WATER OVER ROAD: 10. Kapitel

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10. Liane in Apollo Bay

Einige hundert Kilometer südostwärts von Jasmin und Elly, saß Liane fröhlich auf dem Schoß von Kevin, der von einer französischen Südsee Insel kam. Sie fand seine Aussprache toll und seine Haare.

Der Fahrer des Busses war mit seinem stark indonesischem Akzent kaum zu verstehen, trotzdem redete er die ganze Zeit und lachte. Dann lachten einfach alle mit. Sie hatten das beschaulichen Örtchen Port Campell hinter sich gelassen und vor ihnen lag die, dem Küstenverlauf angeschmiegte Great Ocean Road. Bis zur Nacht wollten sie am südlichsten Zipfel Australiens sein, dem Leuchtturm des Cape Otawa.

Da bei ausländischen Massenwanderern, nebst Agakröte und Asiaten, die Deutschen gleichauf lagen, saß auf den Rücksitzen neben dem norwegischen Pärchen, Caroline aus Stuttgart. Liane hatte den Eindruck, sie würde sich mit Caro nicht besonders gut verstehen. Ihr Blick sprach Bände.

Bei Sonnenuntergang parkte Kevin den Bus laut Ausschilderung am Leuchtturm. Vom Turm und einem Schiffe tragenden Ozean war nichts zu sehen, ein großes Tor in einer hohen Mauer versperrte den Zugang.

Die Norweger kochten das Abendessen aus Wasser und Asianudeln unter der Kofferraumklappe, während Caro allein, mit einem Fotoapparat bewaffnet, über den Parkplatz entschwand.

Liane atmete tief durch und sah in den erdbeerfarbenen Himmel, als sie sich an Kevin anlehnte. Er flüsterte ihr etwas auf französisch ins Ohr. Sie drehte sich um und küsste ihn.

Etwas später nahm er sie an der Hand und schlenderte mit ihr am Tor vorbei, die Mauer entlang, einen sandigen Pfad zum Meer hinunter. Sie trieben es auf der Kante des steinigen Weges über der schlagenden Brandung, bis die Sonne weg war, was in dieser Gegend schnell ging. Bei ihrer Rückkehr stand der Klapptisch mit dem Essen darauf bereit, der Fahrer und die norwegischen Verliebten spielten im Bus Karten. Von Caro war nichts zu sehen.

Die Wellen schlugen laut und unrhythmisch an die Klippen, Wind kam auf. Sonst hatten die Campenden auf Decken unter freiem Himmel übernachtet, doch diese Nacht versprach, kalt zu werden. Daher machten sich Liane und die Norwegerin daran, die Ladefläche in eine Liegefläche für sechs Personen zu verwandeln. Dafür musste sehr viele Taschen und Rucksäcke anderswo hingepackt werden.

Liane sehnte sich nach einer heißen Dusche, sie hatte frostige Zehen und Sand in allen Poren. Und sie hatte ihr halbes Gepäck bei Jasmin zurück gelassen. Wo sie jetzt wohl steckte? Wahrscheinlich in einem warmen Motelbett. Ganz kurz stellte sich Liane die weiche Matratze unter ihrem Körper vor. Sie verwarf den Traum sofort wieder. Obwohl sie ein wenig Respekt vor einer Nacht zwischen fünf schnarchenden und ungewaschenen Personen hatte, war wirklich alles besser als Langeweile mit Jasmin und Elly.
Sie drängten sich, wie die Ölsardinen. Liane und Kevin lagen bereits aufeinander und Caro war irgendwann auf der Beifahrerseite eingestiegen. Noch nie war eine Nacht so laut gewesen. Nicht einmal das nervige Schimpfen der Flughunde war, über das gewaltige Tosen des Ozeans hinweg zu hören. Der Bus wackelte im Wind.

WATER OVER ROAD: 11. Kapitel

Über Manulia

Manulia ist ein künstlerisches Team, dass neben der Herstellung und Reparatur von Fahrrädern auch andere Alltagsgegenstände fertigt. Manulia nutzt Glas und Metall, Reste, Schrott oder Verpackungsmüll, saniert und verbaut diese unter anderem in einzigartigen Leuchten und Schmuck. Nach dem Mitwirken in der amerikanisch- chinesischen Produktion von “Gasp” und mehreren veröffentlichten Romanen, tourte 2011 ein Teil des Manulia-Fliesen-Kunstwerkes durch Europa und nach Südamerika. Nebenbei organisiert Manulia kleinere Open-Air-Events.
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