Kein Held in Sicht… 2. Eureka, heute

im Roman zurückblättern

Eureka, amerikanische Westküste, heute

Er öffnete die Tür einen Spalt breit. Die Sonne schien durch das zerbrochene Fenster am Ende des Ganges.

Es war niemand zu sehen.

Eigentlich war ihm gar nicht danach zumute, sein sicheres, abgedunkeltes Zimmer zu verlassen. Lieber noch ´ne Runde am Computer… Aber seine Zigaretten waren alle, er hatte keinen Bock mehr auf Leitungswasser und brauchte auch mal wieder irgend etwas zu essen.

Der Billigdiscounter war zwei Straßen weiter, keine Weltreise sozusagen.

Trotz, dass es sehr schwül war, trug er eine graue Wollmütze und hatte den Kragen
seiner muffigen Tweedjacke nach oben geschlagen. Sein Gesicht war kaum zu erkennen. Er schloss die Tür wieder und durchsuchte sein Zimmer nach ein paar Socken. Letztendlich schlüpfte er barfuß in seine Sneaker und beschloss, noch heute Nacht Wäsche waschen zu gehen.

Die Häuser der umliegenden Straßen waren durch die Keller miteinander verbunden. Iason kannte diese Gänge wie seine rechte Westentasche.

In der Dunkelheit fühlte er sich sicher, weil er wusste, dass er dort allein war. Er fürchtete Menschen, ohne den Grund zu kennen. Sie waren ihm fremd, er wusste nichts mit ihrem Lachen, Reden und Weinen anzufangen. Ohne ein Wort mit irgendwem gewechselt zu haben, war Iason zehn Minuten später mit seinen Einkäufen zurück und wendete sich wieder seinem Computerspiel zu.

Bei Einbruch der Dunkelheit machte er sich mit feuchten Händen, rasendem Herz und einer Sporttasche über der Schulter auf den Weg zum Waschcenter.

Den vierten Aufgang ging er nach oben, er musste noch Geld holen. Die Straßenbeleuchtung flackerte.

Am Geldautomaten standen zwei Jugendliche.

Iason würde warten, bis sie weg waren. Sie brauchten ziemlich lange.

Der scheinbar Jüngere sah sich immer wieder hektisch um, während der Ältere sich am Geldautomaten zu schaffen machte.

Plötzlich ging eine Autoalarmanlage los und durchzuckte die Stille der Nacht. Die beiden Jungs rannten los, genau auf den Hauseingang zu, in dem Iason sich versteckt hielt. Er wollte zurück in den Keller, doch die Tür war hinter ihm zugefallen. Er atmete stoßweise, sein Puls hämmerte gegen seine Stirn.

Er konnte nicht weg.

Schon standen sie neben ihm und rüttelten an der unnachgiebigen Tür, ohne ihn zu beachten.

„Marcus, sei still, wir müssen leise sein!“ flüsterte der Ältere dem Jüngeren zu. „Was glotzt du´n so?“ ging die Frage an Iason. Dieser konnte nicht antworten, es schnürte ihm die Kehle zu, ihm wurde heiß, er schwitzte, sank gegen die Hauswand und rutschte zu Boden. „Ey, Denzel, was ist denn mit dem?“

„Keine Ahnung. Sieh in seinen Taschen nach, ob er was Brauchbares dabei hat.“

„Guck doch selbst! Ich fasse keinen Toten an!“ Denzel verdrehte die Augen. „Gut, dann guck in die Sporttasche und ich durchsuche ihn.“ Zwanzig Sekunden später schrie Jim entsetzt auf: „ Igitt, dreckige Wäsche!“ Denzel sah auch nicht sonderlich begeistert aus.

„Der Typ hat nicht mal Geld dabei. Ahh, aber ´ne Kreditkarte, die können wir gut brauchen… Iason Sailer- was für´n bescheuerter Name. “

Zwei kleine schwarze Augen lugten um die Ecke. „Ach hier seid ihr. Ich such euch schon überall. Ihr kriegt ganz doll Ärger von Papa, der ist nämlich ganz doll sauer auf euch!“

„Halt die Klappe, Joshua, kommt, beeilen wir uns besser.“

Kein Held… 2. Eureka, heute (Waschcenter)

zur Kapitelübersicht

Google Maps: Wo ist Eureka?

4 Kommentare zu Kein Held in Sicht… 2. Eureka, heute

  1. Pingback: Nur die Geschichte in der Gegenwart lesen | Manulia

  2. Pingback: Kein Held… 2. Waschcenter | Manulia

  3. Pingback: Kein Held…1. Hongkong | Manulia

  4. Pingback: Kapitelübersicht Kein Held… | Manulia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.