas nicht stimmt, als Philip breit grinsend mit dem Oberkörper auf der Liege liegt, mit den Füßen auf dem Boden steht und sein Hinterteil entblößt. Die Kanüle der Spritze verschwindet mit einem ekligen Geräusch in der Haut und entleert den Impfstoff, doch die Ärztin plappert weiter und verzieht keine Miene. Tapfer kleidet sich Philip an und wir verlassen mit einer Sportbefreiung für sechs Monate in der Tasche die Praxis.

Da Philip zum Einpacken nicht viel besitzt, gehen wir zu mir. Vor meiner Wohnungstür bemerke ich, dass ich keinen Schlüssel dabei habe. Ich habe noch nie meinen Schlüssel vergessen, weit bin ich nicht mehr von dem Schraubenzieher als Schlüsselersatz entfernt. Kurz denke ich an die tote Carmen, bevor ich auf die Klingel drücke und warte. Irgendwann sagt Philip ne­ben mir:

Ich glaube, es ist niemand zu Hause.“ Ich reali­siere, dass er wohl Recht hat.

Wir gehen wieder hinunter und in den Zeitungsladen am Straßenende, wo ich uns zwei Eis und statt dem Stellen- diesmal den Immobilienmarkt der Zweiten Hand kaufe. Um die Zeit, bis wir Daniel oder Hagen nach Hause kommen sinnvoll zu nutzen, vereinbare ich telefonisch ein paar Besichtigungstermine, worauf wir aufbrechen und ich mit dem leicht zu begeistern­den Jungen den ersten Termin in einem bunt bemalten Plattenbau am Ostbahnhof wahrnehme. Wir fahren gar nicht erst nach oben, nachdem ich das Haus gesehen habe. Dadurch müssen wir zum zweiten Besichti­gungsort nicht hetzen und weil er nie satt ist, kaufen wir Palmini, das russische Pandon zur Blätterteigta­sche. Mir fällt keine Frage ein, bei der ich mein Herumschnüffeln nicht verraten würde, aber ich will wissen, warum es bei Clarice aussieht, als ob sie ausgezogen wäre und erkundige mich beiläufig danach, wie es ihr geht und was sie so macht. Philip zuckt mit den Schultern und antwortet kurz angebunden:

Gut.“ Obwohl mich diese Antwort nicht weiterbringt, belasse ich es dabei.

Zur Verdauung und Philips Vergnügen fahren wir am Franz-Mehring-Platz im Verlagshaus ‚Neues Deutsch­land’, vor dem hinter der Franz-Mehring-Büste in Bronze Käthe Kollwitz steht, ein paar Runden mit dem Paternoster, aus dem galant die Geschäftsleute ein- und aussteigen. Nachdem wir anschließend die gelben Glasbauten des Wriezener Karrees durchquert haben, kommen wir dem richtigen Hauseingang ent­gegen und es steht eine Traube wartender Leute davor.

Ist das ihre Tochter?“, fragt mich augenblicklich eine rundliche Frau mit dümmlichen Gesichtsausdruck. Unehrlich nicke ich stolz. Sie erzählt gutmütig:

Die sollten Sie zu Besichtungen besser nicht mitbrin­gen, dann haben Sie mehr Chancen. Ach, ich hab ja selbst drei Kinder und es ist so schwer eine Wohnung für meinen Ältesten zu bekommen, weil die wegen Hartz IV nicht über vierhundert Euro kosten darf.“ Ich gehe arbeiten, seit ich alt genug dafür bin und konnte für die Miete nie mehr als vierhundert zahlen, weshalb es mich sauer macht, dass dieser Arbeitslose soviel Wohngeld zur Verfügung hat und seine Mutter mir seinetwegen jetzt diese Wohnung wegschnappen wird.

Wie bitte? Warum lassen Sie den das nicht selbst machen? Und der kann doch arbeiten gehen.“, sage ich mit vorwurfsvollen Unterton, dass sich die Frau beschämt abwendet und mir mein Vorwurf leid tut.

Vor dem Haus ist ein Springbrunnen und auch Philip meint:
„Ist schön hier.“, bevor wir nach drinnen gehen und von einem Makler namens Fröhlich renovierungsbedürftige, dreckige Wohnungen gezeigt bekommen; das ganze Haus steht leer. Wie eine Büffelherde stampfen die Suchenden Herrn Fröhlich hinterher und ich fühle mich unwohl. Jeder latscht durch jedes Zimmer und gibt seine Kommentare ab, als ob wir hier zu Zehnt einziehen wollten. Abgesehen davon würde für diese Wohnungen nicht mal ein Punk Miete bezahlen; in der Kloschüssel klebt noch der eingetrocknete Haufen des Vorgängers, weshalb Philip und ich sehr schnell das Weite suchen. Frechheit, dafür will der Mann noch Provision kassieren! Der dritte Termin entfällt, weil der Vermieter mich versetzt und beim vierten Versuch stimmt von der Lage, bis zum Balkon alles, aber der derzeitige Inhaber will tausendsechshundert Euro Ablöse für die Einbauküche haben. Soviel habe ich nicht, worauf ich, den Tränen nahe, Philips Hand nehme und erhobenen Hauptes die Treppe hinunter schreite.

Entgegen anderer Kinder, die schnell müde Füße bekommen, fragt Philip ungeduldig, wo es jetzt lang geht. Die letzte Verabredung einzuhalten, habe ich keine Lust mehr, aber mein junger Begleiter überredet mich, diese Wohnung auch noch anzusehen. Endlich stehen wir vor dem frisch sanierten Altbau, in dem das Teuerste von den für mich ausgesuchten Objekten wartet. Der Eingang, an dem die schwarze Hausnummer auf einem Chrom verzierten Glasquadrat geschrieben steht, erscheint mir gleich zu schick für mich und im Treppenhaus wird schnell klar: Die Konkurrenz ist groß und hier hat die gleiche Geschichte stattgefunden, wie in dem Haus, aus dem ich ausziehen muss. Vielleicht hatte sich hier auch jemand erhenkt. Allerdings trifft das zeitbedingt auf so ziemlich jede Berliner Altbauwohnung zu.

Manchmal, im Winter, wenn alle Öfen in unsere Wohnung angeheizt waren, es durch die undichten Fenster zog, das Wasser in den Leitungen vor dem Gefrieren bewahrt werden musste, uns die Asche um die Nase flog, die beim aus der Luke kehren oder von einem sich im Schlot verfangenen Windstoßes aufgewirbelt wurde und das Tauwasser vom Dach durch die Decke tropfte, haben wir der Arbeiterfamilien gedacht, die vor uns in dem Haus gelebt haben musste, das bis in den Keller voll vermietet war. Die hatten nicht mal einen Heizölradiator für die Steckdose und mich stört schon, wenn die Steckdosen nicht fest in der Wand ist.

Ich war von der Kaltmiete ausgegangen, die in der Zeitung stand, und bereits über dem Budget gelegen hatte, aber warm soll das Ganze, also die sechsunddreißig Quadratmeter, knapp das Doppelte kosten.

Aus der Wohnung darüber ist Getrampel zu hören, da wäre eine Trittschalldämmung nicht verkehrt gewesen und ich beschließe, lieber nach einer Dachgeschosswohnung Ausschau zu halten.

Einer der Interessenten ist Rettungssanitäter und bereits in ein Gespräch mit dem Vermieter vertieft; ich schätze, der Mann hat das Ding im Sack. Allerdings verstehe ich nicht, warum überhaupt jemand so blöd sein sollte, für eine Einzimmerwohnung ohne Balkon und Wanne genauso viel zu bezahlen, wie für eine Zweizimmerwohnung mit komplettem Bad und Einbauküche in einem anderen Bezirk. Und eigentlich will ich auch überhaupt nicht umziehen.

Weil wir in der Nähe der Werkstatt von Mötörön sind und ich hoffe, dort jemanden anzutreffen, der mir sagen kann, ob der Job für mich steht, schlendern Philip dorthin. Die Pforte wird von Ömer aufgerissen, der uns freudig begrüßt. Er gibt sich augenblicklich als kinderlieb aus und verschwindet mit dem langhaarigen Philip, dem er eine Messuhr in die Hand drückt, an der Werkbank.

Der Parkur schmort verlassen in der erbarmungslosen Hitze und Richards Fahrrad lehnt am mittleren Eingangstor des Betriebsgebäudes. Ich betrete die Halle hinter den Beiden und sehe mich nach weiteren Anwesenden um.

An einem überladenen Tisch, der aus zwei klappbaren Malerböcken und einer darüber gelegten Tür besteht, sitzen Richard und Öner über irgendwelchen Akten. Als sie mich bemerken, springt Richard auf, küsst mich und Öner streckt mir die Hand entgegen. Ein Stuhl ist schnell herbei getragen und ich lausche um Interesse bemüht den Bestellungsbeschlüssen der beiden Werkstattinhaber. Es soll dem Laden an nichts fehlen und so muss von allem etwas ausgesucht werden, wie Fahrradspeichennippel in Leuchtfarben oder hochwertige Scheibenbremsen. Außerdem bauen sie aus den restlichen Teilen der alten Räder Möbel und Lampen, die großen Anklang finden. Richard meint, es müsse mehrere Schweißgeräte geben, damit die Kunden diese benutzen könnten und für eine Versorgung mit Getränken und kleinem Imbiss wäre im hinteren Bereich noch Platz.

Ich würde zu gern in diesem Moment Dirk davon erzählen. Aber mein Handy zeigt noch immer nix von Dirk an, weshalb ich allmählich beginne, mich um sein Wohlergehen zu sorgen. Ob es noch zu früh für eine Vermisstenanzeige ist?

Richard erkundigt sich soeben:

Bist du sicher, dass wir die ganzen Messgeräte brauchen?“ Überzeugt nickt Öner und Ömer unterstützt ihn von der Werkbank aus, wo er Philip, der Beine baumelnd auf der Arbeitsplatte sitzt, irgendetwas erklärt. Öner dreht unablässig an dem Silberring um seinen Daumen, während er mir was von Parallelendmaß und einem Anschlagwinkel erzählt, also geselle ich mich zu Ömer und Philip, die ein zwischen den Schraubstockbacken klemmendes Metallstück bearbeiten, wozu Ömer gewissenhaft kommentiert, dass das Werkzeug in seiner Hand eine Reibahle ist und die Bohrung, die er damit glättet, Nut heißt. Philip kurbelt den Schraubstock auseinander, spannt das zweite Metallstück ein und bearbeitet die Feder, bis Özlem ein gut vernehmbares:

Hi, ühr Muschüs!“, in den Raum schmettert. Wir brechen unsere Tätigkeiten ab, um ihr nach draußen zu folgen, weil sie uns etwas zeigen will.

Langsam schiebt Özlem ein überdachtes Fahrzeug heran, welches leichfüßig auf vier Fahrradreifen dahinrollt und mit einem Ratschen der seitlich angebrachten Handbremse von ihr zum stehen gebracht wird. Sie schwingt sich vor unseren Augen auf den Bock zwischen Lenkstange und Überdachung, wo sie in die Pedalen tritt; rasselnd drehen sich alle Ketten und das Vehikel rasant auf dem Parkur im Kreis. In einem Ansturm von Verzückung applaudieren wir, jeder auf seine Art mit hohler oder flacher Hand, schnell, langsam, sanft oder kräftig, bis Özlem sich verlegen errötend mit der Ausrede zurückzieht, an dem Gefährt sei noch was zu machen. Richard begleitet sie, was ich einerseits wohlwollend, andererseits um meine Stellung bei ihm besorgt, beobachte. Öner informiert mich über weitere anstehende Aufgaben für mich; dass, sobald Daniel die Website fertig hat, jemand die Bestellungen bearbeiten und in der Zwischenzeit beim Aufbau neuer Regale helfen müsse, sowie für die Werbung auch noch Ideen gebraucht würden. In Anbetracht der vielen Arbeit schäme ich mich, morgen erstmal Campen fahren zu wollen. Außerdem fragt er mich leise, ob Veronika, also Philip, wirklich ein Mädchen ist und ich kichere nur, weil ich nicht weiß, was Philip dazu sagen würde, wenn ich sein Geheimnis überall ausplaudere und ich habe schon Daniel eingeweiht. Es riecht nach Motorenöl und Benzin, bis eine bittere Note die beiden Gerüche überlagert.

Verschlafen zieht Sebastian sein Rolltor zur Seite und streckt sich gähnend der frühen Abendsonne entgegen. Hinter ihm ist die künstliche Beleuchtung seiner Pflanzen zu erkennen und mitten aus dem Grün ragt eine Stützstange heraus und hält das morsche Dach. Da klingelt es wild und Sebastian rettet sich nur durch einen flott vollführten Sprung zurück vor dem Überfahren durch Özlems Gefährt, auf welchem diesmal Philip mit strahlendem Gesicht thront.

Philip kommt zu mir, er hat von dem Campingausflug an die Ostsee gehört und möchte mitkommen. Schweren Herzens erkläre ich ihm, dass ich ihn gerne dabei hätte, aber doch erst Clarice gefragt hätte werden müssen und dazu noch ein kleines finanzielles Problem kommt. Da ich genau diese Wortwahl benutzt habe, bin ich überrascht, von Philip zu hören:

Über das Geld mach dir keine Sorgen und wenn du es erlaubst, überrede ich meine Tante schon selbst. Seit wir aus Russland weg sind, war Papa nicht mehr mit mir zum Fischen.“

Mit acht Jahren kannte ich das Wort ‚finanziell’ sicher nicht und von Problemen solcher Art hatte ich erst recht keine Ahnung, man hatte höchstens mal nicht genug Mark, um einen Farbfernseher zu kaufen, aber meistens war es andersherum: Geld war genug da, aber nichts, was man hätte dafür kriegen können und alles andere kostete nen Appel und ein Ei. Gut, die Zeiten sind vorbei und ich habe sowieso nie im Keller eines Bordells gelebt, sondern auf dem extra von Opa für mich ausgebauten Dachboden. Und weil ich in Auerbach angeln durfte, soviel ich wollte, will ich das Gleiche auch für Philip.

Ich nicke zustimmend und erfreut; ich hoffe sehr, dass Clarice es ihm erlauben wird. Dann wackelt er an einem Backenzahn in seinem Mund und zieht diesen blutig heraus.

Guck mal!“, zeigt er mir seine Beute stolz und ich staune angebracht bewundernd, kurz bevor er den Milchzahn in seiner Brusttasche verschwinden lässt.

„Wir müssen das Geld noch holen!“, teilt mir mein kleiner Freund daraufhin geheimnistuerisch mit. Hätte er gleich gesagt, dass sein Schatz aus Geld besteht, wäre ich ihm schon eher gefolgt. Da ich noch packen muss, verabschieden wir uns eilig und ich habe es nicht leicht, mit Philip Schritt zu halten.

Die Seite des benachbarten Gemäuers ist mit weißen Fließen versehen, die man in Küchen oder Bädern benutzt und in schwindelerregender Höhe steht eine zweiflüglige Tür offen, die in den Abgrund führt. Die rostigen Stahlpfeiler enden im Grün. Wir, das heißt, ich quetsche mich durch den Zaun, Philip passt einfach hindurch.

Nachdem wir durch brusthohen Beifuss gestapft sind, stoßen wir auf ein labbriges, gelbes Schlauchboot.
„Nehmen wir das Boot?“, will ich misstrauisch wissen, während ich nach einem Weg durch das dichte Schilf zwischen den Stahlträgern suche.

In den Kellergewölben der alten Brauerei hat sich ein bodenloser See gesammelt. Hier und da bricht ein Sonnenstrahl bis zum hellgrünen Wasserpflanzenteppich in der Tiefe durch. An einigen Stellen sind die Umrisse der Grundmauer zu sehen und ich überlege, darauf entlang zu balancieren.

Natürlich nehmen wir das Boot!“, ruft mir Philip aus dem nicht besonders sauberen Schlauchboot zu, bevor wir ablegen.

Warte, fahr zurück!“, schreie ich erst, denn das Gummiboot fließt an den Stellen, an denen es sich durchbiegt, voll Wasser und ich widerrufe mich:

Paddel schneller, sonst gehen wir gleich schwimmen!“ Philip kann zwar gut schwimmen, aber mir ist das Gewässer unheimlich. Bis zu den Schulter mit beiden Armen im Wasser hängend und wild darin herumschaufelnd, erreichen wir die angrenzende Wiese. Wir sind sehr nah an Carmens Grab und ich fühle mich nicht wohl. Meine Hände sind ganz kalt und ich versuche, den Gedanken an Carmen zu verdrängen.

Wenig später führt Philip mich die Stiege in der alten Abdeckerei hinauf, wo ich die Mauersegler entdeckt habe. Vor dem Raum, von dem ich weiß, dass sich dort die vor meinem Missgeschick hinter Tapete versteckte Luke vom Schornsteinschacht befindet, erklärt mir Philip mit ernstem Gesichtchen, dass ich warten solle. Auf dem Gang liegt die Reisetasche, die am Rohbau stand. Carmens Tasche. Sie ist leer.

Kurz darauf kehrt Philip mit mehreren Bierbüchsen unter dem Arm zurück und gibt mir eine davon. Sie hat keinen Boden und in ihrem Inneren steckt ein dickes, zusammengerolltes Bündel Geldscheine. Geschockt ziehe ich es heraus.

O Mann, wie viel ist das?“, rutscht es aus meinem Mund. Breit grinsend, dass man alle seine Zahnlücken sehen kann, antwortet Philip schulterzuckend:

Genug, um nach Rostock zu fahren.“ Nicht zu fassen, dass ich die Bierbüchsen zuerst für Müll gehalten habe und sie anscheinend Philips regulären Safe darstellen.

Ich will dir die Freude nicht verderben, aber ich brauche die Einverständnis deiner Tante schriftlich.“, gebe ich zögernd und ernst zu.

Das krieg ich hin! Ich werde morgen ganz früh da sein und meine Angel nehme ich auch mit!“, verkündet Philip daraufhin und verabschiedet sich auf der Stelle, obwohl ich ihn hatte nach Hause begleiten wollen, aber er erklärt mir, dass er ja immer allein durch die Stadt fahre. Also winke ich ihm nach und schlendere gemütlich die Thaerstraße entlang, bis mich ein Auto mit getönten Scheiben überholt und mich in Angst versetzt. Das Geld in meiner Tasche fühlt sich schwer an und ich habe das Gefühl, als würde man mir den Besitz ansehen. Was ist das für Geld? Ist es wirklich vom gestohlenen Vermögen von Viktor? Haben es irgendwelche Freier an Clarice bezahlt? Oder könnte das Geld Carmen gehört haben?

Erst als ich die Wohnungstür hinter mir schließe und Daniel mich aus der Küche heraus begrüßt, fühle ich mich sicher. Bevor wir uns mit dem groß angelegten Packen für die Fahrt beschäftigen, hänge ich mich in die Warteschleife der Arbeitsamt-Servicehotline. Als endlich jemand rangeht, ist es eine Computerstimme, die mich langatmig aufklärt, was passiert, wenn ich auf Taste eins bis sieben drücke und bei Taste acht von einem persönlichen Berater spricht. Die monotone Frauenstimme hat mich schon in eine Art Trance versetzt, weshalb ich es beinahe verpasse, auf die richtige Taste zu drücken und meine Frage vergessen habe.

An Dirk schreibe ich eine weitere Nachricht, weil er nicht rangeht.

Danach packe ich zum sonstigem Campingbedarf meine Fotoapparate mit Zubehör ein.

Das Stativ, eine Wasserwaage, eine Einweg-Panoramakamera zum Vergnügen, Akkus für meinen treuen Plastikfotoapparat, ein Viererladegerät für den Blitz, den Tele- und der Standardzoom wie auch der Weitwinkel und das Filterset von Opa dürfen nicht fehlen. Dem Gepäck nach werden wir mindestens drei Monate unterwegs sein und die Reisetaschen von Daniel und Hagen, inklusive Surfbretter und Skateboards, sind wesentlich umfangreicher, als mein Gepäck. Als so gut wie alles verstaut ist, klingelt das Telefon. Bevor ich abnehme, denke ich, dass es Dirk sein wird, aber es meldet sich ein Herr mit Nachnamen. Das lässt mich schneller atmen, denn es könnte ein Polizist sein. Er erläutert, dass er von einer Agentur wäre, die für einen Verlag noch Bilder suche. Meine Fotos sind bereits in der engeren Auswahl für einen Naturführer, aber er suche weitere bestimmte Pflanzen und Insektennahaufnahmen. Rasch hole ich etwas zu schreiben und notiere mir die von dem Herren am anderen Ende der Leitung aufgezählten Arten. Nachdem ich aufgelegt habe, muss ich selbst einen Naturführer besorgen, um die Arten zu erkennen. Warum nehmen die nicht einfach dieselben Fotos, wie in der letzten Ausgaben? Mir soll es recht sein, es macht einen Riesenspaß, mit seinem Hobby Geld zu verdienen. Wobei mit manchmal ein klein bisschen das Fliegen fehlt. weiterlesen

ZIELLOS QUERFELDEIN, Kapitel 5, MISSISSIPPIDAMPFER

Ein Kommentar zu Ziellos… 4. Kapitel, Goldregen

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