WATER OVER ROAD: 8. Kapitel

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…etwa acht Wochen vor der Flut, November

8. Liane im Nirgendwo

Liane stand am kargen Straßenrand und wedelte sich die Fliegen aus dem Gesicht. Sie hasste Elly. Schließlich flog man nur einmal nach Australien und eine Schwangere mitzunehmen, war eine beschissene Idee, wie sollte man da Party machen (Liane hatte nichts dagegen, dass Jasmin sie unbedingt heiraten wollte, obwohl sie sich ihre Schwester schwer in der Mutterrolle vorstellen konnte.)? Eine andere beschissene Idee war es sicher, bei über dreißig Grad Celsius ohne Schatten unter dem Ozonloch Mitten im Nullarbor Plain zu stehen.

Sie waren zur Umrundung Australiens in Darwin, Northern Territory, entgegen des Uhrzeigersinnes gestartet, mit dem Endziel Weipa, das in North Queensland lag. Jasmin hatte alles sorgfältig geplant und nichts dem Zufall überlassen.

Geografisch lag Darwin direkt links neben (westlich von) Weipa; weder eine vernünftige Straße, noch eine Fluglinie verband die beiden Orte miteinander. Die Möglichkeit, durch die Mitte des Kontinents über Katherine und Alice Springs nach Melbourne zu fahren, ließen die Drei ungenutzt, weil Elly Dugongs sehen wollte. Es hieß, sie sähen aus, wie Meerjungfrauen.

Sie waren die gesamte Westküste hinunter gefahren, hatten weder in Bowen noch in Perth auf den Putz gehauen und Dugongs hatten sie auch keine gesichtet, dafür Geckos, Schildkröten, Mücken und bunte Riesenechsen. In Freemantle bei Perth hatte die Pauschal-Busreise im Greyhound ihr Ende gehabt und sie waren auf das von Jasmin gekaufte Auto umgestiegen. Von da an atmeten sie nichts, als Wüstenluft. In Kalgoorlie waren sie in den Pub gegangen, hauptsächlich deshalb, weil Jasmin sich seit Neuestem für den Bergbau interessierte.

Liane wäre eigentlich gar nicht mitgeflogen, viel zu wichtig waren ihr gewisse Dinge (nicht ihr Bürokauffrauenjob, nein, von dem brauchte sie wirklich mal Urlaub, aber sie hatte einen Detektiv angeheuert…) in Berlin, die sie nicht hatte verpassen wollen, nun aber verpasste, weil sie der schwangeren Elly mit den ‚Bambi-bettelt‘-Augen ihre Bitte, doch „unbedingt“ mitzukommen, schlecht hatte abschlagen können.

Australien zu durchqueren, war Liane aufregend erschienen. Sie hatte den Reisehintergrund ihrer für gewöhnlich rationalen Schwester Jasmin, irgendeinen Schmuckstein zu finden, von Anfang an nicht verstanden (beziehungsweise, warum ihre Schwester dem Stein die heilende Kraft beimaß, wenn sie ihn fände, würde alles gut werden: Mama würde gesund und die Familie vereint), aber es war das Beste, man ließ Jasmin ihren Willen. Liane hatte beschlossen, sie in Melbourne wiedertreffen. Bis dahin wollte sie mindestens einen knackigen Surfer kennenlernen.

Zunächst versuchte sie fuchtelnd, die lästigen Fliegen zu verscheuchen, die ihr um den Kopf summten. Es war ihr unerklärlich, wo diese Insekten, in solcher Anzahl mitten in der Wüste herkamen.

Aus dem Nichts näherte sich langsam ein nicht ganz zugelassener Hippiebus, seine eigene Rauchwolke hinter sich herziehend. Der bunte Bus bremste hupend neben Liane (die beim Fliegen verjagen aussah, als ob sie winkte), und wirbelte eine Menge roten Sand auf. Unter der rostroten Staubschicht war der Spruch: ‚Come to the darkside. We have cookies.‘ auf der Beifahrertür zu lesen. Der Insasse dahinter, ein junger Lockenkopf mit französischem Akzent, öffnete grinsend die Tür und sagte, sie seien auf dem Weg nach Melbourne. Liane lächelte zufrieden und stieg ein.

WATER OVER ROAD: 9. Kapitel

Über Manulia

Manulia ist ein künstlerisches Team, dass neben der Herstellung und Reparatur von Fahrrädern auch andere Alltagsgegenstände fertigt. Manulia nutzt Glas und Metall, Reste, Schrott oder Verpackungsmüll, saniert und verbaut diese unter anderem in einzigartigen Leuchten und Schmuck. Nach dem Mitwirken in der amerikanisch- chinesischen Produktion von “Gasp” und mehreren veröffentlichten Romanen, tourte 2011 ein Teil des Manulia-Fliesen-Kunstwerkes durch Europa und nach Südamerika. Nebenbei organisiert Manulia kleinere Open-Air-Events.
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