Kein Held… 1. Hongkong im biologischen Institut

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Angenehme Kühle erwartete sie im Inneren des Instituts.

Phoung ging zügigen Schrittes voraus und Michael folgte ihm. An einer Schleuse ließ Michael seinen Koffer zurück. Beide zogen blaue Schutzhüllen über die Schuhe, setzten Haarnetze aus Papier auf und schlüpften in weiße Kittel, bevor sie die Sicherheitszone betraten.

Michael kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Diese Forschungsabteilung erinnerte ihn an einen Bienenstock, da war ein ständiges Kommen und Gehen von fleißigen Assistenten und Wissenschaftlern. Hinter Unmengen von Sicherheitsglas befanden sich Operationssäle, Labore und Büros in einer Größenordnung, wie Michael es sich nicht in seinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Phoung führte ihn in einen Zuschauersaal, von wo aus man die Obduktion eines riesigen Wolfes beobachten konnte. Michael beobachtete das Geschehen interessiert.
„Woher stammt dieses Tier?“, erkundigte er sich. Phoung grinste und antwortete in gewohntem Singsang:
„Der Wolf wurde in diesem Institut geboren. Eine der wichtigsten Forschungsabteilungen beschäftigt sich hier mit der Erhaltung von aussterbenden Tierarten. Wir haben auch Säbelzahn-, Bali- und Javatiger, einige Arten Thekodontiere, sowie Weißkopf- und Steinadler. Außerdem gibt es eine Abteilung Meeresbiologie. Dort arbeiten hauptsächlich Studenten, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mittels Genmanipulation versuchen wir die Überlebenschancen dieser Tiere zu gewährleisten. Es gibt auch eine Einheit, die sich mit der Züchtung ausgestorbener Pflanzen beschäftigt, aber das zeig ich dir ein anderes Mal. Ich denke, du möchtest jetzt lieber deinen Arbeitsplatz sehen.“

Michael nickte und sie verließen den Zuschauersaal. Sie folgten den Gängen, bogen nach links ab, dann wieder nach rechts und noch einmal nach links und standen letztendlich vor einer dreifach verriegelten Stahltür. Phoung schloss auf und stieß die quietschende Tür auf. Dahinter befand sich ein in Neonlicht getauchter Raum mit Operationstisch, dem nötigen Zubehör und in einer Nische stand ein Schreibtisch mit einem Computer. Michael war begeistert.
„Wow, ich glaube, ich durfte noch nie in einem so komplett ausgestatteten Labor arbeiten. Wie lautet mein erster Auftrag?“ Phoung deutete auf ein ovales, schwarzes Ei, das in einem Brutkasten lag.
„Dein erster Auftrag ist eins unserer wichtigsten Projekte. Weißt du, was das ist?“

Phoung zeigte auf das schwarze Ei und Michael nickte langsam:
„Wenn es das ist, was ich glaube, wäre es eine Sensation. Ist es denn hundertprozentig echt?“

Phoung sah Michael in die Augen und legte die rechte Hand auf die Brust.
„Ich kann auf die Echtheit des Eies schwören. Ich selbst habe es geprüft. Die Röntgenaufnahmen liegen auf dem Schreibtisch. Außerdem haben wir eine Analyse der Schale vorgenommen, sowie einen DNS-Abstrich des Dotters. Die Ergebnisse waren eindeutig. Doch ohne unsere Hilfe wird das Geschöpf niemals überleben. Wir haben eine Infusion gelegt, die dem Embryo die nötigen Vitamine und Mineralien zuführt. Nun sind wir alle gespannt, was deine Forschungen ergeben werden.“

Michael konnte es kaum erwarten, mit seiner Arbeit zu beginnen. Phoung erklärte ihm die Einstellungen des Brutkastens, gab ihm das Passwort für das entsprechende Computerprogramm und den Schlüssel für sein Appartement.
„Dann sehen wir uns heute abend. Ich koche uns was Schönes.“ weiterlesen

Kapitelübersicht Kein Held in Sicht…

Über Manulia

Manulia ist ein künstlerisches Team, dass neben der Herstellung und Reparatur von Fahrrädern auch andere Alltagsgegenstände fertigt. Manulia nutzt Glas und Metall, Reste, Schrott oder Verpackungsmüll, saniert und verbaut diese unter anderem in einzigartigen Leuchten und Schmuck. Nach dem Mitwirken in der amerikanisch- chinesischen Produktion von “Gasp” und mehreren veröffentlichten Romanen, tourte 2011 ein Teil des Manulia-Fliesen-Kunstwerkes durch Europa und nach Südamerika. Nebenbei organisiert Manulia kleinere Open-Air-Events.
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