WATER OVER ROAD: 5. Kapitel

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Etwa zehn Monate vor der Flut, März

5. Jasmin und Elly

Du willst ein australisches Tigerauge haben? Bestell es einfach im Internet.“, versuchte Kurt die Zahnpasta aus der fast leeren Tube zu quetschen und Jasmins Plänen auszuweichen. Das Telefon klemmte ihm unbequem zwischen Ohr und Schulter. Ihm lag bereits alltäglich seine Freundin damit in den Ohren, weil er hier nicht genug verdiene, müssten sie weiter reisen, obwohl er dringend eine Pause brauchte. Und nun verlangte seine Schwester um fünf Uhr morgens von ihm, die Mine ihres Großvaters zu finden. Die existierte bestimmt gar nicht mehr. Jasmin aber gab nicht auf:

Das wäre dann kein Tigerauge aus dieser Mine und du bist doch gerade dort! Bedeutet es dir denn gar nichts, zu wissen, wo unsere Familie herkommt?“

Kurt wurde langsam wütend. Dieser verdammte Stein… Jasmin hatte entweder vergessen, was vorgefallen war oder sie wollte sich nicht erinnern.

Ich bin überhaupt nicht gerade dort, das sind mindestens zweitausend Kilometer bis dahin und ich hab zu arbeiten. Tut mir leid, Jasi, es geht wirklich nicht. Ich muss Schluss machen.“, würgte der Achtundzwanzigjährige seine Schwester ab und legte knackend auf.

Zähneknirschend ging Jasmin in die Küche, wo ihr Abendbrot brutzelte, eine Reispfanne mit Mangostückchen. Alle Schranktüren standen offen, weil Elly soeben in feengleicher Leichtigkeit die Spülmaschine ausräumte.

Komm, lass mich das machen.“, sagte Jasmin, der ihre zierliche Freundin gerade bis ans Kinn reichte.

Nun hör aber auf, Schatz, ich bin noch nicht mal in der fünften Woche!“, tat Elly empört; mit der weichen Sanftheit ihrer Art überzeugte das jedoch kaum. Als sie sich das Nächste mal bückte, um einen Teller aus der Maschine zu nehmen, tanzten Jasmins Hände flink ihre Taille entlang, so dass sie sich vor Lachen krümmte. Ellys feuerrote Spirellilocken hüpften um ihren Kopf, als sie sich mit einem Gegenangriff gegen die Kitzelattacke wehrte, bis Jasmins Berührungen in ein verführerisches Streicheln umschlugen.

Vertraut strich Elly über die gebräunte Haut auf Jasmins schmalen muskulösen Schultern, hinunter über das glatte Dekoilteé, zum Ansatz fester runder Brüste (deren Anblick Elly vom ersten Moment an fasziniert hatte) und lächelte madonnengleich, als sich die Brustwarzen unter Jasmins Shirt kräuselten. Sie küssten sich zärtlich forschend. Bis Elly die Paella auf dem Herd einfiel, der sie sich erhitzt zu wendete.

Und, wird dein Bruder dir den Stein schicken?“, erkundigte sie sich beim Befüllen der Teller. Jasmin hatte sich an den Tisch gesetzt und schüttelte enttäuscht mit dem Kopf. Elly wusste nicht viel von Jasmins Beweggründen, bloß, dass der vermisste Tigeraugenanhänger, für ihre sonst eher strukturiert denkende Freundin, eine beinahe spirituelle Bedeutung hatte.

Wir könnten eine Schatzsuche machen und den finden, den du verloren hast.“, tröstete Elly.

Das bringt nichts, hab ich schon gemacht. Der Sportplatz ist zwar noch da, aber nicht mehr ebenerdig, sondern auf dem Dach von einem riesigen Kaufland, das jetzt an der Stelle steht.“, stellte Jasmin säuerlich fest. Elly ahnte, dass der Ort in Jasmins Augen eine Gedenkstätte hätte sein müssen und tätschelte ihr die Hand, die auf dem Tisch lag, während ihnen der Dampf des Essens ins Gesicht waberte.

Sie war nicht sicher, wie das, was sie vorschlagen wollte, bei Jasmin ankäme, immerhin waren sie erst seit drei Wochen zusammen. Allerdings kannten sie sich durch den Sport seit Jahren und waren bisher ein gutes Team gewesen. Obwohl sie nie die Waghalsigste gewesen war, bot Elly an:

Wir suchen die Mine einfach selbst, wenn du möchtest.“

WATER OVER ROAD: 6. Kapitel

Über Manulia

Manulia ist ein künstlerisches Team, dass neben der Herstellung und Reparatur von Fahrrädern auch andere Alltagsgegenstände fertigt. Manulia nutzt Glas und Metall, Reste, Schrott oder Verpackungsmüll, saniert und verbaut diese unter anderem in einzigartigen Leuchten und Schmuck. Nach dem Mitwirken in der amerikanisch- chinesischen Produktion von “Gasp” und mehreren veröffentlichten Romanen, tourte 2011 ein Teil des Manulia-Fliesen-Kunstwerkes durch Europa und nach Südamerika. Nebenbei organisiert Manulia kleinere Open-Air-Events.
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